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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Torpedoboot - Torpedobootsjäger
zu erhöhen geeignet scheint. Bisher traten beim
Lancieren des T. ans der Breitseite, namentlich im
Seegange, oft erhebliche und schwer zu vermeidende
seitliche Ablenkungen von derZielrichtung ein. Durch
die Obrysche Steuervorrichtung soll der T.
gezwungen werden, nach derartigen Ablenkungen
stets wieder in die Richtung zurückzugehen, die er
beim Verlassen des Lancierrohrs hatte. Der Apparat
besteht aus einem am T. angebrachten Gyroskop,
das im Moment des Lancierens in Drehung versetzt
und frei (beweglich) wird; mit dem Gyroskop hängt
eine Umsteuerung zusammen, die je nach der Nich-
tung des T. auf ein paar bewegliche Scitenstcuer-
räder einwirkt. Solange der T. in der Lancicrrich-
tung bleibt, liegen die Seitensteucr in der vertikalen
Längsebene des T., sobald er durch den Eintritt ins
Wasser, oder durch kurzes ßerausspringcn an die
Oberfläche, oder durch andere Einwirkung eine Ab-
lenkung erhält, werden durch die Gyroskopwirknng
die Seitenräder so gestellt, daß der T. in seine ur-
sprüngliche Richtung zurüctstcuern muß. Der Lauf
der T. durchs Wasser von oben gesehen wird in
diesem Falle schlangenförmig sein, bis die ursprüng-
liche Richtung wieder erreicht ist. Bei den ersten
Versuchen, die im Sommer 1896 mit dem Apparate
in Fiume gemacht wurden, soll er sich gut bewährt
haben, so daß wahrscheinlich die bisher nicht sehr
hohe Treffsicherheit des T. durch diese Erfindung
bedeutend vergrößert worden ist. Es ist abzuwarten,
wie der jedenfalls nicht sehr einfache Apparat sich
in der Praxis und namentlich nach längerm Lagern
des T. bewähren wird.
^Torpedoboot. In den letzten Jahren ist die
Größe der T., die für den Gebrauch auf hoher See
bestimmt sind, sehr gewachsen. Die Einteilung nach
Klassen ist bei den verschiedenen Marinen so ver-
schieden, daß man gut thut, zum Vergleich der T.
verschiedener Flotten untereinander nicht die diffe-
rierenden amtlichen Benennungen, sondern die Größe
der Boote zu Grnnde zu legen. Als T. erster Klasse
oder Hochseetorpedoboote sind alle von mehr als
100 t Deplacement, als T. zweiter Klasse, die zur
Küstenverteidigung im weitern Sinne noch brauch-
bar sind, die Boote von 50 bis 100 t, und als T.
dritter Klasse, die nur zur Zafenverteidigung brauch-
bar, fönst aber kaum seefähig sind, die Boote von
weniger als 50 t Größe zu bezeichnen. Die Ge-
schwindigkeiten der größten Boote sind auf nahezu
30 Seemeilen gebracht worden. Angaben über die
Torpedoflottillen aller Seemächte macht die Übersicht
der Kriegsflotten beim Artikel Marine, über die T.
der deutschen Marine sind amtliche Mitteilungen
nicht vorhanden; die in der Liste der deutschen T.
(s. Tabelle unten) enthaltenen Angaben stammen
aus Laird Clowes' "^aval lacket Look" (18W).
Außerdem noch etwa 6 Boote dritter Klasse und
mehrere Hafenwachtboote.
Alle größern T. sind mit mehrcrn Torpedolancier-
rohren, 3-(5, versehen und tragen 2-6 Schncll-
scuergcschütze leichten Kalibers.
Für die franz. Marine ist probeweise ein T. aus
Aluminium erbaut worden. Dieses Aluminium-
boot hat 14 t Deplacement, ist 19 m lang, 2,? N
breit, hat eine Schraube; die Maschine leistet 210
Pferdestärke und giebt dem Boot 20^ Seemeilen
Geschwindigkeit. Es hat ein Torpedolancierrohr,
9 Mann Besatzung und dient als Hafenwachtboot.
^Torpedobootsjiiger (Torpedobootszer-
störer). Die T. haben 200-400 t Deplacement
und 26-30 Seemeilen Geschwindigkeit. Die Über-
sicht der Kriegsflotten beim Artikel Marine zeigt
die Anzahl der bei jeder Kriegsflotte vorhandenen T.
In der deutschen Marine heißen die T. Torpedo-
divisionsboote, weil sie gleichzeitig als Führer-
fchisfe von Torpedobooten dienen sollen. Der berühm-
teste englische T., Desperate, ist 15. Febr. 1896 in
Chiswick auf der Thornycroftwerft vom Stapel ge-
laufen; er ist 64 in lang, 6 in breit, hat 4 in Tief-
gang und 272 t Deplacement. Seine Doppel-
schraubenmaschincn, die 5400 Pferdestärken leisten,
Die deutschen Torpedoboote.
Bezeichnung
Stapellanf
Zahl der
Deplacement
Pferdestärke
Geschwin-
Länge

Banorte nnd

Boote
in Tonnen

digkeit
in

Bauwerften
Tivisionsbootc.








1337
2
250
180N
21
56,4
30
Elbing, Schichan.
v 3, v 4
1888
2
300
2000
21
57,3
35
" "
v 5, v 6
1888/89
2
320
3500
23
57,9
40

v 7, D 8
1890
2
350
4000
26
65,0
40
" "
I) 9, D 10
1894 95
2
380

26
?
40

?
im Bau
?
300 ?
?
30
?
?
Chiswick, Thoruycroft.
Torpedoboote
ii. zn.
8 1__8 40 ) 8 42 -3 64 j








1883-90
63
j 85 ) i 38 5
1000
<19
i 22
37
39
15 18
Elliing, S chichau.
Torpedoboote i. ill.








8 65 -k'?4
1891/92
10
110
1500
24
44
20
" "
8 75
1892
1
145
?
26

20

8 76 - 8 80
1893,94
5
125
2500
25
44
20
>, "
8 81-8 96
1893,94
16
110-150
?
26
?
20

8 97 -8 1^,4
1895
8
140
2500
22
44
20

?
< im Bau ) j u. geplant j
24
?
?
?
?
?
? ?
Torpedoboote II. Kl.
V 1 -V 10








1834
Ift
75-90
550-1000
?
38
14
^ Stettin, Vulcan.
N 1
1885
1
38
1000
19
38
14
Gaardcn, Germania.
^ 1
1884
1
65
450
19
36,6
14
Poplar, Varrow.
^ 1, 'I' 2
1884
2
80
?
20
36
14
Chiswick, Thornycroft
11 1
1836
1
30
1000
20
?
14
Kiel, Kaiserl. Werst.
X 1
1887

8b
1000
22
36
14
" " "