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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Jung-Woschitz; Jün-nan-fu; Jupiter; Jurisdiktionsnorm; Kabelmaschine; Kabelschnur; Kade; Kadelburg; Kadettenschulen

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Jung-Woschitz – Kadettenschulen

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Jungfrau'

letzte Strecke war noch der Nachweis zu bringen, daß Bau und Betrieb über 3000 m keine Gefahren für die Gesundheit nach sich ziehen werden; nach vorgelegtem Gutachten hat der Bundesrat im Juli 1895 sein Bedenken jedoch fallen lassen. Die Länge wird 12,3 km, die Spurweite 1 m, die Kosten sollen 10 Mill. Frs. oder mit Elevator für 1 km 780000 Frs., die Bauzeit 5 Jahre betragen. Sie wird als elektrische Zahnradbahn angelegt. Die Entwürfe von Köchlin, Locher und Trautweiler hatten übereinstimmend als Ausgangspunkt das obere Lauterbrunnenthal gewählt. Die Jungfraukommission hat 15. Febr. 1896 einen internationalen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen (beste Lösung der Fragen in Bezug auf Führung, Bau, Betrieb u.s.w.) ausgeschrieben.

Jung-Woschitz, czech. Mladà Vožice, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Tabor in Böhmen, Sitz eines Bezirksgerichts (264 qkm, 19330 E.), hat (1890) 2043, als Gemeinde 2157 kath. czech. E., Marienkirche (1646), Pfarrkirche, gewerbliche Fortbildungsschule und Fideïkommißherrschaft (3621 ha) des Grafen von Kuenburg mit Schloß; Brauerei, Brennerei, Ziegel- und Kalkbrennerei.

Jün-nan-fu, Hauptstadt der Provinz Jün-nan, liegt unter 25°4' nördl. Br. und 102°52' östl. L. von Greenwich, auf der Nordseite des Tien-thschi, eines nach dem alten Namen des Landes genannten Sees, Himmelsees (Tien-hu), etwa 1960 m ü.d.M., ist die Residenz des Vicekönigs oder Oberstatthalters der Provinzen Jün-nan und Kwei-tschou, sowie Sitz ↔ des Statthalters von J. Die Stadt ist wohl befestigt und sehr gewerbthätig, umspannt von einer 10 km langen Mauer. Ihre Einwohnerzahl wird auf 200000 geschätzt. Die Seidenstoffe, Teppiche, Leder-und Metallwaren von hier haben in ganz China guten Ruf. Marco Polo beschreibt J. (nach andern Ta-li-fu) unter dem Namen Yachi (Jatschi) als eine sehr große und edle Stadt, wo viele Kaufleute und geschickte Handwerker, Sarazenen (Mohammedaner) und Götzendiener, sowie einige Nestorianer wohnten.

*Jupiter. Aus mehrfach beobachteten Vorübergängen des ersten Jupitermondes vor der Jupiterscheibe hat Barnard auf der Lick-Sternwarte gefunden, daß dieser Mond einen hellen Streifen an seinem Äquator und dunkle Flecken an den Polen besitzt. Eine geringe Neigung der Rotationsachse desselben gegen seine Bahnebene ist wahrscheinlich. Die andern drei hellen Jupitermonde erscheinen als gleichmäßig erhellte kreisrunde Scheibchen. Nach Messungen in Greenwich aus den letzten Jahren sind die Durchmesser der Monde: 1. Mond 1",084, 2. Mond 0",959, 3. Mond 1",454, 4. Mond 1",350.

Für die Umlaufszeit des 5. von Barnard entdeckten Jupitermondes haben Barnard und H. Struve gefunden 11h 57m 22s,6.

Jurisdiktionsnorm, das österr. Gesetz vom 1. Aug. 1895 über die Ausübung der Gerichtsbarkeit und über die Zuständigkeit der ordentlichen Civilgerichte tritt mit dem neuen Civilprozeßgesetz (s. Civilprozeß) 1. Jan. 1898 in Kraft.

K.

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Kabelmaschine, Kabelschnur, s. Fadenmühle.

Kade, Otto, Musikforscher, Komponist und Dirigent, geb. 5. Mai 1819 in Dresden, war Schüler von Joh. Gottlob Schneider und Moritz Hauptmann, besuchte 1847–48 Italien, gründete 1848 in Dresden den Cäcilienverein (zur Pflege älterer, meist kirchlicher Musik) und wurde ebenda Kantor der Dreikönigskirche. 1860 berief ihn der Großherzog von Mecklenburg als Dirigenten des Schloßchores nach Schwerin, wo er als Lehrer und Dirigent eine segensreiche Thätigkeit entfaltete. 1884 promovierte ihn die philos. Fakultät in Leipzig, 1886 ernannte ihn der Großherzog von Mecklenburg zum Professor. K. ist einer der ersten und eifrigsten Vorkämpfer für die Erforschung und Pflege alter Musik. Zu seinen größern Werken gehört der musikalische Teil des Landescantionale für die mecklenb. Kirche (4 Bde.). Von seinen litterar. Arbeiten seien hervorgehoben zahlreiche Beiträge zu den «Monatsheften für Musikgeschichte», die preisgekrönte Schrift über Le Maistre (Mainz 1862), die Herausgabe des «Neuaufgefundenen Luther-Codex vom J. 1530» (Dresd. 1872), der Neudruck des Johann Ottschen Liederwerkes von 1544 («115 guter newer Liedlein»), ferner «Auserwählte Tonwerke der berühmtesten Meister des 15. und 16. Jahrh.» (als Bd. 5 der «Geschichte der Musik» von A. W. Ambros, 2. Aufl.), «Die ältere Passionskomposition bis zum J. 1631» (deutsche Passionskompositionen vor Joh. Seb. Bach enthaltend, 4 Hefte, Gütersloh 1891–93) und ein alphabetisch-thematischer ↔ Katalog der Musikaliensammlung des großherzoglich mecklenb. Hofes (2 Bde., Schwerin 1893).

Kadelburg, Gustav, Schauspieler und Lustspieldichter, geb. 26. Juli 1851 in Budapest, wurde in Wien deutsch erzogen und widmete sich mit 17 Jahren der Bühnenlaufbahn. Nach den Anfängen in Leipzig und am Stadttheater in Halle kam er 1871 an das Wallnertheater in Berlin. Nach kurzem Aufenthalt in Wien und Hamburg wurde er von L'Arronge für das Deutsche Theater in Berlin gewonnen, dem er als gern gesehener Bonvivant bis 1894 angehörte. Als Bühnendichter hat K., der längere Zeit auch an verschiedenen Zeitungen thätig war, teils allein, teils in Gemeinschaft mit Franz von Schönthan oder Oskar Blumenthal eine Reihe von zugkräftigen Lustspielen und Schwanken verfaßt («Migräne», «Voltaire wird verbrannt», «Der wilde Baron», «Goldfische», «Die berühmte Frau», «In Civil», «Die Großstadtluft», «Die Orientreise», «Zwei glückliche Tage», «Der Herr Senator», «Mauerblümchen», «Zwei Wappen» u.a.).

*Kadettenschulen in Österreich-Ungarn. Nach den Bestimmungen vom Febr. 1896 wird zur Aufnahme in den ersten Jahrgang einer Infanterie-, Kavallerie- oder Artilleriekadettenschule die Absolvierung der vier (bei den Pionierkadettenschulen der fünf) untersten Klassen eines Gymnasiums oder einer Realschule verlangt. In einen höhern als den ersten Jahrgang kann die Aufnahme nur erfolgen, wenn bei der Aufnahmeprüfung auch die Kenntnis derjenigen militär. theoretischen und praktischen Unter-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 637.

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