Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Guano

177

Guano - Guano

schweren Blöcken in den Handel und heißt Pockholz, Franzosenholz oder sonst auch Heiligenholz (lignum sanctum). Dasselbe erreicht eine Dicke bis zu 3 dm und ist eines der schwersten, härtesten und dichtesten Hölzer, das im Wasser untersinkt und wegen des unregelmäßigen Verlaufs der Fasern schwierig zu spalten ist. Die Farbe ist dunkel grünlichbraun oder schwarzbraun, zuweilen gelblich mit schwarzen Streifen. Der schmale Splint ist weiß oder hellbräunlich und bei der Bearbeitung zu entfernen. Auf dem harzglänzenden Querschnitt des Holzes sind durch die Lupe die gefüllten Harzgefäße zu erkennen. Erwärmt gibt dasselbe einen angenehmen benzoëartigen Geruch von sich; angezündet läßt das Holz Harz ausquellen, das mit Wohlgeruch verbrennt. Der Harzgehalt beträgt 25-27% des Holzes. Dasselbe wird häufig zu Gegenständen verarbeitet, die eine große Festigkeit haben sollen. Allgemein ist seine Anwendung zu Kegelkugeln: außerdem macht man daraus Zapfenlager für Maschinen, Hämmer und Werkzeugstiele, Preßwalzen etc. Die bei der Bearbeitung abfallenden Späne kommen mit zu dem geraspelten Guajakholz, das als lignum guajaci einen Artikel des Drogenhandels bildet und teils für sich, häufiger mit andern Hölzern vermischt zu Holzthee (species lignorum) verwendet wird. Das Guajakharz (resina guajaci) hat man in zwei Sorten, nämlich das selbsausgeflossene, als die beste Sorte, in Tropfen oder Thränen, in kleinen rundlichen Stückchen (in lacrymis) und G. in Massen (in massis), d. h. in großen unregelmäßigen Stücken. Dieses letztere wird gewonnen, indem man die gefällten Stämme durchbohrt und ihren Harzgehalt durch Feuer zum Ausfließen bringt, Späne und Astholz dagegen mit Wasser auskocht. Die Sorte zeigt im Innern viele kleine Hohlräume und ist mit Splittern und Rindenstückchen vermengt. Das Harz ist braungelb oder grünlich, sehr hart und spröde, die Primaware auf dem Bruche glasig glänzend, von bitterscharfem kratzenden Geschmack, in 90grädigem Weingeist und Chloroform vollständig löslich, in Äther nur teilweise, in ätherischen und fetten Ölen gar nicht. Erhitzt oder auf Kohlen geworfen gibt es einen der Benzoë ähnlichen Geruch. Das gepulverte Harz und dessen weingeistige Lösung besitzen die Eigenheit, durch vielerlei Einflüsse erst grün, dann prachtvoll blau gefärbt zu werden. Die Färbung folgt langsam schon an der Luft, rasch durch oxydierende Stoffe, aber auch durch andre, namentlich Metallsalze und verschiedne organische Substanzen. Reduzierende Mittel heben die Färbung wieder auf. Auch durch die verschiednen Produkte, welche durch trockne Destillation aus dem Harz zu erhalten sind (z. B. Guajakol), ist dasselbe für den Chemiker interessant. Offizinell wird das Harz teils als Tinktur, teils in Emulsion innerlich gebraucht. Das meiste Guajakharz kommt von Jamaika über England in den Handel. - Zoll für Guajakholz gem. Tarif Nr. 13 c. Das Guajakharz ist zollfrei.

Guano (Vogeldünger). Ein der Hauptsache nach aus den seit Jahrtausenden angesammelten Exkrementen von Seevögeln bestehender wichtiger Handelsartikel, der zur Düngung der Felder und Wiesen verwendet wird. Man hat viele verschiedne Sorten im Handel, die sich sowohl durch ihr Ansehen, als auch durch das verschiedne Mengenverhältnis ihrer Bestandteile unterscheiden. Diese Verschiedenheiten des G. werden bedingt einesteils durch das Alter desselben, je nachdem er den oberen oder unteren Ablagerungen entstammt, andernteils durch das Klima des Ortes; in Gegenden nämlich, wo es fast gar nicht regnet, wird der G. fast noch alle in Wasser löslichen Bestandteile enthalten, die in andren Gegenden durch den Regen ausgewaschen und fortgeschwemmt wurden, so daß nur die in Wasser unlöslichen Bestandteile zurückblieben. Es sind zwar bei fleißiger Umschau auf verschiednen Punkten der Erde solche von Seevögeln angelegte Depots aufgefunden, einzelne auch bereits rasch abgeräumt worden, aber nirgends doch ist die Masse von gleicher Güte befunden worden wie der echte peruanische G., der von den Chinchas, drei kleinen schroffen Felsinseln der peruanischen Küste kommt, wo er den Felsgrund in Schichten von teilweise 30 m Mächtigkeit bedeckt. Diese Felsgruppe, ein Pünktchen auf dem Erdenrund, ist für den G. das, was der Johannisberg für den Wein. Ihr Produkt ist das gehaltreichste, aber eben deshalb so gesucht, daß ihre gänzliche Erschöpfung nahe bevorstehen soll. Wie man weiß, haben schon die alten Peruaner diese Düngerquelle zum Besten ihrer Maisfelder benutzt; die Spanier kümmerten sich nicht darum und die Vögel konnten seit der Eroberung ihre Sammlungen weiter bereichern. Im Jahre 1804 machte A. v. Humboldt auf diese Lager aufmerksam, indem er Proben nach Europa zum Analysieren brachte, aus denen sich der reiche Gehalt an Stickstoffverbindungen und Phosphorsäure ergab, welche den Wert jedes Düngers ausmachen. Indes dauerte es doch bis 1842, ehe wirkliche Verschiffungen nach Europa in Gang kamen, die dann aber bald in rascher Progression zunahmen. Die Gewinnung und Verschiffung des Stoffes hat die Natur auf den Chinchas bequem gemacht. Die Guanoschiffe können hart am Fuße der schroffen Felsufer anlegen und erhalten ihre Ladung durch Schlote herabgeschüttet. Das Geschäft des Abgrabens und Verladens ist eins der widerwärtigsten durch den erstickenden und beißenden Ammoniakgestank und Staub; es sind Chinesen, die sich zu der qualvollen Arbeit verdingen. Die peruanische Regierung hat alle Guanolager zum Regal gemacht und zieht daraus leicht mehr Einkünfte als aus ihren Silberminen. Es werden auf den Chinchas jährlich etwa ½ Mill. Tons abgebaut und nach einer vor ein paar Jahren veröffentlichten Bekanntmachung der peruanischen Gesandtschaft in London hätten die Inseln noch soviel Vorräte gehabt, daß sie bei gleichem Verhältnis der Wegnahme noch auf 20 Jahre vorhalten würden; alsdann kämen die noch unberührten südlicher befindlichen Lager, nämlich die von Bahia de la Independencia, Santa, Guadelupe, Malabrigo und die sehr reichhaltigen auf den Lobosinseln an die Reihe. Dagegen ist es freilich schon jetzt so gut wie ausgemacht,