Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

955
Statistische Maschinen
die Stifte 8. Jeder "Ausleser" hat anders gruppierte
Stifte und sondert demnach auch andere Karten
aus. Wird also eine Karte von einem Ausleser
nicht aufgenommen, so fällt sie, da die Scheibe mit
den Auslesern ruckweise fortschreitet, bei einem der
folgenden Ausleser, dem passenden, herab. Es sind
ebensoviel Kartenstapel vorhanden als Ausleser,
llm zu verhindern, daß die Stapel herabfallen,
wenn die Scheibe mit den Auslesern fortrückt, sind
Haken K angeordnet, auf denen die Stapel in-
zwischen ruhen können. Durch Hebung der genann-
ten Scheibe, an der die Vorsprünge v angebracht
sind, werden die Stapel wieder freigegeben, indem
hierbei die Vorsprünge die Haken um ihren Dreh-
punkt bewegen. Die Stapel enthalten etwa 200 Stück
Karten und in eine Maschine werden bei jeder Sor-
tierung ungefähr 10000 Stück Karten gegeben.
Am meisten Bedeutung von allen S. M. hat die
von Or. Hermann Hollerith erfundene elektrische
Maschine erlangt, deren Hauptbestandteil Fig. 3
darstellt. Dieser enthält eine Hartgummiplatte?
Fig. 3.
mit geeigneten Anschlägen; auf diese Platte werden
die Karten nacheinander gelegt, wobei die An-
schläge die richtige Lage bestimmen. In der Platte
befindet sich eine Anzahl Näpfchen c, die in Zahl
und Anordnung allen den Löchern der Karte ent-
sprechen, die möglicherweise in diese eingestanzt
werden können. Jedes Näpfchen ist zum Teil mit
Quecksilber gefüllt und an seiner untern Seite mit
einer Klemmschraube verbunden, von der ein Lei-
tungsdraht zu dem zugehörigen elektrischen Zählwerk
führt, über der Platte? ist ein beweglicher mit der
Stromquelle leitend verbundener Kasten 15 ange-
ordnet, aus welchem federnde Kontaltstifte n her-
vorragen, die in ihrer Anordnung zu den Queck-
silbernäpfchen passen. Wird nun eine Karte in die
Presse eingelegt und der Kasten 15 mit dem Hand-
griff nach unten bewegt, fo durchdringen die Kon-
taktstifte die Karte überall da, wo sie auf ein Loch
treffen und schließen so die Stromkreise der zuge-
hörigen Zählwerke, so daß diese geschaltet werden.
Die auf volles Papier stoßendenKontaktstifte weichen
dagegen zurück. Es erscheint klar, daß auf diese Weise
durch einen einzigenHebeldruck eine beliebige Anzahl
Zählwerke in Bewegung gesetzt werden kann und daß
die Maschine fähig ist, eine unbeschränkt große Zahl
verschiedener Angaben gleichzeitig zu addieren.
Will man beim Summieren zugleich Karten, die
bestimmte Angaben enthalten, von den übrigen
absondern, so benutzt man einen hierzu vorhandenen
Kasten mit Fächern, deren Deckel einen elektro-
magnetisch auslösbaren, schnepperartigen Haken-
verschluß haben. Die Elektromagnete bestimmter
Fächerdeckel können durch Stöpselung in den Strom-
kreis bestimmter Zählwerke eingeschaltet werden.
Bei Bethätigung des Zählwerks öffnet sich alsdann
zugleich, getrieben von einer Feder, der Deckel des
entsprechenden Fachs, die betreffende Karte wird in
das Fach eingeworfen und der Deckel durch Hand-
druck wieder geschlossen. Alle Karten, welche wirklich
in ein bestimmtes Fach gehören, haben mindestens
ein Lock gemein, und ein Stapel solcher Karten
muh daher ein durchgehendes Loch besitzen. Ist dies
nicht der Fall, so weiß man, daß falsche Karten
darunter geraten sind.
Zu größerer Sicherheit läßt man bei jedem Zäh-
len selbstthätig eine elektrische Klingel ertönen, deren
Versagen meldet, wenn einmal aus irgend einem
Grunde bei einer Karte die Zählung nicht erfolgt.
Außerdem ist die Maschine mit Kontrollzählwerken
ausgerüstet, durch welche angegeben wird, wenn bei
einer Karte eine Lochung zu viel angebracht oder
eine ausgelassen worden ist.
Die Stromleitungen zu den Zählwerken sind so
angeordnet, daß sich durch zweckentsprechende Stöp-
selung u. s. w. auch die Ergebnisse beliebiger statist.
Kombinationen ziehen lassen. Man kann z. B.
männliche und weibliche Personen zählen und da-
bei zugleich erfahren, wieviel von jedem Geschlecht
Ausländer und Inländer sind. Zu Summierungen,
wie sie bei statist. Erhebungen in der Industrie bei-
spielsweise vorkommen, dient ferner eine eigenartige
HilfsVorrichtung, die als elektrische Addiermaschine
bezeichnet werden kann. Die Karten oder vielmehr
die in Frage kommenden Teile derselben haben für
diesen Fall und überhaupt bei der Zählung von
Zahlengrößcn (Lebensalter u. s. w.) eine besondere
Anordnung der die Zahlen ausdrückenden Löcher.
Die Leistungsfähigkeit der Hollerithschen Ma-
schine ist von dem in Fachkreisen wohlbekannten
Franklin-Institut praktisch erprobt worden, wobei
die Angaben aus einem schon bei der Volkszählung
1880 t'abellierten Stadtbezirk mit 10491 Einwoh-
nern von neuem gezählt und klassifiziert wurden.
Hierbei hat sich ergeben, daß die Herstellung der
nötigen gelochten Karten, die mittels besonderer
ebenfalls von Hollerith konstruierter Lochmaschinen
auf Grund der Angaben der Zäbllisten geschieht,
72 Stunden erforderte, die eigentliche Tabellierung
nur 5^/2 Stunden, während bei zwei andern Ver-
fahren von Pidgin und Hunt, die mit dem gebräuch-
lichen wesentlich übereinstimmten und nur darin
von ibm abwichen, daß sie Zu leichterer Unterschei-
dung der Angaben auf den Karten besondere Fär-
bungen anwendeten, durchschnittlich insgesamt 175
Stunden nötig waren. Man hat ferner berechnet,
daß bei einer auf 65 Mill. Individuen sich erstrecken-
den Volkszählung die Anwendung elektrischer Zähl-
maschinen an Stelle der üblichen Verfahren zur
Zählung und Klassifizierung eine Ersparnis von
262 000 Arbeitstagen giebt. Der Preis einer Holle-
rithschen Maschine beträgt etwa 20 000 M. -
Bei der österr. Volkszählung Ende 1890 kam eine
von Schäffer modifizierte Konstruktion zur An-
wendung. In einem besonders eingerichteten Ge-
bäude in Wien waren 380 Arbeiter beschäftigt. Die
Karten entlüelten 240 verschiedene Angaben.
Die S. M. mit pneumatischem Betrieb sind,
wie Fig. 4 erkennen läßt, den elektrischen nahe ver-
wandt. Die Löcher der in die Maschine eingelegten
Karte eröffnen der Preßluft, die in dem Behälter
v aufgespeichert ist und durch den Schlauch ^ über
i die Karte geleitet wird, den Zugang zu bestimmten
Schlauchleitungen 15. Am Ende dieser Leitungen
sind Kolben X angebracht, die durch die eingeströmte
Preßluft nach außen getrieben werden und dabei