Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

802

Nil – Nobel

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Nikolaus II.'

die russ.-franz. Allianz nicht offiziell verkündigt, doch zeigte sich das enge Einvernehmen beider Mächte aufs unverkennbarste.

*Nil. Das an der Spitze des Deltas gelegene Stauwerk, Barrage du N., dessen Bau bereits 1835 begonnen wurde, ist 1890 vom Engländer Scott mit einem Aufwande von 9360000 M. vollendet worden; jedoch vermag es nicht das zu leisten, was es leisten sollte; denn während nach dem ursprünglichen Plane die Anstauung des Wassers 4 m betragen sollte, darf sie in Wirklichkeit nicht über 1 m gebracht werden, da das Bauwerk des unsichern Untergrundes wegen nicht genug Widerstand bieten würde. Die ägypt. Regierung beschloß deshalb im Einvernehmen mit England, eine Niveauerhöhung des N. durch den Bau eines großen Sammelbeckens oberhalb des ersten Katarakts herbeizuführen; jedoch haben Deutschland und Frankreich als Signatarmächte ihre Zustimmung verweigert, weshalb der Plan nicht zur Ausführung gekommen ist.

*Nisch, Stadt, hatte 1896: 18593 (9650 männl. und 8943 weibl.) E.

*Nishnij Nowgorod wird in neuerer Zeit immer mehr auch zu einem Stapelplatz für Naphtha und Naphtharückstände. Es ist auch das Centrum der Wolgadampfschiffahrt; von hier gehen wöchentlich 70 Passagierdampfer ab.

Im Sommer 1896 fand in N. N. eine Gesamtrussische Industrie- und Kunstausstellung statt. Mit ihrer Ausführung war eine Kommission unter Vorsitz des Finanzministers Witte betraut; 1893 begannen die Vorbereitungen: die Eröffnung erfolgte 9. Juni (28. Mai), der Schluß Mitte Oktober 1896. Der Ausstellungsraum umfaßte 77 Dessätinen (= 84,12 ha), und es befanden sich darauf 55 Regierungs- und 117 Privatgebäude, meist in russ. Stil, elektrische Beleuchtung und eine elektrische Ringbahn. Ausgestellt waren nur russ. Erzeugnisse, aber aus allen Teilen des Russischen Reichs, verteilt in folgende 20 Sektionen:

  • 1) Landwirtschaft,
  • 2) Gestütewesen und Pferdezucht,
  • 3) Haustiere,
  • 4) Garten-, Obst- und Gemüsebau,
  • 5) Jagd und Fischerei,
  • 6) Forstwirtschaft,
  • 7) Bergbau und Metallurgie,
  • 8) Textilindustrie,
  • 9) Fabrik- und Handwerkserzeugnisse,
  • 10) Kunstgewerbe,
  • 11) Hausindustrie,
  • 12) Maschinen, Apparate, Maschinenbau und Elektrotechnik,
  • 13) Sibirien und der Handel Rußlands mit China und Japan,
  • 14) Centralasien und der Handel Rußlands mit Persien (Pavillon in maurischem Stil),
  • 15) Kriegswesen,
  • 16) Kriegsflotte,
  • 17) Architektur und Ingenieurwesen, See- und Flußschiffahrt,
  • 18) Kunst,
  • 19) Volksbildung, Gesundheitspflege, Wohlthätigkeit, Rettungswesen zu Wasser,
  • 20) der hohe Norden.

Die Kosten der Ausstellung werden auf 30 Mill. Rubel angegeben, wovon 8 Mill. auf die Regierung und das übrige auf die Privataussteller kommen. – Neben der Ausstellung fand im Aug. 1895 auch ein Gesamtrussischer Kongreß für Industrie und Handel unter Vorsitz des Ministerialrats D. F. Kobeko statt, der namentlich durch seine Verhandlungen über die Aufhebung der Einfuhrzölle für landwirtschaftliche Maschinen Interesse erregte. – Vgl. Die Allrussische Ausstellung vom J. 1896 in N. N. Reisehandbuch: Die Stadt, die Messe, die Ausstellung (Petersb. 1896).

Nitragīn, s. Stickstoffsammler.

Nitrobakterien, s. Bakterien.

*Njassaland . Das N., seit Febr. 1893 Britisch-Centralafrika-Protektorat genannt, ↔ steht unter einem Commissioner, dem auch das Gebiet der Südafrikanischen Gesellschaft nördlich vom Sambesi unterstellt ist. Es hat in 12 Distrikten (1896) 844995 E., darunter 289 Europäer (259 Engländer). Die Einfuhr betrug 1895/96: 82760, die Ausfuhr 19668 Pfd. St. Die Hauptausfuhrartikel waren Elfenbein (für 14250 Pfd. St.) und Kaffee (für 6600 Pfd. St.). N. besitzt fünf Kanonenboote auf dem Njassasee, dem Shire und Sambesi. Durch eine Telegraphenlinie sind Somba und Blantyre mit Tete, Salisbury und Kapstadt verbunden. Für eine Eisenbahn von Blantyre nach Chiromo sind die Vorarbeiten im Gange, ebenso seitens der portug. Regierung für eine Anschlußlinie nach Quelimane. – Vgl. Buchanan, The industrial development of Nyasaland (im «Geogr. Journal», Lond. 1893); Sclater, Routes in Nyasaland (ebd. 1893); Johnston, British Central Africa (ebd. 1895).

Nkole, afrik. Reich, s. Ankori.

*Noailles, franz. Geschlecht. Das Haupt des ältern Zweigs, Jules, Herzog von N., starb 6. März 1895; ihm folgte sein Sohn Maurice, geb. 22. Sept. 1869 in Paris. Der Bruder des verstorbenen Herzogs, Emanuel Henri, Marquis de N., wurde im Mai 1896 nach dem Rücktritt Herbettes zum franz. Botschafter in Berlin ernannt.

Nobel, Alfred, Chemiker, geb. 21. Okt. 1833 in Stockholm, kam 1837 nach Petersburg, wo sein Vater mit Unterstützung der russ. Regierung Hüttenwerke gegründet hatte. Mit diesem 1859 nach Stockholm zurückgekehrt, studierte er daselbst Chemie und versuchte seit 1862 das Nitroglycerin als Sprengstoff in die Technik einzuführen. Nachdem 1864 sein Laboratorium in die Luft geflogen war, bemühte er sich, die hohe Explodierbarteit des Nitroglycerins zu vermindern; dies glückte ihm 1867 durch Erfindung des Dynamits. 1869 ging er nach Frankreich, wo er in St. Sevran (Seine-et-Oise) ein Laboratorium errichtete. Als die franz. Regierung das von ihm erfundene rauchschwache Pulver (s. Nobels rauchschwaches Pulver, Bd. 12) nicht angenommen hatte, verlegte er 1891 sein Laboratorium nach San Remo. N. erfand auch eine mit Nitroglycerin gelatinierte Schießbaumwolle. Zur Fabrikation seines rauchlosen Pulvers gründete er Fabriken in Düneberg a. d. Elbe (zwischen Hamburg und Lauenburg), eine solche in Schweden, wo er auch eine bedeutende Geschützgießerei errichtet hatte, und zwei in Italien. Er starb 10. Dez. 1896 zu San Remo. In seinem Testament bestimmte er beinahe den ganzen Ertrag seines auf 50 Mill. Frs. geschätzten Vermögens zu fünf jährlichen Preisen

  • 1) für die wichtigste Entdeckung auf dem Gebiete der Physik,
  • 2) der Chemie,
  • 3) der Medizin und Physiologie,
  • 4) für dasjenige in einer beliebigen Sprache verfaßte litterar. Werk, das sich am meisten durch hohe, ideale Tendenz auszeichnet,
  • 5) für das verdienstlichste und wirksamste Bestreben zur Förderung allgemeiner Brüderlichkeit, Aufhebung und Verminderung der stehenden Heere und Errichtung schiedsrichterlicher Tribunale zwischen den verschiedenen Staaten.

Die vier ersten Preise werden von den schwed. Akademien verteilt; über den fünften verfügt der norweg. Storting.

Nobel, Ludwig, Bruder des vorigen, Industrieller, geb. 1831 in Stockholm, kam in der Jugend nach Petersburg und war in der Technik thätig. 1874 wandte er sich mit seinen Brüdern der Naphthaindustrie in Baku zu und führte namentlich statt der kostspieligen Versendung des Naphthas in Fässern den

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 803.