Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mörchingen – Motorwagen

Mörchingen, Stadt im Kanton Großtänchen, Kreis Forbach des Bezirks Lothringen, an der Linie Saarburg-Metz-Luxemburg der Elsaß-Lothring. Eisenbahnen, Sitz des Kommandos der 65. Infanteriebrigade, hat (1895) 7603 E., in Garnison die Infanterieregimenter Graf Barfuß Nr. 17 und Nr. 144, die 1. Eskadron des Ulanenregiments Nr. 14 und die 2. Abteilung des Feldartillerieregiments Nr. 34, Postamt zweiter Klasse, Telegraph, kath. Kirche (1501) mit alten Grabmälern, neue evang. Garnisonkirche, Rathaus mit Archiv; Landwirtschaft, Weinbau und Weinhandel. M., von den Römern Moranciacum genannt, war schon im 12. Jahrh. Sitz der Grafen Salm, später Wild- und Rheingrafen zu Salm und Herren zu Vinstingen, die 1688 ausstarben.

Moritzberg, Flecken im Kreis Marienburg des preuß. Reg.-Bez. Hildesheim, von Hildesheim durch die Innerste getrennt, hat (1895) 3325 E., Post, Telegraph, kath. Kirche (Säulenbasilika) auf dem Moritzberg, schöne Landhäuser und Gärten.

*Morley, John, trat im Juni 1895 mit dem gesamten Kabinett Rosebery von seinem Amt als Staatssekretär für Irland zurück; er unterlag 1895 bei den allgemeinen Wahlen, kam aber im Febr. 1896 bei einer Nachwahl wieder in das Unterhaus.

*Morris, William, starb 3.Okt. 1896 in London.

Morsbach, Dorf im Kreis Waldbröl des preuß. Reg.-Bez. Köln, an der Wisser und der Nebenlinie Wissen-M. (11,1 km) der Preuß. Staatsbahn Köln-Gießen, hat (1895) 4280 E., Post, Telegraph, Bürgermeisterei, kath. Kirche; Pulverfabrik, Eisen- und Bleierzgruben und Viehmärkte.

Moschi, deutsche Militärstation in Ostafrika, 380 km von Tanga an der Küste entfernt, am Südabhang des Kilima-Ndscharo, 1465 m ü.d.M., in der Dschaggalandschaft, gegründet im Aug. 1887 durch Vertrag mit dem Häuptling Mandara. Dr. Peters hob im Aug. 1891 die Station auf und verlegte sie nach Marangu (s. d.). Als Mandara im Jan. 1892 starb, nahm Meli, sein Nachfolger, eine so feindselige Haltung gegen die Deutschen an, daß Lieutenant von Bülow und Wolfrum von Marangu aus gegen ihn zu Felde zogen; beide fielen in dem unglücklichen Gefecht bei M. 10. Juni 1892. Oberstlieutenant von Schele eroberte 12. Aug. 1893 M. zurück und legte nach der Unterwerfung des Häuptlings Meli von neuem eine befestigte Station an. M. ist seit 1896 Station der Evangelisch-Lutherischen Mission zu Leipzig.

*Moskau. Am 26. (14.) Mai 1896 fand hier die feierliche Krönung des Kaisers Nikolaus II. und der Kaiserin in der Uspenskij-Kathedrale im Kreml statt. Sie war besonders glänzend, weil nicht nur die europ. Staaten, sondern auch mehrere amerikanische und asiatische (China, Japan, Siam) durch außerordentliche Gesandte vertreten waren. Die Festlichkeiten begannen am 21. (9.) Mai mit dem Einzug in den Kreml und wurden in der schrecklichsten Weise unterbrochen durch das Unglück aus dem Chodynkafelde 30. (18.) Mai, wo bei dem aus Anlaß der Krönung veranstalteten Volksfeste unter der versammelten Masse des Volks (etwa 200000 Personen) gelegentlich der Verteilung von Geschenken ein Gedränge entstand, so daß gegen 3000 Personen erdrückt und niedergetreten wurden.

Moskau-Brester Eisenbahn, ehemalige russ. Privatbahn (1032 Werst), ging 1. Juli 1896 in das Eigentum des russ. Staates über. ↔

*Mosquitoküste. Die Reservation wurde trotz des Einspruchs der engl. Regierung 20. Nov. 1894 der Republik Nicaragua durch freien Entschluß der Indianer einverleibt und zum 13. Departamento (de Zelaya) eingerichtet. Die Streitfrage der Entschädigung der vertriebenen Engländer seitens Nicaraguas wurde durch die brit. Besetzung von Corinto zum Abschluß gebracht (s. Nicaragua).

*Mossamedesbahn, in der Landschaft Mossamedes der portug. Kolonie Angola von der Stadt Mossamedes am Atlantischen Ocean über Kapangombe nach der Hochebene von Shella geplante Bahn, welche später im Thale des Kakulovarflusses bis Humbe in der Nähe der Grenze von Deutsch-Südwestafrika fortgesetzt werden soll.

*Mostar. 1) Kreis in Bosnien, die Herzegowina umfassend, hat (1895) 229142 E., darunter 9657 Militärpersonen, 38647 Häuser, 34724 Wohnparteien und besteht aus der Stadt M. (17019 E.), den Bezirken Land M. (38669 E.), Bilek (17486 E.), Gacko (13787 E.), Konjica (22595 E.), Ljubinje (12299 E.), Ljubuški (39406 E.), Nevesinje (20155 E.), Stolac (23579 E.) und Trebinje (22347 E.). –

2) Stadt, hat (1895) 17019 E., darunter 2640 Militärpersonen, 2499 Häuser, 2954 Wohnparteien, in Garnison (Mai 1896) die 18. Infanterietruppendivision, die 1. Gebirgsbrigade, 3 Bataillone des 49. Infanterieregiments und je 1 Bataillon des 39. ungar. Infanterieregiments und des 4. bosn. Infanterieregiments.

Môtiers (spr. -tĭeh) oder Môtiers-Travers, Dorf und Hauptort des Bezirks Val de Travers (Traversthal) im schweiz. Kanton Neueuburg, 2 km nordöstlich von Fleurier, in 740 m Höhe, auf der rechten Seite der Areuse, an der Linie Travers-Buttes der Jura-Simplon-Bahn, hat (1888) 1064 E., darunter 33 Katholiken, Post, Telegraph, altes Schloß auf steilem Felsen, Strafanstalt für Frauen; Uhrmacherei, Spitzenklöppelei, Champagnerfabrik (1829 gegründet), Liqueurfabrikation (Extrait d'Absynthe), Wermutbau, Landwirtschaft und Viehzucht.

Motorwagen, automobiler Wagen (engl. Autocar), im weitern Sinne jeder Wagen, der von einem Motor bewegt wird, also auch die motorisch bewegten Straßenbahnwagen und die Lokomotiven; im engern Sinne versteht man jedoch darunter diejenigen (hier allein zu besprechenden) motorisch bewegten Straßenfuhrwerke, die nicht in Schienen laufen, also zum Befahren jeder Straße geeignet sind. Die Vorteile dieser motorisch bewegten Straßenfuhrwerke gegenüber den von Zugtieren gezogenen sind mehrfache. Zunächst lassen sich mit M. größere Geschwindigkeiten, auch für längere Zeitabschnitte, erreichen als mit Zugtieren; auch größere und anhaltende Steigungen werden leichter überwunden. Dabei sind die Betriebskosten bei M. erheblich geringer als bei Pferdebetrieb, sowohl bei dauerndem als auch ganz besonders bei intermittierendem Betrieb, weil der M. nur während der Fahrt Betriebskosten verursacht, während Pferde gefüttert werden müssen, auch wenn sie nicht gebraucht werden. Für verkehrsreiche Städte bringen die M. noch die schätzbaren Vorteile, daß sie weniger Raum beanspruchen als die mit Pferden bespannten Fuhrwerke, und daß die Verunreinigung der Straßen vermieden wird. Auf staubigen Landstraßen endlich bleiben die Insassen eines M. vom Staub mehr verschont als bei Pferdewagen.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 781.