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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Katholische Volkspartei - Kautionsversicherung
tiou der Bruderschaften und Sonderverbindungen
durch das ganze kath. Deutschland, so daß jeder K.
eine große Heerschau oder Generalversammlung
kath. Vereine ist, von denen hier nur genannt seien:
der Piusverein (s. d., Bd. 13), der Bonifatiusverein
ls. d., Vd. 3), der Vincenzvercin (s. d., Bd. 16), der
Borromänsverein (s. d., Bd. 3), der Volksverein für
daskatholischeDeutschland(s.d.,Bd.16),derkath.Ver-
ein junger Kaufleute, der Verband kath. Industrieller
und Ärbeiterjreuude, die christl. Zlrbcitervereine,
AlÜnner-, Meister-, Gesellen-, Lehrlingsvereine u. a.
Ermuntert durch Deutschlands Vorgang bat man
anch in andern Ländern, wie Österreichs da^ bis 18<^<;
an den deutschen K. sich beteiligte, Frankreich, Italien
und Spanien solche Katholikenversammlungen ein-
gerichtet oder doch einzurichten versucht, wenn aucb
nicht mit gleich glänzendem Erfolg wie in Deutsch-
land, hauptsächlich zur Agitation für die weltliche
Souveränität des Papstes und für die Wiederher-
stellung des Kirchenstaates. - Vgl. Th. Palatinus,
Entstehung der Generalversammlungen des kath.
Deutschlands u. s. w. (Würzb. 1893)'-, C. Schlcsin-
ger, Große Männer einer großen Zeit (Münster
1895); Die kath. Veweguug sin der "Monatsschrift für
kirchliche und tirchenpolit. Fragen", 1. bis 30. Jahrg.,
Würzb. 1868-96), sowie die ^onderberichte über
die einzelnen K. von 1848 bis 1896.
Katholische Volkspartei, eine deutsche Par-
teigruppe im östcrr. Abgeordnetenhaus, die sicb
23. Nov. 1895 aus
(s. d.) ausgeschiedenen Klerikalen bildete, dessen
Programm sie im wesentlichen beibehielten; doch
fordern sie größere Unabhängigkeit von der Negie-
rung und Berücksichtigung des nationalen Bewußt-
seins des deutschen Volks. Ihre Führer sind
Dr. Ebenhoch und Baron Dipauli.
In Ungarn bildete sich 1893 eine K. V. unter
der Führung des Grafen Ferdinand Hichv und an-
derer Aristokraten aus Anlaß der tirchenpolit. Gesetze.
Sie setzte sich die Verhinderung der liberalen Kirchen-
gesetzgebung und nach deren Annabmc ihre Wieder-
beseitigung zum Ziele. Bei den Neuwablen zum
ungar. Reichstag Okt. 1896 erlangte sie 20 Mandate.
Katteltvusch, Ferdinand, prot. Theolog, geb.
3. Okt. 1851 zu Kettwig (Rheinprovinz), studierte in
Bonn, Berlin und Halle, wurde 1873 Repetent,
1876 Privatdocent in Göttingen, 1878 ord. Pro-
fessor der systematischen Theologie in Gießen. Von
K.' Schriften sind zu nennen: "Luthers Lehre vom
unfreien Willen und von der Prädestination" (Gott.
1875), "Luthers Stellung zu den ökumenischen Sym-
bolen" (Gieß. 1883), "über religiösen Glauben im
Sinne des Christentums" (ebd. 1887), "Von Schleier-
macher zuRitschl" (ebd. 1892; 2. Aufl. 1893)', "Lehr-
buch der vergleichenden Konfessionskunde", Bd. 1
(Frcib. i.Br.1892), "Beiträge zur Geschickte des alt-
kirchlicken Taufsymbols" (Gieß. 1892), "Das aposto-
lische Symbol, seine Entstehung, sein geschichtlicher
Sinn u. s. w." (2 Bde., Lpz. 1891-97).
Kauar, Oasengruppc mit etwa 5000 E. in der
Central-Sahara, an der Karawanenstrafte Fessan-
Tsadsee, erstreckt sich ungefähr 80 kni von N. nack
S. in einer Thalmulde; die dem Stamm der Tibbu
angehörenden Bewohner wohnen in ungefübr 12
mit alten Befestigungen versehenen Plätzen; die
Hauptstadt ist Dirti in der Mitte der Gruppe; volk-
reicher ist Garu in der Oase Bilma im südl. Teile
der Gruppe. Die Vegetation ist spärlich, Palmen
gedeihen nur mittelmäßig; die.Haupterwerbsquellen
Artikel, dk' man nnlt'r K vermißt, sind iintcr (s anfznsnchcn.
der Bewohner bilden der Handel und die Salz-
produktion aus den Ealzsümpfen bei Dirki und in
der Oase Bilma, der reichsten Salzfundstelle der
ganzen Sahara, von wo nach Nachtigal jährlich
70000 Kamelladungen Salz ausgeführt werden.
Kauernik, Stadt im Kreis Löbau des preuß.
Reg.-Bez. Maricnwerder, 3kin von Neumark, an
der Drewenz, hat (1895) 888 kath. poln. E., tath.
Kirche, Postagentur und Fernsprechverbindung.
Kauffmann, Friedr., Germanist, geb. 14. Sept.
1863 zu Stuttgart, studierte in Tübingen und Frei-
burg i. Vr., wurde 1886 als Hilfsarbeiter am "Sprach-
atlas des Deutschen Reichs" nach Marburg berufen,
habilitierte sich hier 1887, wurde 1892 außerord.
Professor in Halle, 1893 ord. Professor in Jena,
1895 in Kiel. Er veröffentlichte: "Die Rhythmik des
Heliand" (in den "Beiträgen zur Geschichte der deut-
schen Sprache und Litteratur", Bd. 12), "Deutsche
Grammatik. Laut- und Formenlehre des Gotischen,
Alt-, Mittel- und Neuhochdeutschen" (Marb. 1888;
2. Aufl. 1895), "Geschichte der schwäb. Mundart"
(^traßb. 1890), "Deutsche Mythologie" (Stuttg.
1890; 2. Aufl. 1893), "über althochdeutsche Ortho-
graphie" (in der "Germania", Bd. 37), "Mytholog.
'Zeugnisse aus röm. Inschriften" (in den "Beiträgen".
Bd. 15, 16, 18), "Deutsche Metrik" (Marb. 1896),
"Beiträge zur Quellenkritik der got. Bibelüber-
setzung", in der "Zeitschrift für deutsche Philologie"
iBd. 29 fg.), deren Mitherausgeber er feit 1896 ist.
Kaufmännische Schiedsgerichte, s. Schieds
gerickte, kaufmännische.
Kaufstempel, s. Börsensteuer.
Kaukehmen, Flecken im Kreis Niederung des
preuß. Reg.-Bez. Gumbinnen, an der alten Gilge,
Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Tilsit), einer
Kreis- und Wasserbauinspektion, hat (1895) 1816
(5., darunter 30 Katholiken und 21 Israeliten, Post-
amt zweiter Klasse, Tclegrapb, evang. Kirche, höhere
Knaben- und Mädchenschule, Dampfschifsverbindung
mit Tilsit, Memel und Königsberg; Maschinenfabrik
und Sägewerk.
Kaupert, Johann August, Kartograph, geb.
9. Mai 1822 zu Cassel, studierte das Geometerfach
am Polytechnikum zu Cassel, trat 1841 als Land-
messer in den Dienst der allgemeinen topogr. Lan-
desvermessung Kurhessens, wurde 1850 Sektions-
dirigent, 1861 knrhess. Kommissar für die mitteleurop.
Gradmessung in Berlin und trat 1866 als Ver-
messungvinspcktor in die topogr. Abteilung des
prcuß. 'Generalstabs, führte 1875-77 die topogr.-
archäol. Aufnahme von Athen und nächste Um-
gebung , wnrde 1879 zum Landesvermessungsrat
und 1891 zum Geh. Kriegsrat ernannt. Hervor-
ragend beteiligt war er bei der topogr. Aufnahme
Kurhessens in 1: 25000 und deren Veröffentlichung
als Niveaukarte; ferner bei Herstellnng des Atlas
von Kurhesscn in 1: 50 000, sowie der Übersichts-
karten in 1: 200000 und 1: 350000 (1856), 1875
-96 war er mit der Redaktion der Karte des König-
reichs Preußen in 1:100000 (seit 1878 Karte des
Teutschen Reichs) beschäftigt, entwarf und bearbei-
tete die neue topogr. Übersichtskarte des Deutschen
Reichs in 1:200000, ferner den "Atlas von Athen"
szusammcn mit (5urtius, 1878), "Olympia nebst
Umgebung in 1:12500" (1880), "Karten von At-
tika in 1:25000" (seit 1887), 10-Blattkarte von At-
tika in 1:100 000 (seit 1895) u.a.
^Kautionsversicherung, auch Garantie-
versicherung genannt, hat den Zweck, Arbeit-