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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kartendiagramm - Kartometrie
Beratung der Gedanke angesehen werden, daß man
individualisieren müsse, manche K. zweifellos schad
lich, andere nützlich seien, daß es also falsch wäre,
sie schlechthin zu unterdrücken. Haben die K. den
Zweck, Überproduktion zu verhindern und so einer
Mehrzahl von Unternehmern ihren bisherigen
Unternehmcrgewinn zu sichern, so bieten sie den
Vorteil, daß sie schwächern Unternehmungen die
Existenz, den Arbeitern regelmäßige Beschäftigung
und stabilen Lohn sichern. Geradezu notwendig zur
Erhaltung des Kapitals, ohne andere erheblich zu
schädigen, erweisen sich die K. bei Überproduktion
in solchen Industrien, aus denen das Kapital nicht
leicht herausgezogen und wo auf diese Weise die
Überproduktion vermieden werden kann (Bergbau,
Eisenbahn). Dazu eignen sich die K. nur für solche
Artikel, deren Produktion nicht von äußern Zufällig'
keiten (Wind und Wetter) abhängt und denen die
Eigenschaft von Gattungssachen (Bergbau, Zalb-
fabrikation; nicht aber Kleider, Luxusartikel) zu-
kommt. Rein örtliche K. können unter Umständen
darüber hinausgehen. Welche Produktionszweige
kartelliert werden, zeigt folgende Übersicht: Deut-
sches Kalikartell, Deutscher Walzwerksverband, Ver-
einigung bayr. Spiegelglasfabrikcn, K. der deutschen
Salinen, Holzstoffsyndikat, Rheinisch-Westfälisches
Kohlensyndikat, Vrauereikartell, Pulverkartell, K. der
österr. Feinblechwerke,Vereinigung der österr.-ungar.
Blechemaillierwerke, Österreichisches Patentpapier-
kartell, Centrale der Vrünner, der Münchener Ziege-
leien, K. der Kaffeesurrogaterzeuger in Osterreich.
Der Nachteil, der dem allen gegenübersteht, ist,
daß jungen talentvollen Technikern, die nicht reich
sind, erschwert wird, sich selbständig zu machen,
und event, ein kleines Anziehen der Preise. Die
Stärkung der Position der Unternehmer gegen die
Arbeiter wird durch den angegebenen Vorteil der
ständigen und gleichmäßigen Beschäftigung aus-
geglichen. Dauernde Einrichtungen werden die K.
nie sein. Mit dem Wegfall der Konkurrenz entfällt
der Ansporn zu technischem und wirtschaftlichem
Fortschritt, und so wird immer wieder die Zeit der
selbständigen Einzcluntcrnchmung kommen.
Volkswirtschaftlich mehr schädlich als nützlich sind
selbstverständlich die "Ringe", ^oi-um'Z (s. d.,
Bd. 4), "Schwänze"(manchmal auch K., Syndikate,
?ooi8 genannt), die nur den Zweck haben, durch
forcierte Aufkäufe u. dgl. die Preise zu steigern
("Kupferring" 1887-89). In Rußland ist 1892/93
der Staat einer künstlichen Preissteigerung des
Zuckers durch das Zuckerkartell durch Ankauf von
Zucker im Ausland und Abgabe desselben zu festen
Preisen im Inland mit Erfolg und Gewinn ent-
gegengetreten. In Bezug auf die sonst zu ergreifen-
den staatlichen Maßnahmen wurde 1894 eine ähn-
liche staatliche Beaufsichtigung der K. vorgeschlagen,
wie sie über Privatbcrgwcrkc und -Eisenbahnen be-
steht. In Österreich sind durch das Koalitionsgesetz
vom 7. April 1870 K. zum Zwecke einer Preis-
erhöhung zum Nachteil des Publikums für rechtlich
unverbindlich erklärt worden. Was in England der
Invo8tin6Qt 'Ii-nät (s. Trust, Bd. 15), das ist in
Frankreich das Oinunnn, eine Centralaktiengesell-
schaft, welche die Aktien der miteinander kon-
kurrierenden Unternehmungen aufkauft und so die
Leitung in den einzelnen Unternehmungen gewinnt,
wodurch sie erreicht, daß die Produktion den: Ge-
samtbedarf angepaßt wird. Eine neue Form der K.
zeigt ferner die franz. Kerzenfabrikation. Jeder
Fabrikant darf ein gewisses (niedriges) Produk-
tionsquantum auf den inländischen Markt bringen.
Will er mehr produzieren, so hat er einen verhält-
nismäßigen Betrag an die Kartellkasse zu leisten,
aus der außer den gemeinsamen Verwaltungskosten
Prämien an die Fabriken gezahlt werden, die bis zu
einem bestimmten Minimum hinter dem ihnen zu-
gewiesenen Kontingent zurückbleiben. Der gleiche
Zweck, den die guten K. verfolgen, Wahrung des
bisherigen Unternehmergewinns für eine größere
Zahl von Fabrikanten, wird neuerdings öfters auch
durch Fusion der Betriebe, also durch Aufhebung
der selbständigen Vetriebsstätten, die beim K. er-
halten bleiben, angestrebt (Vereinigte Pinsel-, Ver-
einigte Ultramarinfabriken in Nürnberg).
Vgl. Schriften des Vereins für Socialpolitik,
Bd. 60 u. 61 (Lpz. 1894); Artikel Unternehmer-
verbände im "Handwörterbuch der Staatswissen-
schaften", Bd. 6 und Supplementband 1 (Jena
1894 u. 1895).
Kartcndiagranmt, f. Graphische Darstellung.
Kartoffelbacillen, mehrere mit dem Heu-
bacillus verwandten und in eine große natürliche
Gruppe gehörigen Vakterienarten, die häusig an der
Kartoffelfchale und im Staube vorkommen und sich
durch Bildung sehr widerstandsfähiger Sporen aus-
zeichnen; es ist eine Art befchrieben, deren Sporen
17stündigcs Kochen lebend überdauern.
* Kartogramm, s. Graphische Darstellung.
Kartometrie (grch.), alle Messungen auf Plä-
nen, topogr. und geogr. Karten. Diese Messungen um -
fafscn: Längenmessung, Flächenmessung (Ärcalbe-
stimmung), mittelbar auch Körpermessung (Volum-
bestimmung), endlich Winkelmessung. Ein Plan ver-
mag insolge seines großen Maßstabs nur ein so
kleines Stück der Erdoberfläche zu umfassen, daß er
einfach als Grundriß dieses Stücks gelten kann, und
daß also von irgend welcher, aus der Unmöglichkeit
der gleichzeitig Winkel- und flächcntreucn Abbildung
eines beträchtlichen Stücks der Kugeloberfläche ent-
springenden Verzerrung dieser ebenen Abbildung
abgesehen werden kann; eine geogr. Karte dagegen
kann je nach Format und Maßstab ein beliebig
großes Stück der Erdoberfläche darstellen, und hier
ist auf jene Verzerrung Rücksicht zu nehmen. Dic
Grenze zwischen beiden Fällen ist aber natürlich nicht
scharf; während z. B. ein Plan im Maßstab 1:1000
bis 1:10000 und einem Gesamtdarstellungsbereich
bis zu 20 oder 50 csicin für die K. in dem oben be-
grenzten Umfang einfach als Grundriß im Sinne
der darstellenden Geometrie zu gelten hat und felbst
Messungen auf den Blättern einer in Polyederpro-
jektion entworfenen viclblätterigen Special- (topogr.)
Karte in 1 :50000, 1:100000 und selbst noch klei-
nern Maßstäben zu diesem ersten Teil der K. zu stellen
sind, so kann man auf (geogr.) Übersichtskarten mit
noch wesentlich kleinern Maßstäben, z.B. 1:1 Mill.
sür Landestcile, 1: 2 Mill. oder 1: 5 Mill. sür grö-
ßere Karten, oder gar auf umfassenden Übersichts-
karten von Erdteilen in kleinen Maßstäben nur
noch für gröbere Messungen von den Verzerrun-
gen der Projektion äbfehen.
1) Messungen auf Plänen und topogr. Karten,
wobei auf die Verzerrungen der Abbildungsart,
wenn sie überhaupt in Betracht kommen, keine Rück-
sicht genommen wird. Die Zeichnung habe den
Längenmaßstab 1: ^1 (z. B. N ^ 5000 oder auch
noch 50000, für viele Zwecke bis zu 1 Mill.). Wenn
irgend eine Linie der Karte a Längeneinheiten ent-
Nrtilcl, du' man uuU'r K vermißt, sind untrr C auszusuchen.