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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Panzerplatten - Panzerschiffe
nach jeder Breitseite 4 16 cm- und 119 cm-Kanone.
Dupuy de Lome, der nur 4000 Seemeilen Aktions-
radius bei 10 Seemeilen Marschgeschwindigkeit ha-
ben soll, ist besonders als kampffähiges Ausklä-
rungsschiff bei der Schlachtflotte bestimmt. Bei dem
P. Kaiserin und Königin Maria Theresia (Fig. 6;
s. auch Tafel: Schiffstypen I, Fig. 11, Bd. 11,
S. 434) ist charakteristisch die Kasemattpanzerung
über dem Gürtelpanzer bis an die vordern, und hin-
tern Geschütztürme hinauf, die das Schiff vor En-
filierschüssen sichert. Der Gürtclpanzer ist nicht voll-
ständig, vorn und hinten ist nur Panzerdeckschutz.
Die zweckmäßige Artillerieausstellung liefert große
Vestreichungswinkel für nahezu alle Geschütze. In-
fanta Maria Terefa (Fig. 7 auf Tafel: Panzer-
kreuzer) ist der erste von 6 fast gleichen P. der span.
Flotte, wovon außerdem noch 2 fertig und 3 im Bau
sind. Das Schiff ist 101 m, der Panzergürtel von
30 cm Stärke nur 96 m lang, deckt also nicht die
ganze Wasserlinie; die freien ^chiffsenden sin^d nur
durch das gewölbte Panzerdeck von 5 cm stärke
gefchützt. In den Panzertürmen sind 2 schwere
(28 cm-)Panzergeschütze mit großem Bestreichungs-
winkel, fast 270°, aufgestellt. Auch die Mittei-
artillerie ist zweckmäßig in eingezogenen Pforten und
die 4 Eckgcschütze in Schwalbennestern angeordnet,
über den erstell, noch im Bau befindlichen P. der
deutschen Kriegsflotte Ersatz Leipzig sind auf der Liste
der dcutfchen Kriegsschiffe beim Artikel Deutsches
Heerwesen nähere Angaben gemacht. Der Panzer ist
aus Kruppschem Specialstahl. Der volle Panzer-
gürtel wird 2,3 m hoch und 10-20 cm stark; auf ihn:
liegt ein 5 cm starkes Panzerdeck, das am Bug und
am heck verdoppelt wird. Splitterschutzdecke sichern
die Maschinenanlagen. Die 3 Maschinen sollen
mit den 3 Schrauben bei 14 000 Pferdestärken
19-20 Seemeilen Geschwindigkeit ergeben. Die
schweren Geschütze werden in 2 Panzertürmen auf-
gestellt; die Mittelartillerie steht teils in Türmeil,
teils hinter Kafemattpanzer. Die leichte Bewaff-
nung ist auf Oberdeck und Gefcchtsmastcn verteilt.
Von den 6 großkalibrigen Torpedorohren liegen 5
unter Wasser. Der normale Kohlenvorrat wird
1000 t betragen. - Vgl. Fournier, 1.N 1"!0tt6 ne-
c688^ir6 (Par. und Nancy 1896).
^Panzerplatten. Neue Echießverfuche der
Carnegiewcrke im Sept. 1895 ergaben zwar eben-
falls gute Ergebnisse, indem eine 356 mm dicke Platte
erst von einer 33cm-Granate mit 7673 Metertonnen
lebendiger Kraft glatt durchfchlagen wurde. Doch
wiesen im März desselben Jahres an Kruppschen
Platten vorgenommene Schicßvcrsuche weit bessern
Erfolg; zwei 30 cm dicke Platten wurden weder von
21 cm-Granaten mit 3292 Metcrtonncn noch von
28 cm-Granaten mit 3588 Metertonnen lebendiger
Kraft durchfchlagen. Bei weitern deutschen Echicß-
versuchen 1895 haben sich auch die nach Kruppschem
Verfahren gehärteten Specialstahlplatten der
Dillinger Hütte vortrefflich bewährt; eine 21 cm-
Stahlgranate mit 1068 Metertonnen lebendiger
Kraft konnte die 15 cm starke Platte nicht durch-
schlagen; auch bei allen spätern Schüssen blieb die
Platte ohne Löcher und ohne Risse.
"'Panzerschiffe. Neuerdings teilt man die P.
in Klassen ein und rechnet zu den P. erster Klasse
alle Schlachtschisse von ungefähr 10000 t Größe
und mehr, zu den P. zweiter Klasse die Schlachtschiffe
zwischen W00 und 10000 t Gröye und zu den P.
dritter Klasse alle kleinern Schlachtschiffe, die eben-
falls als Hochseepanzerschiffe gebaut sind.
Unter den Küstenpanzerschiffen herrscht große
Verschiedenheit in der Größe und auch in der Form.
Im allgemeinen unterscheiden sich die Küstenpanzer-
schiffe von den Hochseeschlachtschiffen gleicher Größe
durch geringere Secfähigkeit und Geschwindigkeit
und geringern Kohlenvorrat bei schwerer Bewaff-
nung. Nach den Erfahrungen im Iapanisch-Chi-
nesischsn Kriege haben ungepanzerte Schisse gegen
P. nur wenig Aussicht auf Erfolg, selbst bei guter
Führung und gutem Schießen; die beiden nach Art
der deutschen P. dritter Klasse gebauten chinesifchen
P. Ting-Iuen und Chen-I)uen widerstanden meh-
rere Stunden lang allein dem heftigen Schnell-
feuer von 7 japan. geschützten Kreuzern. Bei der er-
höhten Wirksamkeit der Schncllfeucrgeschütze müssen
auf P. sowohl die Wasserlinie wie die Geschützstände
gegen Sprenggeschosse jeder Größe hinreichend ge-
panzert sein. Mit Ausnahme der engl. Schiffe ist
die Wasserlinie fast aller modernen P. durch einen
vollen oder nahezu vollen Panzergürtel gefchützt und
außerdem noch durch ein gewölbtes Panzerdeck, das
gewöhnlich innerhalb, zuweilen auch unterhalb des
Gürtels liegt. Bei den engl. Schiffen ist fast überall
nur der mittlere Schiffsteil durch vertikalen Panzer
geschützt, dcr gewöhnlich als Kasemattpanzer etwas
unterhalb der Wasserlinie beginnt und bis zu den
Varbettetürmcn der Geschütze hinaufreicht; davor
und dahinter übernimmt ein einfaches oder doppeltes
Panzerdeck und ein Kofferdamm den Schutz der
Wasserlinie. Alle neuen P. haben dicke stählerne
Gefechtsmasten, deren bewaffnete Marsen (meist
zwei an jedem Mast) mit leichten Schnellfeuer-
geschützen (2-4 Stück von 5-1 cm-Kaliber) be-
wehrt sind. Ein Scheinwerfermars trägt außerdem
einen elektrischen Beleuchtungsapparat. Elektrische
Maschinen dienen bei einzelnen P. zum Nichten der
Geschütze, Drehen der Türme und der Ankerspills,
serner zum Betrieb der Steuermaschine, der Ventila-
tionsmaschinen lFlügclradgebläse) u. s. w. In neuester
Zeit sind viele P., z. V. das deutsche Küstenpanzer-
schiff Llgir, sür Masutfeuerung (Braunkohlentheeröl)
eingerichtet worden.
Die Übersicht der wichtigsten fremdländischen P.
läßt die Entwicklung der verschiedenen Panzerschiff-
arten erkennen; über die dcutfchen P. s. die Liste der
deutschen Kriegsschiffe beim Artikel Deutsches Heer-
wesen. Man sieht, daß neuerdings die Schiffe ge-
mischten Systems, bci denen die schwere Artillerie
meist in Barbctte-(Brustwehr-)Türmen und die
Mittelartillerie in Kasematten aufgestellt ist, bevor-
zugt werden. Bei den eigentlichen Schlachtschiffen,
den P. erster Klasse, erkennt man die Abnahme des
Kalibers der schweren Artillerie und die Zunahme der
Zahl der Mittel- und leichten Geschütze, wobei zu
bemerken ist, daß viele der in der Liste mit aufge-
führten alten Schiffe infofcrn einer Umgestaltung
unterworfen worden sind, als sie mit Rücksicht auf
die Fortschritte der Schnellfeucrbcwaffnung in den
letzten Jahren ein neues und zahlreicheres Geschütz-
material erhalten haben, so war z. V. das Panzer-
schiff Italia 1888 nur mit 16 leichten Geschützen
ausgerüstet, gegenwärtig aber führt es 36. Deut-
lich erkennt man das allgemeine Bestreben, die
Schnelligkeit der P. zu vermehren, was teilweise
durch Einführung von drei Schrauben erreicht wird.
über die auf der Tafel: Panzerschiffs typen ab-
gebildeten fremdländischen P. siud^ nvQN dve nöchein
Angaben in der Übersicht auf S. 846 u. 847.