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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mildstedt - Militärkonvention
angegeben, welches vom Flaschenhals einen solchen ^
Abstand hat, daß eine freie Kommunikation zwischen >
Innenraum der Flasche und äußerer Luft stattfindet, z
Infolgedessen ist ein Zersprengen der Flaschen aus- !
geschlossen. Trotz dieser freien Kommunikation ist !
jedoch dieser Verschluß keimdicht, da die Bakterien
nur durch stärkere Luftströmungen nach oben ge-
tragen werden. Mittels des Soxhletschen Apparats
ist es, falls die Vorschriften ordnungsgemäß inne-
gehalten werden, möglich, größere Milchquantitäten
auf einmal zu kochen und längere Zeit aufzubewahren,
aber auch bei diefem Verfahren ist es vorteilhaft,
nicht für zu lange Zeit die Milch abzukochen. (Fig.
1-3 und 5 nach der "Zeitschrift für Hygieine und
Infektionskrankheiten", die übrigen nach Flügge,
"Grundriß der Hygieine".)
Vgl. Bitter, Versuche über das Pasteurisieren der
Milch (in der "Zeitschrift für Hygieine und Infek-
tionskrankheiten", Bd. 8,Lpz. 1890); Flügge, Die
Aufgaben und Leistungen der Milchsterilisierung
gegenüber den Darmkrankheiten der Säuglinge (in
derselben Zeitschrift, Bd. 17, ebd. 1894); ders., Grund-
riß der Hygieine (3. Aufl., ebd. 1894).
Mildstedt, Dorf im Kreis Husum des preuß.
Reg.-Vez. Schleswig, hat (1895) 529, als Gemeinde
3303 E., evang. Kirche; Viehzucht.
* Militäreisenbahnen. Von der im Bau be-
findlichen Verlängerung der Militäreisenbahn vom
Schießplatz Kummersdorf bis zum Schießplatz bei
Iüterbog wurde die Strecke Kummersdorf-Iäuicken-
dorf (10,42 Km) 1. Febr. 1896 für den Güterverkehr
eröffnet, über die Trusent halb ahn s.Vrotterode.
- Die Vosna-Eisenbahn ist 1895 in das Eigentum
des Landes übergegangen und untersteht der Ve-
triebsdirektion in Serajewo.
Militärkirchengemeinde, in vielen deutschen
Staaten, wo das Militär von dem allgemeinen
Psarrverband ausgenommen ist, die von diesem
gebildete eigene, aber mit gemeindlichen Selbst-
verwaltungsbefugnissen nicht ausgestattete Parochie.
* Militärkonvention. In den M. (17 an der
Zahl, die erste ist die mit Sachsen vom 7. Febr. 1867,
die letztedicmitBraunschweigvom9./18. März 1886)
haben die einzelnen deutschen Staaten auf Offiziers -
ernennuugsrecht, Militärverwaltung, Militärunter-
richtswesen, -Gerichtsbarkeit, -Seelsorge zu Gunsten
Preußens verzichtet, wogegen sich der König von
Preußen verpflichtete, die ihm als Kaiser zustehende
Befugnis, die Garnisonen des ganzen Neichsheeres
und die Formation und Gliederung der Kontingente
zu bestimmen, zu Gunsten dieser Staaten in be-
stimmter Weise zu üben. Am wenigsten beschränkt
sind Württemberg und Sachsen. Sie bilden selb-
ständige Armeekorps mit eigenen Kriegsministern.
In Württemberg wird sogar der kommandierende
General nicht, wie es nach der Reich sverfassunq sein
müßte, vom Kaiser, sondern vom König uach Zu-
stimmung des Kaisers ernannt, und auch die Be-
setzung der übrigen Generalsstellen ist hier nicht,
wie es in Sachsen verfassungsmäßig der Fall ist,
von der Zustimmung des Kaisers abhängig. Außer-
dem ist nur vereinbart, daß zur Beförderung der
Gleichmäßigkeit in der Ausbildung und im innern
Dienst der Truppen "nach gegenseitiger Verein-
barung" einige sächs. und württemb. Offiziere je
1-2 Jahre in die preuß. Armee und preuß. Offi-
ziere in das sächs. und württemb. Armeekorps kom-
mandiert werden sollen. Für das Hess. und die
mecklenb. Kontingente werden alle Osfiziere vom
Kaiser ernannt, wenn sie auch ausschließlich groß-
herzogliche heißen und vom Großherzog ein zweites
Patent erhalten. Die Offiziere der Kontingente
Badens, Vraunschweigs, Oldenburgs, Anhalts und
der thüring. Staaten (Weimar, Meiningen, Coburg-
Gotha, Altenburg, Rudolstadt, beide Reuh), mit
welchen eine Gesamtkonvention geschlossen wurde,
heißen königlich preuß. Offiziere; bezüglich Badens
und Braunschweigs bestehen jedoch gegenüber Preu-
ßen Verschiedenheiten in der Farbe des Ofsiziers-
portepees. Sondershausen, Waldeck, die beiden Lippe
und die Hansestädte haben ihre Kontingente völlig
aufgelöst; ihre Wehrpflichtigen werden in preuß.
Truppenteile eingereiht (die beiden Hanseat. Infan-
terieregimcnter sind preuß. Truppen). Dabei ist
aber bestimmt, daß die in diese Truppen eingereihten
Landesangehörigen neben der preußischen die Lan-
deskokarde tragen, eine Bestimmung, die auch für
die unter preuß. Armeekorps stehenden Hess., olden
bürg., thüring. und braunschw. Truppen gilt.
Die Gegenleistungen des Kaisers bestehen in Fol-
gendem : Zunächst ist verschiedenen Staaten (Sachsen,
Württemberg, Hessen, beiden Mecklenburg, Baden,
Oldenburg, den thüring. Staaten, Anhalt und
Vraunschweig) eine bestimmte Formation ihrer Kon-
tingente versprochen (s. Deutsches Heerwesen, Vd. 5).
Dann haben Sachsen, Württemberg, Hessen, Baden,
Oldenburg, Thüringen und Anhalt die Zusicherung
erhalten, daß ihre Truppen im Frieden im eigenen
Lande dislociert bleiben. Erfordert der Neichsdienft
die Dislocierung der Truppenteile in andere Ge-
biete, so hat diese bezüglich Württembergs die Zu-
stimmung des Königs zur Voraussetzung, außer
wenn es sich um Besetzung süddeutscher oder west-
deutscher Festungen handelt, bezüglich Sachsens und
Hessens das Benehmen mit dem Regenten. Die
Dislocierung der säcks. Truppen innerhalb Sachsens
und der württembergischen innerhalb Württembergs
ist überdies den beiden Kontingentsherren über-
lassen. Ohne besondere militär. oder polit. Inter-
essen sollen auch Sachsen, Württemberg, Hessen,
Baden und Oldenburg keine Truppen anderer Kon-
tingentein ihren Gebieten inGarnison(ausgenommen
Ulm, Mainz, Rastatt, Stadt Virkenfeld) erhalten.
Im Gegensatz dazu sind den Staaten, die vollstän-
dig auf eigene Kontingente verzichteten, preuß. Gar-
nisonen in ihrem Gebiete zugesichert worden (z. B.
die preuß. Regimenter in den Hansestädten). Andere
Zusicherungen beziehen sich auf die Rekrutierung.
Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen bilden eigene
Rekrutierungsbezirke; sie haben also den Ersatz sür
ihre Truppenteile selbst aufzubringen, brauchen
andererseits aber auch nicht zu dulden, daß von
ihnen ausgehobene Rekruten in andere Kontingente
eingestellt werden. Das Gleiche gilt für die Rekru-
ten des Großherzogtums Oldenburg und der beiden
Mecklenburg; ebenso werden die Insanterieretruten
aus Thüringen und Anhalt nur in die thüring.
und das anhält. Infanterieregiment eingestellt, die
andern Rekruten preuß. Truppenteilen zugeteilt. Die
Rekruten derjenigen Staaten, die gar keine eigenen
Truppen haben (Sondershausen u. s. w., s. oben),
werden in preuß. Truppenteile eingestellt, aber nur
in die in ihrem Gebiet liegenden oder wenigstens in
die nächstgelegenen.
Nach der Reichsverfassung (Art. 63) ist der
Kaiser befugt, die Abstellung der bei Inspektionen
durch ihn oder seine Vertreter wahrgenommenen
Mängel unmittelbar anzuordnen. Gegenüber Sach-