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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tostedt - Touristik
haben ihm bei der ersten Probefahrt 17. März bei
viermaligem Ablaufen der Meilenstrecke eine mittlere
Geschwindigkeit von 31,035 Seemeilen in der Stunde
gegeben, so daß dieser T. zur Zeit das schnellste schiff
der Erde ist. Er ist mit 2 Vreitseitlancierrohren für
Torpedos und mit 6 Schnellfeuerkanonen bewaffnet.
Buglancicrrohre können die schnellen neuen T. nicht
mehr bekommen, weil diese Fahrzeuge fast dieselbe
Geschwindigkeit wie der von ihnen geschossene Tor-
pedo haben. Für die deutsche Marine ist ein T. bei
Thornycroft bestellt worden.
Tostedt, Dorf im Kreis Harburg des preuß.
Reg.-Vez. Lüneburg, an der Linie Bremen-Hamburg
der Preuß. Etaatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts
(Landgericht Stade), hat (1895)1260 evang. E., Post-
amtzweigstelle (Bahnhof), Telegraph, Fernsprech-
verbindung, evang. Kirche; Bienenzucht.
Totes Werk, Tothölzer, s. Schiffbaukuust.
^Touristik, zunächst die Wandcrthütigkeit, die
im Naturgenießen, dem Aufsuchen unbekannter oder
landschaftlich hervorragender Gegenden, den hvgiei-
nifchen Wirkungen und den geistigen Anreguugcn
des Wanderns ihrenZweck sucht. Das Wort "Tourist"
ist zuerst in der engl. Sprache geprägt (Walker:
"^ouri8t ^ oii6 ^1w iuak63 H toui' 01' ramdie"), von
da aber auf die meisten europ. Sprachen überge-
gangen (frz. wui'iLw; deutsch Tourist, vielfach "Turist"
geschrieben; ital. tnristo; schwed. und dän. turiät).
Doch hat der Begriff dabei sich mehrfach modifiziert.
Der Engländer faßt unter dem Namen toni-i^t
namentlich den Reifenden, der seinen Ausflug nach
Deutschland, der Schweiz, dein Orient ausführt, der
Italiener denkt in erster Linie an den Alpinisten, der
franz/Ionrin^-clud ci6 Trance ist lediglich ein Nad-
fahrerbund; der deutsche Tourist ist dagegen im
wesentlichen der Fußwandercr, der höchstens die
Eisenbabn benutzt, um sich an den Ausgangspunkt
zu einer Gcbirgspartie bringen zu lassen. Die dcntscbe
T. bethätigt sich zum größten Teil in Vereinen,
Touristen-, Gebirgsvercinen, die sich in der Regel
auf ihr engeres, eigenes Arbeitsgebiet beschränken.
Erst in allerjüngstcr Zeit hat mit dem Aufblühen
des Radfahrsports die Nadtouristik eine Bedeutung
erlangt, die Entwicklung des Schnceschuhlaufens und
Rennwolffahrens in Dcutfchland bat die winter-
liche T. gefördert; die Vootstouristit bat zweifel-
los noch eine Zukunft auch in unferm Vatcrlande. -
Zum Teil haben die Touristenvereine sich die För-
derung dieser neuartigen Formen dcr T. angelegen
sein lassen, am meisten noch der winterlichen. Die
deutsche T. ist erst in der zweiten Hälfte unsers
Jahrhunderts zu rechter Blüte gelangt. Die Ver-
besserung der Verkehrs straften und der Transport-
mittel trugen besonders zur Hebung des Verkehrs
bei, und der Zuzug der Fremden, die die deutschen
Wälder, Ströme u. s. w. aufsuchten, brachte aucd
die Deutschen dazu, die wirtschaftlichen Vorteile der
T. zu erkennen. Das Aufkommen einer guten Rcise-
litteratur und weiterhin die Vereinsgründung haben
dieser Entwicklung weitcrn Vorschub geleistet, und
mit der Erstarkung des Nationalgefühls wuchs auch
der Drang, die deutschen Gaue im Wandern recht
eingehend kennen zu lernen.
Die durch ihre natürlichen Neize so hervorragend
ausgezeichneten Nheingegenden sind zuerst der "Sitz
touristischer Vereinigungen gewesen, und noch beute
ist die größere Zahl der Touristcnvcreine am Rbein
oder in dessen Nähe lokalisiert. Das touristische
Vereinswesen nahm seinen Ausgang von lokalen
Klubs, die durch praktische Arbeiten in der Natur
den Aufenthalt in ihrem Ort oder dessen Umgebung
angenehm machen wollten, und die sich den mitunter
befpöttelten Namen "Verschönerungsverein" bei-
legten. Als erster dieser Vereine wird der 1843 be-
gründete Verschönerungsverein zu Wiesbaden ge-
nannt, dem der Bonner folgte. Erst später ent-
standen die Vereine, die ein größeres Gebiet um-
fassen, das sie, in zahlreiche Sektionen (Ortsgrup-
pen, Zweigvereine) gegliedert, bearbeiten. Einer
der ersten dieser Kategorie war der Echwarzwald-
verein (1867 begründet), der Taunusklub (seit
1868), der Vogesenklub seit (1872). Diese treffend
als Bezirksvereine bezeichneten touristischen Korpo-
rationen haben sich 1883 zum Verband deutscher
Touristenvcreine zugesammengeschlossen, dem ^etzt
die bedeutendsten Touristen- und Gebirgsvereine
Deutschlands angehören; daneben bestehen noch
einige andere Vereine, deren Eintritt zum Verbände
sich bald vollziehen dürfte. Der Verband deut-
fcher Touristenvereine umfaßte nach einer Statistik
vom Mai 1896: 40 Vereine mit 1189 Ortsgrup-
pen und etwa 75000 Mitgliedern. Es sind dies
die folgenden (von Westen nach Osten vorschrei-
tend): der Eisewerein (Sitz in Trier, 3300 Mit-
glieder in 61 Lektionen), der Verein für Mofel,
Hochwald und Hunsrück (Trier, 2700 Mitglieder in
37 Sektionen), der Verein zur Hebung des Fremden-
verkehrs in Trier, der Binger Touristentlub, der
MainzerTouristcnklub,derWestrichvereinSt.Wendel
(400 Mitglieder in 14 Lektionen), der Vogesentlub
lTtrasiburg, 4023 Mitglieder in 37 Sektionen), der
Badische Schwarzwaldverein (Freiburg i. Vr., 6150
Mitglieder in 48 Sektionen), der Schwäbische Alb-
verem (Eßlingen a. N., 16000 Mitglieder in 11
Gauen und 400 Gruppen), der Stuttgarter Tou-
ristenllub, der Odenwaldklud (Darmstadt, 3802 Mit-
glieder in 49 Sektionen), der Freigerichter Bund
"Alzenau in Unterfranken), der Spessart-Touristen-
verein Hanau (118 Mitglieder in 2 Sektionen), der
Taunusklub (Frankfurt a. M., 1400 Mitglieder in
20 Sektionen), der Frankfurter Touristenverein Alt-
tönigtlub, der Verschönerungsverein für Offenbach
und Umgebung (380 Mitglieder), der Wiesbadener
Nhein- und Taunusklub (378 Mitglieder), der Hom-
burgcr Taunnsklub (157 Mitglieder), der Taunus-
llub Wctterau (Friedberg i. H., 232 Mitglieder in
2 Sektionen), der Vogelsberger Höhenklub (Schotten,
967 Mitglieder in 22 Sektionen), der Oberhessische
Touristenverein (Marbnrg, 350 Mitglieder in 5 Sek-
tionen), der Knüllklub (Obcraula, 300 Mitglieder in
7 Sektionen), der Waldvcrein zu Mühlhausen (336
Mitglieder), derSauerländischeGebirgsverein(Arns-
berg i. W., 7000 Mitglieder in 116 Sektionen), der
^ollingverein (Holzmindcn, 683 Mitglieder in 15
Sektionen), der Harzklub (Harzburg, 9163 Mitglieder
in 91 Sektionen), der Hannovcrsche Gebirgsvorein
(Hannover, 26 Sektionen), der Hannoversche Tou-
ristenvcrein (140 Mitglieder), der Alte Hannoversche
Gebirgsvcrein (300 Mitglieder), der Stettiner Tou-
ristenklub, der Stettiner Buchheideverein (1218 Mit-
glieder) , der Touristenklub für die Mark Branden-
burg (Berlin, 117 Mitglieder), der Touristenverein
"Klub der Wandcrfreunde" (Berlin), der Gebirgs-
verein für die sächsische Schweiz (Dresden, 3000
Mitglieder in 37 Sektionen), der Erzgebirgsverein
(Schnecberg i. Erzgebirge, 4200 Mitglieder in 46 Sek-
tionen), der Verband vogtländischer Touristenvereine
(Plauen i. V., 2300 Mitglieder in 15 Sektionen),