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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Villmar - Volksbibliotheken
Villmar, Flecken im Oberlahnkreis des preuß.
Neg.-Bez. Wiesbaden, an der Lahn und an der Linie
Koblenz-Gießen der Prenß. Staatsbahnen, hat
(1895) 2049 E., Post, Telegraph^ Standbild des
deutschen Königs Konrad I. aus Randstein (1894)
von L. Cauer, kath. Kirche, Vorschußverein; Mar-
morbrüche , Marmorschleiferei, Marmorwarenfabri-
kation und Eisenerzbergbau.
Vintschgauer Bahn, geplante Bahn im
Vintschgau'in Tirol, welche von Meran als Fort-
setzung der Bozen-Meraner Eisenbahn im Etschtbale
entlang gehen und nach Überschreitung des Finster-
münzpasses in das Innthal hinabsteigen soll, wo
sie in Landeck Anschluß an die Arlbergbahn (s. Arl-
berg, Bd. 1) findet. Bei Mals wird eine Verbindung
mit der Engaoin-Orientbahn (s. d.) beabsichtigt.
^Virginia. Unter den Einwohnern waren
1890:18189 im Ausland (4361 inDeutschland, 4578
in Irland, 3355 in England) Geborene. Anfang
1896 schätzte man die Einwohnerzahl auf 1 750000.
Der Census von 1890 zählte 5915 industrielle Eta- ^
blissemmis, die 59 59l Leute beschäftigten. Der
Wert der Rohmaterialien betrug 50 Mill. Doll.,
der Fabrikate 88 Mill. Doll.; davon entfielen 12 Mill.
auf Mehle, 12 Mill. auf Kau-, Rauch- und Schnupf-
tabak, 6 Mill. auf Blättertabakbehandlung, 4 Mill. ^
auf Cigarren und Cigaretten und 5 Mill. auf
Sägemühlprodukte. Die Ernte ergab 1893: 0,8
Mill. t, Heu (11 Mill. Doll.), 31 Mill. Bushel Mais
(14 Mill. Doll.), 8 Mill. Vushel Weizen (5 Mill.
Doll.), 8 Mill. Bnshel Hafer (3 Mill. Doll.), 3 Mill.
Bushel Kartoffeln und 08 Mill. Pfd. Tabak. Der
Bergbau lieferte 1894: 0,6 Mill. t (^ 2240 Pfd.)
Eisenerz (vierter Rang in der Union), 187 000 t
Koks, für 284000 Doll. Kalkstein und 123000 Doll. ^
Granit. Die Manganerzgewinnung ist feit 1886
stetig zurückgegangen, die Goldproduktion seit 1894
im Zunehmen begriffen. 1893 war die Länge der
Bahnen 6216 lim. Es existierten 5679 Schulen mit
227 000 weißen und 2064 Schulen mit 121000
farbigen Kindern. Das Hampton-Institut für Far- !
bige und Indianer hatte 1894: 1029 Zöglinge. Die !
Staatsschuld betrug 1. Okt. 1894: 23 Mill. Doll. !
* Visconti Venosta, Emilio Marchese, über-
nahm bei der Umbildung des Ministeriums Rudim !
im Juli 1896 das Auswärtige. !
Visp(Viege)-Zermatt-Bahn, schmalspurige
(1 m), 1890 und 1891 eröffnete Eisenbahn (35 km)
mit Zahnradstrecken, von Visp (657 m) nach Zer-
matt (1676 m), gehört der Iura-Simplon-Bahn. !
^Vivien de Samt-Martin, Louis, starb !
3. Jan. 1897 in Paris. !
* Vogel, Karl, starb 16. Juli 1897 in Gotha.
* Vogelschutz. Im Juni 1895 fand auf Ein-
ladung Frankreichs in Paris eine offizielle Konfe-
renz behufs Einführung eines internationalen V.
statt. Das franz. Projekt wurde verworfen, im
ganzen das deutsch-österreichische angenommen.
Die Bescblüsse unterliegen der Behandlung seitens
der beteiligten Regierungen.
^ Vogel von Falckenstein, Ernst Friedr.
Eduard. Sein Sohn Max wurde im Jan. 1896 zum ^
kommandierenden General des 8. Armeekorps, im
Jan. 1897 zum Chef des Ingenieurkorps ernannt.
Vöhl, Marktflecken im Kreis Frankenberg des
preuß. Reg.-Bez. Cassel, an der Asel, Sitz eines
Amtsgerichts (Landgericht Marburg), hat (1895)
900 E., Post, Telegraph, Oberförsterei, Sparkasse,
evang. Kirche und Schloß. V. war bis 1866 Kreis-
stadt und bildete mit 18 Ortschaften unter der Be-
zeichnung "Herrschaft Ztter" einen Kreis des Groß-
herzogtums Hessen.
Voigt, Johanna, Volksdichterin, s. Ambrosius.
^Voitsberg, Bezirkshauptmannschaft in Steier-
mark, bestcbt aus dem Gerichtsbezirk V., der früher
zur Bezirks Hauptmannschaft Graz (Umgebung) ge-
borte, und hat 675,95 ykm und (1890) 41216
(20994 münnl. und 20222 weibl.) meist deutsche E.
*Volger, Georg Heinr. Otto, starb 18. Okt. 1897
in Sulchack bei Soden im Taunus.
* Volksbibliotheken und Lesehallen. Es
giebt zwei Hauptarten öffentlicher Bibliotheken:
solche, die vorzugsweise der wissenschaftlichen For-
schung dienen (Universitäts-, Landes- und die
meistm ^tadtbibliotheken), und solche, die zunächst
im Dienste der allgemeinen Bildung stehen. Die
letztern hat schon vor 60 Jahren K. Preusker gefor-
dert: sie sollen belfen Geist und Gemüt der Jugend
und der Erwachsenen aller Volksklassen bilden,
wissenschaftliche Kenntnisse verbreiten, die staats-
bürgerliche Tüchtigkeit erhöhen und Handel und
Gewerbe fördern. Preusker sah keinen Erfolg; es
haben sich in Deutschland, und zwar in Sachsen
und Württemberg als ziemlich regelmäßig, in den
übrigen Staaten als sporadisch vorhandene Einrich-
tung (eine Statistik giebt es noch nicht), nur sog.
Volksbibliotheken gebildet, die nur einen Teil
jenes Programms erfüllen; sie wenden sich fast aus-
schließlich an die Ungebildeten, führen vorwiegend
sog. Volksschriften und sind, auch in den großen
Städten, mit kärglichen Mitteln und Benutzungs-
einrichtungen ausgestattet; ihre Leistungen sind in
Anbetracht dessen immerhin anerkennenswert. Erst
seit wenigen Jahren ist ein Aufschwung zu bemerken
unter dem vorbildlichen Einfluß der ^udlio lidrai-^
wie sie in Amerika und England sich während der
letzten 50 Jahre ausgebildet hat, dort seit dem Vor-
gehen der ^tadt Boston nach der Vibliotheksstiftung
von I. Batcs, hier infolge der Propaganda von
W. Ewart. Die I^udlie lidrar^ entspricht nach
'Arbeitsfeld und Einrichtung dem Programm Preus-
kers. In ihrem Bücherbestand herrscht bei der
schönen Litteratur der gute Roman vor: er macht
mit den Iugendschriften meist 70-80 Proz. der
ausgeliehenen Bücher aus. So kreuzt die?ud1io
lidrai-)' den schädlichen Einfluß vieler Leihbibliothe-
ken und der Kolportageromane und sucht Gemüt und
Geschmack der Leser zu erziehen. Bei den belehren-
den, wissenschaftlichen Büchern sind alle Fächer min-
destens durch encyklopäd. Werke vertreten, besonders
stark Geschichte und Geographie, zumal die heimat-
liche; in diesen beiden sind biogr. und Reisedarstel-
lungen als die anziehendsten bevorzugt; ferner die
Abteilung Kunst, mit möglichst vielen Reproduk-
tionen in Tafelwerken und Einzelphotographien, so-
dann Staats- und Gesetzeskunde und Socialwissen-
schaft. Überhaupt will die ?ud1io lidrar^ auf
wissenschaftlichem Gebiet zwar keine gelehrte For-
schung ermöglichen (höchstens in der Ortsgeschichte),
wohl aber gründliche Belehrung; die wissenschaft-
lichen Kurse der sog. Ilnivei-git^ 6xt6N8i0u stützen
sich auf die litterar. Hilfsmittel der I'udlie lidrar)'.
Letztere hat die Produktion gediegener wissenschaft-
licher und zugleich allgemein verständlicher Bücher
wesentlich gefördert. - Die technisch-gewerbliche Ab-
teilung ist ebenfalls stark und richtet sich nach den
am Orte blühenden Handels- und Gewerbszweigen;
fast immer enthält sie die Patentschriften des Landes.