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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ornbau - Ortsgerichtspersonen
und erhöht den dekorativen Schmuck durch Bemalung
mit Farben in Rot, Gelb, Blau, Grün, Weiß und
Schwarz. Feinere Formen zeigt schon das assy-
rische O. <s. Taf. I, Fig. 3 u. 4), das, insbesondere
auf den die Mauern bedeckenden glasierten Ziegeln
(s. Fliesen, Bd. 6), geometr. Motive sowie Voluten-
und Palmettenformen verwendet. Den feinen Sinn
für ebenmäßige, schön geschwungene Linien ent-
wickelt erst die griech. Kunst; das griechische O.
(s. Taf. I, Fig. 2,5,6) ist daher ein unübertroffenes
Vorbild für alle Zeiten geworden. An den Bauten
schuf es die herrlichen Kapitale <s. Tafel: Griechi-
sche Kunst I, Fig. 1,2, 3, Bd. 8); an Gesimsen
und Kunstgeräten, wie Vasen (s. Tafel: Vasen I,
Bd. 16) u. a., die ewig-reizvollen Palmetten-,
Mäander-, Wellen- und Flechtbandverzierungen.
Die Römer übernahmen den Ornamentstil der griech.
Kunst und bildeten ihn nach der Seite des Luxuriösen
weiter. Daher das überfeinerte römische O. an
Kapitalen, Decken und Wänden der Tempel und
Privatbauten sowie an Vasen, Kandelabern, Wafsen
u. dgl.; im Stil nähert es sich bereits sehr dem
modernen Geschmack. Auch die Ausgrabungen zu
Pompeji (s. d., Bd. 13, und Tafel: Polychrome
OrnamenteI, Fig. 7 u. 8) und der Hildesheimer
Silberschatz (s. d., Bd. 9) lassen den hohen Sinn der
Römer sür stilvolle Ornamentik erkennen.
Die nachchristl. Zeit brachte zunächst eine Ver-
einfachung des O., dann aber in Nachahmung der
vorgefundenen röm. Formen eine selbständige christl.
Kunstweise, die unter anderm das Kreuz, die Lilie und
die dem Tier- und Pflanzenreich entnommenen For-
men zu symbolischen Zeichen im O. verwertete. In-
dem diese Epoche die Formenschönheit des O. dem
symbolischen Inhalt der dekorativen Elemente unter-
ordnet, ähnelt sie der ägypt. Ornamentik. Die
byzantinische Dekorationsweise entwickelte die
christl. Ornamentik zu größerer Mannigfaltigkeit
unter dem Einfluß orient. Motive, wie dies sich
besonders in den farbenprächtigen Wandmosaikcn
(s.Tafel:Mofaik,Fig.4,Bd.12) und indm Email-
arbeiten (s. Tafel: Polychrome Ornamente I,
Fig. 10) zeigt. Die Ausbildung des arabischenO.
geschah auf Grund der mohammed. Satzung, die
die Nachbildung jedweder beseelten Gestalt verbot.
So entstand eine selbständige ornamentale Deko-
ratiousweise, die, obqleich Menschen und Tier-
gestalten und selbst Pflanzen in ihrer natürlichen
Form ausgeschlossen waren, dennoch mit ihren fast
unentwirrbaren, aber in das lebhafteste Farbenspiel
gebrachten Linear- und Pflanzenarabesken (s. Taf. I,
Fig. 11, und Tafel: Kunst des Islam I, Bd. 9,
S.714) die wirkungsvollsten Effekte erzielte. Eigen-
tümlich ist der arab. Verzierungsweise die ornamen-
tistisch behandelte Schrift, die in das Rankenwevk
dos Wandfrieses kaum erkennbar verschlungen wurde
oder über dasselbe hinlief und in Poet. ^orm die
Bestimmung des Baues verkündete. Weniger phan-
tasievoll ist das persische und indische O., bei
denen auch das Rankenwerk, speciell die Blume, sich
in einer mehr naturalistischen Form zeigt (s. Tafel:
Polychrome Ornamente II, Fig. 1 u. 2). Gro-
tesk erscheint den Europäern die den ostasiat. Völkern,
insbesondere China (s. Taf. II, Fig. 3) und Japan,
eigentümliche Ornamentik. Einen asiat. Charakter
trägt auch das russische O. (s. Taf. II, Fig. 10).
Das romanische O., vorzugsweise in Stein ge-
meißelt, entnahm die Motive der antiken Kunst;
dazu kamen fabelhafte Menschen- und Tiergcstalten,
Drachen, Schlangen,Vögel u.dgl., die das anfangs
in roherm, seit dem 12. Jahrh, in anmutigerm
(s. Taf. II, Fig. 4), auf eine genauere Beobachtung
der Naturformen hinweisendem Stil gebildete Nan-
kenwerk durchzogen. Die kelt. Illustratoren des
Mittelalters schufen in ihren O. wunderliche, laby-
rinthisch verschnörkelte Gebilde (s. Taf. II, Fig. 5).
Das O. des got. Stils wird bedingt durch das dem
letztern eigentümliche System des Maßwerks, des
Durchbrochenen. Die Facaden deutscher Kirchen
und ital. Paläste zeigen dasselbe in größter Rein-
heit, wenn auch in prachtvoller Anwendung; ebenso
die reizvollen Glasgemälde (s. Taf. II, Fig. 6, und
Tafel: Glasmalereil, Bd. 8).
In Anlehnung an griech. und röm. Art behandelte
die Renaissance (s.d., Bd. 13, und Tafel: Poly-
chrome Ornamente II, Fig. 7, 8, 9) das O. am
reichsten, reinsten und stilvollsten. In diesem Orna-
mentstil spielt die Akanthuspflanze s^. ^ormtkug,
Bd.1) in Blättern oder Ranken eine Hauptrolle; ein
.Hauptmotiv ist ihm ferner die Menschcnfigur, zumal
in der Gestalt von nackten Kindern (Putten; s. Tafel:
Intarfia, Bd. 9). Mit der Zeit des Barocks trat
schon eine Entartung in diesem Ornamentstil ein,
der sich im Rokoko (s. d., Bd. 13, und Tafel: Poly-
chrome Ornamente II, Fig. 11) noch steigerte.
Das 19. Jahrh, bevorzugte in seiner ersten Hälfte
die naturalistische Ornamentik, während in der
Gegenwart ein mannigfaltiges, aber stilvolles O.,
mit Bevorzugung des Renaissancestils, Anwen-
dung sindet. - Vgl. außer der bei den verschiedenen
Stilarten sowie bei Intarsia, Muster u. s. w. an-
geführten Litteratur: Owen Iones, Iii6 Frammai-
01 Ornament (Lond. 1865; 4. Aufl. 1880; deutsch
Lpz. 1865); Hirth, Der Formenschatz der Renaissance
(Lpz. 1877 fg.); Racinet, I^'oi-nsment pol^tn-om"
(deutsch, 4. Aufl., Stuttg.1890); Semper, Der Stil
in den technischen und tektonischen Künsten (2. Aufl.,
2 Bde., Münch.1878-79); Ch. Blanc, 6i-aiumaii'6
ä68 ai'tä äecoriUilg (Par. 1882); M. Heiden, Motive
(300 Tafeln, Lpz. 1890-92); F. S. Meyer, Hand-
buch der Ornamentik (4. Aufl., ebd. 1892); Moser,
Handbuch der Pflanzenornamentik (120 Tondruck-
tafeln, ebd. 1892); von Zahn und Hübler, Muster-
ornamente (ebd. 1892); Riegl, Stilfragen. Grund-
legungen zu einer Geschichte der Ornamentik (Berl.
!893); Gurlitt, Das Barock- und Rokokoornament
Deutschlands (1.bis 4.Lfg., ebd. 1886-89);Hammel,
Ornamentale Motive des Barock- und Rokokostils
(1. Sammlung, Lpz. 1893); Stauffachcr, Pflanzen-
Zeichnungen in natürlicher und stilisierter Darstellung,
Teil 1 (40 Tafeln in Lichtdruck, Bresl. 1893).
Ornbau, Stadt im Bezirksamt Feuchtwangen
des bayr. Reg.-Bez. Mittelsranken, an der Altmühl,
hat (1895) 800 E., darunter 35 Evangelische, Post-
erpeditioi^, Telegraph und kath. Kirche.
Orphol, ß-Naphthol-Wismut, ein gegen die
Krankheiten des Darmkanals empfohlencsHeilmittel.
*Oertel, Max Iofeph, starb 17. Juli 1897 in
München. ftungen.
Orthojodosobenzoefäure, s. Iodosoverbin
Ortsgerichtspersonen, im Königreich Sachsen
Personen ohne rechtsgelehrte Vorbildung, die als
Gerichtsbeisitzer oder Urkundspersonen auf dem Ge-
biet der nichtstrcitigen Rechtspflege mitwirken. Sie
werden vom Vorstand jedes Amtsgerichts ernannt;
die erste Ortsgerichtsperson des Bezirkes trägt die
Dienstbezeichnung Lokalrichter oder Ortsrich-
ter, die übrigen heißen Gerichtsschöppen. Die