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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Platin

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Platin - Platin

schwarze Massen heißen Platinerze. Ihr Platingehalt und Wert ist sehr schwankend und aufs bloße Ansehen unbestimmbar. Das größte in Amerika gefundene Stück Platinerz befindet sich in Madrid und wiegt nur 0,82 kg, während sich am Ural größere Klumpen von 4-8 kg gefunden haben und der zur Zeit größte 9,43 kg wiegt. Auf der ergiebigsten fiskalischen Wäsche am Ural erscheint das Platinerz in Form eines gleichartigen grauen schweren Sandes mit einzelnen metallisch glänzenden Flimmern; es enthält bis 88% reines P., im Durchschnitt 70 bis 80%. -

Die Zerlegung der Platinerze und die Isolierung des P. geschieht nicht im Feuer, sondern auf nassem Wege und gibt das Königswasser dazu den Schlüssel ab. Da die Platinmetalle, gleich dem Golde, nur von diesem Lösungsmittel angreifbar sind, so kann aus den zu verarbeitenden Massen etwa vorhandenes gemeines Metall, wie Eisen und Kupfer, vorher durch Salzsäure und selbst ein etwaiger Goldgehalt durch schwaches Königswasser ausgezogen werden, denn die Platinmetalle erfordern zur Lösung heißes Königswasser in reichlicher Menge. Die größte Scheideanstalt, welche fast alles uralische Erz verarbeitet, befindet sich in Petersburg. Man bringt daselbst 1,5-2 kg des gepulverten Erzes mit 7,5-10 kg Königswasser (aus 3 Tln. Salzsäure von 22° B. und 1 T. Salpetersäure von 40° B.) in Porzellanschalen, welche durch ein Sandbad erwärmt werden. Für die roten Dämpfe, die sich bei der Auflösung entwickeln, sind Ableitungen vorhanden. Wenn die Entwickelung derselben nach 8-10 Stunden aufgehört hat, wird die Lösung abgezogen und neues Königswasser aufgegeben, um den Metallrest noch weiter auszuziehen. Aus den abgezogenen Lösungen wird durch Zusatz von Ammoniak bis beinahe zur Sättigung und event. auch durch Zusatz von Salmiak alles P. ausgefällt in Form eines gelben Niederschlags, Platinsalmiak, welcher aus einem Doppelsalz von Chlorplatin und Salmiak (Chlorammonium) besteht. Durch schwaches Glühen dieser Masse werden alle flüchtigen Elemente daraus vertrieben und das Metall bleibt allein in Form einer grauen schwammigen Masse, Platinschwamm, zurück.

Aus der sauren Lösung der Platinametalle lassen sich auch die übrigen, Palladium, Iridium, Rhodium, durch besondre Fällungsmittel abscheiden. Rhodium ist schon wegen seiner geringen Menge ohne Belang und auch Osmium ist ohne Gebrauchswert. Sein Verhalten ist höchst eigentümlich; es ist ein säurebildendes Metall, das sich in feinverteiltem Bestande an der Luft zu Überosmiumsäure oxydiert, welche als höchst unangenehm riechender und sehr giftiger Dampf auftritt. In den Scheideanstalten bleibt es als ein schwarzes Pulver bei den nicht gelösten Rückständen; dies Pulver ist aber eine natürliche Legierung von Osmium mit Iridium und wird in neurer Zeit, wo das letztere mehr Wert erhalten hat, zur Gewinnung desselben benutzt. -

Der Platinschwamm ist diejenige Form, in welcher das P. gewöhnlich zuerst erscheint. Er bildet zerrieben und gesiebt ein graues Pulver. Ein Platinschwamm, wie er zur Döbereiner'schen Zündmaschine gehört, ist ein kupfernes Ringelchen mit einigen hineingespannten Platindrähtchen, zwischen welchen der eigentliche Schwamm als die zündende Masse in geringer Quantität eingedrückt ist. Um das pulverige Metall in Barren zu verwandeln, füllt man es, angefeuchtet, in stählerne Cylinder und preßt einen stählernen Stempel mit Gewalt hinein, am besten durch eine hydraulische Presse. Die so erhaltenen Scheiben oder kurzen Cylinder werden etwa 36 Stunden lang einer starken Glühhitze ausgesetzt, und sintern dabei zu kleineren dichten metallischen Stücken zusammen, die sich durch Auswalzen in Blech, durch Hämmern in Schalen, Tiegel u. dgl. umformen lassen, denn das Metall ist dehn- und streckbar wie Kupfer. Die Kosten der Bearbeitung sollen in Rußland 61-66 Mk. für 1 kg betragen. Das auf dem beschriebenen Wege gewonnene P. ist nicht rein und namentlich osmiumhaltig, wodurch es an Geschmeidigkeit verliert und Geräte bei öfterm Erhitzen schadhaft werden. Längere Zeit mußte man sich mit solchen wenig zuverlässigen Geräten behelfen, die außerdem in größern Stücken, wie die zur Eindampfung der Schwefelsäure gebrauchten Kessel, nur mit den größten Schwierigkeiten durch Hammerarbeit hergestellt werden konnten.

Ein großer Fortschritt in der Technik des P. war es daher, als man das in gewöhnlichem Feuer gar nicht schmelzbare Metall schmelzen lernte. Es gelingt dies in einer Flamme von brennendem Wasserstoff- oder Leuchtgas, in die man Sauerstoff geführt. Die dabei entwickelte Hitze würde alle gewöhnlichen Tiegelstoffe zerstören; man benutzt daher einen Tiegel oder vertieften Herd, der aus einem Stück gebrannten Kalkes geformt ist. Auf diese Weise lassen sich 12-20, ja selbst 100 kg in einer Schmelzung in Fluß bringen, und es genügt zur Reinigung des Metalles, daß derselbe etwa eine halbe Stunde lang unterhalten wird. Währenddem reinigt sich das P. durch Verflüchtigung des Osmiums und dadurch, daß etwaige andre fremde Stoffe mit dem Kalk verschlacken. Es läßt sich auch das rohe Erz in gleicher Weise behandeln und eine brauchbare Legierung von P. mit Iridium und etwas Rhodium erschmelzen.

Das umgeschmolzene Metall bildet eine schöne, homogene Masse, so gefügig und bearbeitbar wie das beste Kupfer und zum Gießen tauglich, sodaß man die Schwefelsäurekessel jetzt einfach in Sand gießt oder vergießt und nachhämmert. Diese Kessel kosten seitdem nur noch etwa ¼ der frühern enormen Preise und sind überdies besser. Auch über das Verhältnis zwischen P. und Iridium ist man jetzt besser unterrichtet. Es hat sich gefunden, daß Legierungen aus beiden Metallen für die Praxis sehr brauchbar und bei größerer Wohlfeilheit selbst besser sind als reines P. Bei 10-15% Iridiumgehalt widersteht das P. der Hitze und den Säuren besser und ist viel härter als im reinen Zustande. Legierungen mit 20% widerstehen selbst dem Königswasser fast vollständig. -

Das metallische P. verdankt seine vielfache technische und wissenschaftliche Anwendung seiner großen Widerstandsfähigkeit gegen Feuer und die Einwirkung von Säuren und