Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Mustachesbalsam; Muther; Muzaffer ed-dîn Mirza; Mydrīn; Nachdruck; Nacheid; Nachrichtenwesen

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Mustachesbalsam - Nachrichtenwesen

schehenem Anreißen abdämpft. Die Klavichord-und Kielklavierarten wurden verdrängt durch das Hammerklavier, heutzutage nur noch als Flügel und Pianino gefertigt, früher auch als Tafelklavierchen und in andern Spielarten. Die Mechanik hat sich erst allmählich im Laufe des 18. und 19. Jahrh. ausgebildet und ihre Entwicklung durchlief sehr viele Stadien. Die primitivste Form weist das Mozart-Reiseklavierchen des Berliner königl. Instrumentenmuseums auf (Fig. 10): das etwas erhöhte Ende der Taste schnellt beim Anschlage das in der Nut einer Leiste sich um eine Achse drehende Hämmerchen aufwärts an die Saite (man sieht zwei der Hämmerchen in der Abbildung emporgedrückt). Alle Mechaniken gehen auf zwei Grundtypen zurück, je nachdem der Hammer an der Taste selbst befestigt ist, oder an einer besondern Leiste. Beide Hammersysteme sind hier in veralteter und in moderner Form abgebildet (Fig. 1, 3, 4, 5). An der Taste selbst ist der Hammer befestigt bei der sog. Wiener Mechanik (Fig. 1). Der Tastenhebel a wird in zwei ungleiche Teile geteilt durch den Wagestift c. Vorn wird die Taste in ihrer Richtung erhalten durch den Führungsstift b. In dem Tastenende d steckt eine Messingkapsel e, in welcher sich der Hammer um eine Achse bewegt. Das Hammerende oder die Hammernuß f wird von einer beweglichen Holzfigur, dem Auslöser g, zurückgehalten, sobald die Taste angeschlagen wird und den Hammer mit sich emporführt. Dadurch schnellt der Hammerkopf h gegen die Saite l-l, während zugleich der Auslöser nach hinten zurückweicht. Fällt dann nach dem Anschlage der Hammer zurück, so wird er sofort von dem Fänger i und dem wieder in die vorherige Lage zurückgekehrten Auslöser g festgehalten, wodurch die Ruhelage des Hammers ohne weiteres Aufhüpfen desselben wiederhergestellt, er also sogleich zu neuem Anschlage fähig ist. Nur durch Fänger und Auslöser ist das schnelle wiederholte Anschlagen der Saite (Repetition) sicher zu erreichen. Auf dem Tastenende ruht ferner der Dämpfer k, der oben auf der Saite liegt, aber während des Anschlags von ihr zeitweilig aufgehoben wird (automatische Dämpfung). Der Hammer ist an einer besondern Leiste befestigt bei der Stoßzungenmechanik (Fig. 3 - 5); er wird von der am Tastenende angebrachten Stoßzunge b gegen die Saite geschleudert. Fest ist die Stoßzunge im Tastenende eingelassen bei der primitiven Mechanik (Fig. 4), beweglich ist sie, in ähnlicher Weise wie der Auslöser bei der Wiener Mechanik, in allen modernen Konstruktionen. In den Fig. 3 (Pianino) und 5 (Flügel) bedeuten die Buchstaben a die Taste, b die Stoßzunge, c den Hammer, d den Dämpfer, e-e die Saite. Die übrigen Mechanikteile dienen meist zur Unterstützung der Funktionen dieser Hauptteile. Das Berliner Instrumentenmuseum besitzt eine lehrreiche Sammlung von Mechanikmodellen von ältester Zeit bis zur Gegenwart, sämtliche auf den Tafeln abgebildeten Originale gehören diesem Instrumentenmuseum an.

Mustachesbalsam von P. Bosse, s. Geheimmittel.

*Musterung (militär.), s. Ersatzwesen.

Muther, Richard, Kunsthistoriker, geb. 25. Febr. 1860 in Ohrdruf, studierte in Heidelberg und Leipzig, habilitirte sich 1883 in München, wurde 1885 zum Konservator des Münchener Kupferstichkabinetts ernannt, 1895 als ord. Professor der Kunstgeschichte nach Breslau berufen. Er schrieb: "Die ältesten deutschen Bilderbibeln" (Münch. 1883), "Die deutsche Bücherillustration der Gotik und Frührenaissance" (6 Liefgn., Lpz. 1883-84), "Geschichte der Malerei im 19. Jahrh."(Münch. 1894). Mit G. Hirth gab er "Meister-Holzschnitte aus vier Jahrhunderten" (Münch. 1888 fg.), "Der Cicerone in der königl. ältern Pinakothek zu München" (ebd. 1888) und "Der Cicerone in der königl. Gemäldegalerie in Berlin" (ebd. 1889) heraus. Gegen den Vorwurf, durch einen Aussatz über "Goethes Verhältnis zur bildenden Kunst" in der "Täglichen Rundschau" ein Plagiat an dem gleichnamigen, 1895 in Leipzig erschienenen Buche Volbehrs begangen zu haben, verteidigte er sich in einer Schrift "Die Mutherhetze, ein Beitrag zur Psychologie des Neides und der Verleumdung" (Münch. 1896).

Muzaffer ed-dîn Mirza, Schah von Persien, s. Persien (Geschichte).

Mydrīn, ein Gemenge der Alkaloide Ephedrin und Homatropin, dessen 10prozentige Lösung eine rasch vorübergehende Pupillenerweiterung hervorruft, eine Eigenschaft, die zu Augenspiegeluntersuchungen benutzt wird.

N.

*Nachdruck, über die Union zum Schutze des geistigen Eigentums s. Berner Litterarkonvention.

Nacheid, assertorischer Eid, die Beeidigung der Zeugen im Civil-, Straf- oder Verwaltungsprozeß nach erfolgter Vernehmung; er lautet nach den deutschen Prozeßgesetzen dahin, "daß Zeuge nach bestem Wissen die reine Wahrheit gesagt, nichts verschwiegen und nichts hinzugesetzt habe", nach österr. Gesetz dem Sinne nach gleich dahin, "daß Zeuge über alles, worüber er von dem Gericht befragt worden, die reine und volle Wahrheit und nichts als die Wahrheit ausgesagt habe". Über seine Vorzüge gegenüber dem Voreid und seine Einführung bei den deutschen Gerichten s. Eid.

Nachrichtenwesen beim Militär. Das N. ist der Inbegriff derjenigen Thätigkeit des Generalstabes einer Armee, welche sich auf die Sammlung von Nachrichten zur Kenntnis der fremden Heere bezieht. Da unrichtige Entschließungen im Kriege meist auf unzureichender Kenntnis der Verhältnisse beim Feinde beruhen, so ist ein gutes N. von größter Bedeutung. Die Grundlage des N. ist eine eingehende Kenntnis der Organisation des feindlichen Heers und seiner Gewohnheiten; viele Nachrichten werden erst hierdurch verständlich. Zur Beantwortung der Frage, wo der Gegner seine Hauptkräfte versammeln wird, dienen zunächst strategische Erwägungen. Neben der Gestaltung des Eisenbahnnetzes sind etwaige Nachrichten über Anlage von Magazinen auf feindlichem Gebiet von Bedeutung. Zur Erlangung derselben dienen besondere Agenten (Kundschafter, Spione). Die Kenntnis der Ordre de bataille des