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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Serbisches Heerwesen
Finanzen. Budget für
1896:

Einnahme- und Ausgabopostcn
Dinars
Einnahme- und Ausgcbcposten
Dinars
Einnahmen:
Direkte Steuern . Zölle...... Verzehrungsstcuer. Gerichtssporteln . Monopole .... Domänen, Post und Telegraph . . . Eisenbahnen . . . Unterrichts - und Sanitätsfonds . Verschiedene Einnahmen ....
20 803 720 5 000 000 2 927 0U0 2 500 000 17 159 000
3 428 000 5 700 000
852000 5 290 000
Ekupschtina . . . Staatsrat .... Allgemeine Ausgaben ..... Pensionen .... Justizministerium Uuterrichtsminister. Äußeres..... Inneres..... Finanzministerium Kriegsministerium Ministerium der öffentl. Arbeiten Ministerium dcr Gewerbe und des Ackerbaues . . . ObersterRechnuugs-hof...... Verschiedene Ausgaben .....
120 000 156310
234 000 2 251858 1616128 4 822180 1231985 2 765 765 8 202475 14115 393
3 948 633
Summe
Ausgaben: Civilliste..... Apanage Milans . Hofbeamte .... Offenlliche Schuld.
63 659 720
1 200 000 360 000 28 640 17 747 506
3 001 229 348 453 1 205 052
Summe
63 355 607
Die Staatsschuld hatte 1. Jan. 1896 die Höhe von
413 607 500 Dinars, darunter die 4prozentige kon-
vertierte Anleihe von 1896 mit 355692000 Dinars.
Geschichte. Die Finanzfragen, verbunden mit dein
projettiertenAbschluß einer neuen Anleihe behufs Ver-
einigung älterer Anleihen und Tilgung der schweben-
den Schuld, führten 4. Juli 1895 zum Rücktritt des
Kabinetts Christic. An seine Stelle trat 7. Juli ein
Ministerium unter dem Präsidium von Novakovic
(s. d., Vd. 12), der Fortschrittspartei angehörig, die
auch in der im Frühjahr neugewählten Stupschtina
die Majorität hatte. Die SkupWina wählte Milutin
Garaschanin (s. d., Vd. 7) zum Präsidenten und ge-
nehmigte (19. Juli) das Anleihegesetz. Die Sperrung
der ungar. Grenze gegen den Schwöineerport aus
S. im Sommer 1895 führte zu einer Spannung
mit Ungarn. Das Herumtragen einer serb. Fahne
unter den Fahnen ungar. Vasallenländer bei der
Budapester Millenniumsfeier (Mai 1896) veranlaßte
die serb. Negierung zu einem Protest und zurNicht-
beteiligung an den Festlichkeiten in der ungar.
Hauptstadt. Da aber in der Fahnenangelegenheit
befriedigende Erklärungen abgegeben und auch der
Echweineerport nach Ungarn wieder gestattet wurde,
so gestaltete sich das Verhältnis bald wieder freund-
licher, so daß der König Alexander 27. Sept. 1896
als Gast des Kaisers Franz Joseph zugleich mit dem
König von Rumänien an der Feier zur Eröffnung
des Eisernen Thores (s. d.) teilnahm. Ein Ersolg in
der Türkei war die Einsetzung eines derben Dionys
,;um Metropoliten von Prizren von seiten des Kon-
stantinopeler Patriarchats. Seit Anfang 1896 wird
eine wachsende Annäherung der christl. Balkan-
staaten bemerkbar, wovon die Besuche der Fürsten
untereinander Zeugnis ablegten. Die innern Ver-
hältnisse S.s haben aber noch viel Ungeregeltes.
Am 27. Dez. 1896 reichte das Ministerium Novakovic'
seine Entlassung ein, weil der König einer Civil-
prozeßreform seine Genehmigung versagte, worauf
der serb. Gesandte in Wien, Simitsch, zur Neubil-
dung eines Koalitionskabinetts berufen wurde, um
unter der Hutwirkung aller Parteien die Revision
der Verfassung durchzuführen. Die Skupschtina
wurde aufgelöst und das Budget für 1897 durch
tönigl. Ukas festgesetzt.
^ Serbisches Heerwesen. Dieserb.Armeewird
im Friel) en ''m?"D'w'monen li. Morava, 2. Drina,
3. Donau, 4. Schumadija und 5. Timok) gegliedert,
welche zusammen enthalten: 5 Regimenter <20 Ba-
taillone -^ 80 Compagnien) Infanterie (einschließlich
5 Gardebataillonen), 4 Regimenter (11 Eskadrons)
Kavallerie, 5 Regimenter (10 Abteilungen - 34
fahrende Batterien und 1 reitende Batterie) Feld-
artillerie, 1 Regiment (5 Batterien) Gebirgsartil-
lerie, 1 Regiment (2 Bataillone ^ 8 Compagnien)
Festungsartillerie, 2^ Bataillone (10 Compagnien)
Pioniere, 5 Eskadrons Train und 5 Sanitätscom-
pagnicn. Hierzu kommt noch die militärisch organi-
sierte Gendarmerie (1 Bataillon zu 4 Compagnien
und 2 Züge zu Pferde) sowie die Grenzwache. Nach
dem Haushaltungsanschlag ist die Stärke auf 18600
Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften festgesetzt,
doch bleiben die Effektivstärken hinter der budget-
mäßigen erheblich (15-20 Proz.) zurück.
Im Kriege ist eine neue Gliederung der Divi-
sionen vorgesehen; jede derselben soll 4 Regimenter
Infanterie zu 4 Bataillonen zu 4 Compagnien, 2 Es-
kadrons Kavallerie, 1 Regiment Artillerie zu 2 Ab-
teilungen zu 3 Batterien zu 6 Geschützen und eine
größere Zahl von Sanitätstruppen, Munitions- und
Proviantkolonnen, Bäcker- und Handwerkercom-
pagnien, sowie Werkstätten und Depots erhalten.
Außerhalb dieser Divisionseinteilung sollen dann
noch eine Kavalleriebrigade, die königl. Leibgarde zu
Pferde, die Gebirgsartillerie, Specialtruppen und
Specialanstalten formiert und Depot- und Erfatz-
truppen für Infanterie, Kavallerie, Artillerie und
Genie errichtet werden. Für alle 5 Kriegsdivisionen
würde ein gemeinschaftliches Armeekorps vorgesehen
werden; übrigens werden die Truppen aller Art in
solche der regulären Armee und des Volksheers ge-
trennt formiert.
Die reguläre Armee würde sich in der Ver-
pflegszahl insgesamt auf 2681 Offiziere, 504 Arzte,
Beamte u. s. w., 126932 Mann (einschließlich etwa
10000 Mann Ersatztruppen), 25212 Pferde, 10943
Ochsen, 7283 Wagen und 632 Munitionskarren be-
rechnen, woraus als Gefechtsstand 80 Bataillone
und noch 30 Compagnien, 24 Eskadrons, 56 Batte-
rien mit rund 80000 Gewehren, 4000 Reitern und
316 Geschützen zu entnehmen sind.
Das Volksheer zerfällt in zwei Bans. Deri.
hat eine Verpflegsstärke von rund 124000 Offizieren
und Mannschaften (darunter 25000 Ersatztruppen),
14840 Pferde, 5720 Ochsen, 3917 Nagen und 160
Munitionskarren; daraus sind als Gefechtsstärke
80 Bataillone und noch 20 Compagnien, 10 Eska-
drons, 20 Batterien mit rund 80000 Gewehren,
1800 Reitern und 80 Geschützen zu erlangen. Der
2. Ban wird auf rund 62000 Offiziere und Mann-
schaften, 6300 Pferde, 5000 Ochsen, 554 Wagen Ver-
pflegsstärke und auf 60 Bataillone und noch 10 Com-
pagnien, 5 Eskadrons mit 51300 Gewehren und
790 Reitern berechnet.
Die Gesamtkriegsstärke würde nach diesen
Angaben für reguläre Armee und Volksheer 316117
Köpfe betragen. Wenn man aber in Betracht zieht,
daß die Zahl der Offiziere unverhältnismäßig gering
ist, daß für den 1. Van des Volksheers Cadres nur
in ganz ungenügender Zahl und Stärke, für den
2. Ban aber gar nicht vorgesehen sind, und daß end-
lich die Beschaffung ausreichenden Pferdematerials
sebr schwierig ist, was schon aus der zahlreichen Eta-
tisierung von Ochsengespannen hervorgeht, so darf
man die Kriegsmacht Serbiens nicht überschätzen.
Es wird nicht viel mehr als die Hälfte der beabsich-
tigten Formationen und Stärken in Aktion treten.