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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Leuchtturm; Leutenberg; Leutstetten; Leutwein; Levensau; Levern; Levertin

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Leuchtturm - Levertin

auch die die Polypen tragende Grundmasse des Stocks (das Polyparium) unterworfen werden. Der Reiz kann sich auf alle Seitenblätter des Polypariums der Länge nach übertragen und den Verlauf der Lichterscheinungen in auf- und absteigender Richtung bedingen. Bei den gewöhnlichen Quallen oder Medusen (z. B. Pelagia noctiluca Péron et Lesueur, Fig. 2) treten die Lichterscheinungen an der Peripherie des Körpers auf, gelegentlich aber auch aus der Oberfläche innerer Teile. Der Sitz der Leuchtfähigkeit ist in den Zellen der Oberhaut oder Epithelien. Auch unter den Rippenquallen leuchten mehrere, so die eiförmige Gurkenqualle (Beroë ovata de la Chiaje, Fig. 5) und der Venusgürtel (Cestus Veneris Lesueur, Fig. 7), beide Bewohnerinnen des Mittelmeers. Auch leuchtende Stachelhäuter sind mehrere bekannt, aber nur aus den Klassen der Seesterne (z. B. der zierliche Schmuckstem, Brisinga elegans Björn., Fig. 12) aus großen Tiefen norweg. Fjorde, und einige Schlangensterne. Leuchtende Gliedtiere giebt es unter Ringelwürmern, Krebsen, Tausendfüßern und Insekten, auf dem Lande bis jetzt sicher allerdings bloß bei Tausendfüßern, ein Paar Schmetterlingsraupen und bei zahlreichen Käfern aus den Familien der Johanniswürmchen und tropischen Schnellkäfer (z. B. bei dem Cucujo, Pyrophorus noctilucus L., Fig. 1) von Westindien.

Unter den Weichtieren besitzen mehrere Muscheln und einige Nacktschnecken (z. B. Phyllirrhoë bucephalum Pèron et Lesueur, Fig. 6, aus dem Mittelmeer) Leuchtkraft. Unter den Manteltieren sind schwimmende Ascidienkolonien, die Feuerwalzen (z. B. Pyrosoma elegans Pèr., Fig. 3), seit lange als sehr intensiv leuchtende Geschöpfe bekannt.

Von Fischen kennt man am längsten einen Hai (Centrophorus chalceus Wright, Fig. 8) aus bedeutendem Tiefen der atlantischen Küstengewässer Portugals. Die modernen Tiefseeexpeditionen haben uns mit einer ganzen Reihe von Fischformen aus andern Ordnungen und Familien bekannt gemacht, die zu leuchten vermögen, wie mit dem langschwänzigen Echsenfisch (Halosaurus macrochir Gthr., Fig. 11), der einer eigenen Familie angehört, mit dem schwarzen Weichgrätler (Malacosteus niger Gthr., Fig. 9) aus der Familie der Stomiaten und mit dem dornigen Leuchtfisch (Polyipnus spinosus Gthr., Fig. 10) aus der Familie der Sternoplychiden.

Leuchtende Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere kennt man nicht. Bloß Sagenhaftes wird darüber berichtet. Das elektrische Funkeln des Katzenfells und das nächtliche Leuchten der Augen von Raubtieren beruht auf andern physik. Ursachen als das eigentliche, subjektive tierische Leuchten.

Leuchtturm *. In neuester Zeit ist man darauf bedacht, die wichtigsten L. mit elektrischem Licht auszurüsten; Frankreich besitzt bereits 13 L. mit elektrischem Licht, nämlich zu Dünkirchen, Calais, Gris-Nez, La Canche, Valeines (auf der Insel Ré), Planier (bei Marseille), Créach (auf Ouessant), La Heve, Belle Ile, La Coubre (Girondemündung), Barfleur, Ile d'Yeu und Penmarch. Alle diese elektrischen Leuchtfeuer sind Funkelfeuer mit kurzen, starken Blinken. Bei den neuesten elektrischen Blitzfeuern dauert der Blitz (kurzer Blink) nur 1/9 Sekunde, wodurch seine Leuchtkraft wesentlich erhöht wird. Die Stromstärke wird auf dem L. je nach der Sichtigkeit der Luft verringert oder verstärkt. In Deutschland beabsichtigt man, dem L. von Helgoland ein elektrisches Feuer erster Ordnung zu geben. Die

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Lichtstärken für elektrische Beleuchtung sind durch Beobachtungen vom Eiffelturm aus bestimmt worden. Danach erzielt man für die drei in Frankreich gebräuchlichen Systeme folgende Lichtstärken (in bec Carcels; 1 bec Carcel = 7,435 Hefnerkerzen):

System Bei 25 Ampère Stromstärke Bei 50 Ampère Stromstärke Bei 100 Ampère Stromstärke

von 1882: festes Feuer 5000 12000 23000

von 1882: Funkenfeuer 60000 90000 110000

von Créach 350000 550000 650000

neuestes Schnell-Blitzfeuer 1200000 1800000 2300000

Leutenberg, Sizzo, Prinz von, geb. 3. Juni 1860, Sohn des Fürsten Friedrich Günther (s. Schwarzburg-Rudolstadt, Bd. 14) und dessen zweiter Gemahlin, der Prinzessin Helene von Anhalt (geborene Gräfin Reina, geb. 1. März 1835, Adoptivtochter des Prinzen Wilhelm von Anhalt), erhielt 21. Juni 1860 den Namen Prinz von L., seine Zwillingsschwester Helene (1884 vermählt mit Prinz Hans von Schönaich-Carolath) den Namen Prinzessin von L. Prinz Sizzo wurde 1896 vom Landtag als event. Thronfolger in Schwarzburg-Rudolstadt anerkannt. Im Nov. 1896 verlobte er sich mit Prinzessin Alexandra von Anhalt, worauf ihm der Titel und Rang eines Prinzen von Schwarzburg verliehen wurde. Die Vermählung erfolgte 25. Jan. 1897 in Dessau.

Leutstetten, Dorf im Bezirksamt München II des bayr. Reg.-Bez. Oberbayern, an der Wurm, hat (1895) 275 kath. E. und ein Schloß des Prinzen Ludwig von Bayern. Dazu gehört Petersbrunn mit einer alkalisch-erdigen Mineralquelle.

Leutwein, Theodor, Landeshauptmann von Deutsch-Südwestafrika, geb. 9. Mai 1849 in Baden, diente als Lieutenant im 5. bad. Infanterieregiment Nr. 113, erhielt im Febr. 1894 das Kommando über die Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika und zwang Hendrik Witboi nach monatelangen Kämpfen endlich 15. Sept. 1894 zur völligen Unterwerfung. Als Major wurde L. 25. Juli 1895 zum Landeshauptmann von Deutsch-Südwestafrika ernannt, als welcher er eine neue Organisation der Verwaltung einrichtete und viel zur friedlichen Sicherung der Ruhe that. April bis Mai 1896 unterdrückte er, unterstützt von Witboi und andern treu gebliebenen Stämmen, den Aufstand der Herero und Khauahottentotten. (S. Deutsch-Südwestafrika.)

Levensau, Wohnplatz im Kreis Eckernförde des preuß. Reg.-Bez. Schleswig, liegt am Kaiser-Wilhelm-Kanal und der Kiel-Flensburger Eisenbahn (Nebenbahn). Hier führt die 1895 vollendete großartige Eisenbahnbrücke (s. Tafel: Brücken I, Fig. 2) in einer Höhe von 42 m über dem Wasserspiegel und mit einer Spannweite von 165 m über den Kanal. - Der einstige Grenzfluß L. zwischen Holstein und Schleswig, auf der Feldmark des Gutes Warenberg entspringend, ergoß sich nach einem 10 km langen Laufe in die Kieler Föhrde. Heute ist er verschwunden, da sein Bett größtenteils zu dem Eiderkanal benutzt wurde.

Levern, Flecken im Kreis Lübbecke des preuß. Reg.-Bez. Minden, hat (1895) 1184 meist evang. E. (31 Israeliten), Post, Telegraph, evang. Knche, ein Stift, eine Schwefelquelle mit Bad; Leinenweberei.

Levertin, Oscar Ivar, schwed. Dichter und Litterarhistoriker, geb. 17. Juli 1862 in Norrköping, studierte in Upsala, wo er 1889 Docent der Littera-