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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schutzmittel
Feinde vom Leibe hält, und die größere Schnellig-
keit, mittels der es sich ihren Verfolgungen entzieht.
Zweitens treten hierzu Schutz- oder Trutzwaffen.
Die Endteile der vielbenutzten Gliedmaßen bedecken
sich mit stärkern Epithelialwucherungen, die als
Nägel, Krallen (z. B. bei den Katzen; s. Tafel:
Schutzmittel der Tiere, Fig. 1), Klauen, Hufe
und Sporen dieselben einmal gegen Verletzungen
beim Gebrauch schützen, dann aber auch wirksame
Waffen abgeben. Sie entwickeln sich unter Umstän-
den auch bei Vögeln an der vordern Extremität
(Wehrvögel, Sporenkiebitz u. a.). Es ist leicht be-
greiflich, daß auch anderweitige Gebilde, die zum
Fassen, Töten und Zerkleinern der Beute benutzt
werden, gegebenen Falls zur Verteidigung dienen
(Schnäbel, Zähne). Mit einzelnen Zähnen kann ein
Giftapparat verbunden fein, wie bei den Giftschlan-
gen (s. d., Bd. 7, und Fig. 3 u. 4); sehr groß ist der
Giftapparat bei der Vauchdrüsenotter (^gl1oplii8
Wt68twa1i8 ^"A/-., Fig. 5) oder bei der mexik. Gift-
echse (1l6^0Ü6rina Iwrriäum I^'e^m., Fig. (i). Ahn-
liche Apparate finden sich auf der Haut von Fischen
als Stacheln an Flossen (z. B. an der Rückenflosse
mit Sperrgelenken verbunden beim Stichling s(^8-
t6l08t6U3 acui6Äw8 ^, Fig. 8 a von der Seite,
Fig. 8d unterer Teil von vorn, Fig. 8c im Quer-
schnitt), am Kiemendeckel oder Schwanz, zum Teil
auch mit Giftapparaten (z. B. beim Petermännchen
^i-Nckinii8 ^, Fig. 7a im Längsschnitt, Fig. 7d
imQuerschnitt,Fig. 7 c Vertikalschnitt durch die eine
Drüse) verbunden. Ganz analog sind die Stacheln
der Gliedertiere gebildet, beim Skorpion (Fig. 16)
das hinterste Körperglied, bei den stechenden Hy-
menopteren die bei andern Insekten zu Eierlegern
(Oviposttor) umgebildeten beiden hintersten Leibes-
ringe mit ihren Anhängen, in beiden Fällen mit
einer Giftdrüse verbunden (z. B. bei der Biene,
s.Tafel: Biene und Bienenzucht, Fig. 11 ^u.L,
Hd. 2, und der roten Waldameise ^oi-mica, lu8ca
^, s. Tafel: Schutzmittel der Tiere, Fig. 12).
Bloß eine Giftdrüse, deren Sekret ausgespritzt wird,
findet sich bei andern Ameisenarten (z.V. der gemeinen
roten Ameise M^rinic^ I3,6vin0ä68 ^/i., Fig. 11^).
Bei manchen haarigen Spinnerraupen (Fig. 13)
stehen die hohlen abbrechbaren Haare und bei giftigen
Spinnen und Tausendfüßern die Kiefer mit einer
Gift enthaltenden Drüse am Grunde im Zusammen-
hang. Mit dem Rüssel gewisser Schnurwürmer, z. V.
bei 660pIanH ckalicoplioi-H von ^?"F'. (Fig. 17 a),
findet sich eine mit einer stilettförmigen Waffe verbun-
dene Giftdrüse im Rüssel (Fig. 17 d). Auch die Nessel-
Organe (s. d., Bd. 12) der Cölenteraten zeigen eine
analoge Vereinigung eines in diesem Falle, wenn
auch unwillkürlich, Hervorschleuderbaren Stechhaars
mit Gift in einer Hautzelle (s. Fig. 18 a: Nesselzelle
einer Röhrenqualle in nicht gereiztem, Fig. 18 d in
gereiztem Zustande mit hervorgeschleudertem Stcch-
haar). Die Gifte sind durchaus nicht immer mit
besondern waffenartigen Gebilden verbunden. Sie
können ihren Sitz in einfachen Hautdrüsen haben
und werden erst bemerkbar, wenn der Inhaber
feindlich angegriffen oder gebissen wird (Feuersala-
mander, Kröten, höchst giftige tropische Baum-
frösche). Manche Fische sind im ganzen äußerst
giftig, bei andern ist es der Rogen. In hohem
Grade ist Gift auch in Hautdrüsen mancher Käfer
(Spanische Fliege u. s. w.) vorhanden. Bei der Faß-
schnecke (Dolwni Agiea. ^.) sondern die Speichel-
drüsen (Fig. 15) einen freie Schwefelsäure enthal-
tenden Saft ab. Andere Tiere sind übelriechend oder
übelschmeckend ohne giftige Eigenschaften, und oft
ist der Träger des übeln Geruchs das Sekret beson-
derer Drüsen, das unter Umständen dem Feinde
entgegen geschleudert werden kann. Das ist vielfach
der Fall bei Gliederfüßern: bei Tausendfüßern (Haut-
drüse mit Blausäure, also giftig), Larven von Blatt-
wespen, Raupen von Schmetterlingen (z. B. an der
Gabel am Hinterleibsende der Raupe des Gabel-
schwanzes ls. Tafel: Raupen, Fig. 12, Bd. 13^
oder in Gestalt hervorstülpbarer Hörner hinter dem
Kopfe, wie bei der Raupe des Schwalbenschwanzes
jZig. Ii^j), bei Wanzen, Laufkäfern, die den übel-
riechenden Saft (meist Vuttersäure) entweder durch
den Mund oder den After entleeren. In letzterm
Falle kann er sich an der Luft mit hörbarem Knall
verflüchtigen, wie bei Li-ac1iinii8c0iiiplaiiatu8^ab7-.,
dem Bombardierkäfer (f. d., Bd. 3, und Tasel:
Schutzmittel der Tiere, Fig. 14). Viele Wir-
beltiere lassen bisweilen stinkenden Urin oder Kot
oder auch das Abscheidungsprodukt besonderer Drü-
sen bei feindlicher Bedrohung fahren, z. V. die Rin-
gelnatter, Stinktiere (z. B. das südamerik. Stinktier,
Ä6p1iiti8 8iiik0cau8 I>ic/i^. ^Fig. 2 a, Harnapparat
und Stinkdrüsen von vorn, Fig. 2d, Mündung der
Stinkdrüsen in den Afters u. s. w. Andere brechen
den Mageninhalt aus und überschütten den Gegner
damit (junge Sturmvögel, Lamas u. s. w.). Auch
die elektrischen Organe gewisser Fische gehören zu
den S. Beim Zitterrochen (loi^eäo marinoi-ata
Msso) liegen die großen elektrischen Platten (Fig. 9 3.
N N) rechts und links vom Rückgrat und bestehen
aus kantigen, senkrecht nebeneinander liegenden
Säulchen iFig. 9d), die ihrerseits wieder aus über-
einander stehenden Kästchen (Fig. 9c) zusammen-
gesetzt sind. Diese enthalten eine sulzige Masse,
sind durch zarte Bindegewebsschichten voneinander
getrennt und in jedes tritt von unten her eine
Nervenfaser. Nach dem Rücken zu sind sie positiv,
nach dem Bauche zu negativ elektrisch. Beim elek-
trischen Aal (6^mn0w8 6i6ctricu8 ^.) verlaufen
die Organe (N) als zwei große Polster unter der
Bauchhaut vom Schwänze tns über die Körpermitte
nach vorn (Fig. 10 a und d), zeigen einen ähnlichen
Bau, nur daß die Säulchen in der gleichen Richtung
wie die ganzen Organe angeordnet sind. Nach dem
Kopfe zu sind sie positiv, nach dem Schwänze hin
negativ elektrisch.
Eine andere Art von S. besteht in Hüllen des
tierischen Körpers, die in Anpassung an die ver-
schiedensten äußern Einflüsse erworben sein können.
Schon die Schalen der meisten, rnchl ^m mütter-
lichen Körper verbleibenden Eier, besonders der
Landtiere, sind solche Vorrichtungen, die einmal
den flüssigen Inhalt davor bewahren, daß er, dem
Gesetze der Schwere folgend, auseinander läuft, ihn
weiter aber auch gegen lebende Feinde, gegen Kälte
und Hitze, gegen Erfrieren und Eintrocknen schützen.
Langsam sich bewegenden oder gar festsitzenden
Tieren, wie Mollusken, Rankenfüßern, zahlreichen
Ringelwürmern u. s. w. sind solche Vorrichtungen
von größtem Nutzen, die sich ein rasch sich bewegendes
Tier weniger leicht erwerben konnte. Bei den Rep-
tilien sieht man vom wenig starken Schuppenkleid
der hurtigen Eidechse oder Schlange bis zum festen,
zur Aufnahme von Kopf, Hals und Gliedmahen be-
fähigten Gehäuse der trägen Schildkröten eine Reihe
merkwürdiger Übergänge. Die hornige, chitinöse
Hautbedeckung der Insekten, die bei Krebsen gar