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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Spanische Eisenbahnen - Sparkassen
schreitungen gegen die amerik. Votschaft verhindern.
Weitere Folgen hatten diese Vorgänge nicht, da
Cleveland jede Aktion zu Gunsten Cubas ablehnte.
Das I. 1895 über hatte das konservative Ka-
binett mit einer liberalen Majorität regiert, im
Febr. 1896 endlich löste es die Cortes auf, und
12. April wurde die Kammer, 26. der Senat neu
gewählt. Das Resultat war ein großer Sieg der
Negierung, doch wurden sogleich heftige Proteste der
Opposition wegen unerhörter Beeinflussung durch
die Negierung und der Fälschung der Madrider
Wählerlisten laut, die stürmische Kammerdebatten
ankündigten. Eine der wichtigsten Ausgaben der
Cortes war die Negelung der Finanzen, die durch
die großen Kosten des cuban. Feldzugs in Unord-
nung geraten waren; 300 Mili. Pesetas kostete der
Krieg bis Anfang 1896, und auf 400 Mill. wurden
die Kosten für 1896 angeschlagen.
Zu allen diesen Verwicklungen traten noch andere
Wirren. Im Dez. 1895 wurden in der Presse schwere
Vorwürfe gegen die Madrider Stadtverwaltung
wegen Veruntreuungen erhoben, um die auch der
Iustizminister und der Vautenminister gewußt haben
sollten. Es kam zu Straßendemonstrationen gegen
die Gemeindeverwaltung und die Negierung; die
beiden Minister legten ihre Amter nieder, und eine
gerichtliche Untersuchung wurde eingeleitet. Sodann
regten sich in Barcelona wieder die Anarchisten, wo
durch ein Vombenattentat 7. Juni 1896 eine ganze
Anzahl von Menschen getötet und noch mehr ver-
wundet wurden, was der Negierung zur Verhängung
des Belagerungszustandes über die Stadt und zu
einem neuen, noch schärfern Anarchistengefetz Ver-
anlassung gab. Und um die Reihe der Unglücksfälle
voll zu machen, wurde noch im August eine weitver-
zweigte Verfchwörung auf den Philippinen (s. d.)
entdeckt, die auch in S. selbst Teilnehmer zu haben
schien und zahlreiche Verhaftungen herbeiführte.
Diesen Schwierigkeiten gegenüber ließen auch die
regierungsfeindlichen Parteien in den Cortes alle
Opposition zurücktreten und zeigten sich bereit, durch
Geldbewilligungen die Regierung zu unterstützen,
die Integrität des span. Gebietes zu wahren.
"Spanische Eisenbahnen, umfaßten 1. Jan.
1895:12147 km. Soweit bekannt erzielten 11063 km
Bahnen 1894 eine Gesamteinnahme von 196176498
Pesetas, d. i. 18 252 Pesetas auf 1 km (1893:18490
Pefetas). - Vgl. Archiv für Eisenbahnwesen (Berl.
1896).
in Militärgouvernements eingeteilt, welche sich mit
Rücksicht auf ihre Größe und Bedeutung in drei
Klaffen ordnen; sie entfprechen der Zahl nach (47)
der Einteilung des Landes in Provinzen. Die größ-
ten (18) werden von Divisionsgeneralen, die mitt-
lern (13) von Brigadegeneralen, die kleinen (16) von
Obersten befehligt. Im Frieden gliedert sich das
Heer (1895) in 7 Armeekorps mit 15 Infanterie- und
1 Kavalleriedivisionen; die Infanterie zählt 26 Bri-
gaden mit 56 Regimentern, 112 Bataillonen und
448 Compagnien, dazu noch 5 Iägerbrigaden mit
20 Bataillonen und 80 Compagnien, die Kavallerie
besteht aus 6 Brigaden, 28 Regimentern mit 112 Eska-
drons. Die Feldartillerie einschließlich der Gebirgs-
artillerie zählt 16 Regimenter mit 32 Abteilungen,
64 fahrenden und 2 reitenden Batterien, die Festungs-
artillerie hat 9 Bataillone, 42 Compagnien, 4 Regi-
menter Sappeure oder Mineure zählen 8 Bataillone
und 32 Compagnien, ferner 1 Pontonierregiment
zu 4 Compagnien, 1 Telegraphenbataillon zu 4 Com-
pagnien, 1 Eisenbahnbataillon zu 4 Compagnien,
1 Telegraphenbrigade zu 2 Compagnien, 1 Zand-
werkerabteilung, 7 Artillerie- und 7 Geniedepots,
16 Verwaltungs- und 16 Sanitütscompagnien. An
Cadres bestehen solche für 50 Referve-Infanterie-
regimenter, 10 Reserve-Iägerbataillone. Endlich
sind noch 4 Infanteriebataillone in Palma, 4 in
Las Palmas, 4 in Ceuta, 3 in Melilla, fämtlich zu
4 Compagnien, zu erwähnen. Die Stärke wird mit
11101 Offizieren und Beamten, 81920 Unteroffi-
zieren und Mannschaften, 15889 Pferden und Maul-
tieren, 396 bespannten Geschützen berechnet. Ein
8. Armeekorps (Sitz des Kommandos in Coruna)
soll 1897 errichtet werden.
Durch den Zaushaltsanschlag für 1895/96 wurde
die Truppenstärke wie folgt angegeben: Armee des
festländischen Neichsteiles 82000 Mann, Truppen
auf der Insel Cuba rund 14000 Mann (später auf
20197 angegeben), auf den Philippinen 13291,
auf Portorico 3091 Mann. Dazu Guardia civil
(Gendarmerie) 15412 Mann mit 2220 Pferden,
Carabineros (Zollwächter) 14156 Mann.
Die Kriegsstärke wird auf insgesamt 183 972 Unter-
offiziere und Mannschaften mit 14250 Pferden oder
Maultieren und 590 Geschützen angegeben.
'"Sparkassen. Die deutschen S. Ende 1894:
Staaten*
Zahl der Kassen
Zahl der Sparbücher
Gesamt-Guthaben
Auf 1 Sparbuch kommen
Eingezahlte Summen
Erhoben? Summen
Mill. M.
M.
Mill
. M.
Preußen. . . Vayern . . . Sachsen . . . Württemberg Hessen....
1483 323 239 56 43
6 527 337 638 887 1353 293 386916 193 575
4000,7 216,3 690,2 167,2 141,4
613 339 372 433 730
1111,6 49,1 143,5 37,7 31,8
862,9 21,9 133,2 28,6 24,7
""Für Baden waren neuere Zahlen nicht zu haben.
Die im preuß. Ministerium des Innern ausge-
arbeiteten Grundzüge zu einem Sparkassengesetz,
welche vor längerer Zeit an die Regierungspräsi-
denten mit dem Auftrage gesandt worden sind, über
dieselben zu berichten, sind bisher nur bruchstück-
weife zur öffentlichen Kenntnis gekommen. Der
ausführlichste Auszug aus denselben wurde in der
volkswirtschaftlichen Zeitschrift "Die Sparkasse"
(.Hannover) veröffentlicht, aus welchem hervorgeht,
daß es sich im wesentlichen darum handelt, den Vor-
ständen der S. die Eigenfchaften öffentlicher Behör-
den beizulegen, sie der Aufsicht der Negierungs- und
Oberpräsidenten zu unterstellen und die S. zu Kredit-
instituten und Banken umzuformen.
In Österreich gab es Ende 1894: 472 S. (380
Gemeinde-, 66 Vereins- und 26 Bezirksfparkasfen),
d. i. 1 Sparkasse auf 635,62 ykm oder 52408 E. Für
1894 werden ausgewiesen: 388,30 Mill. Fl. Einzah-
Fl. kapitalisierte und ausbezahlte Zinsen. Der Einla-
genstand war Ende 1894:1530,?i Mill.Fl., dieAnzahl
der Sparkassenbücher 2786448. Ungarn zählte
Ende 1892: 551 S. mit 510,68 Mill. II. Einlagen.
In Italien hatten die ordentlichen S. am
31. Dez. 1894 einen Bestand von 1306,92 Mill.
Lire in 1554439 Büchern, wovon auf die Lom-
bardei allein 531,85 Mill. Lire in 515771 Büchern
entfallen. Die Depositen in den sog. Volksbanken
wurden zu derselben Zeit auf etwa 400 Mill. Lire
gefchätzt.