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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Ätherische Öle

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Äther - Ätherische Öle

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Äther'

Schwefeläther, Vitriolnaphta, lat. Aether sulfuricus, Naphta vitrioli), ein Produkt der chemischen Großindustrie. Der Ä. wird durch Erwärmen von Spiritus (Äthylalkohol) mit konzentr. Schwefelsäure dargestellt, wobei sich die beim Zusammenbringen der beiden Flüssigkeiten zunächst entstehende Ätherschwefelsäure in Äther und verdünnte Schwefelsäure zersetzt. Der gebildete Rohäther wird dann durch wiederholte Destillation vom größten Theile des anhängenden Wassers und Alkohols befreit und heißt dann rektifizierter Ä. (Äther rectificatus); ganz wasserfreier und alkoholfreier Ä. wird absoluter Ä. (Aether absolutus) genannt. Die Ätherfabrikation gehört zu den sehr feuergefährlichen Industriezweigen. - Der Ä. unterscheidet sich vom Alkohol in der Zusammensetzung nur durch einen Mindergehalt von Wasserstoff und Sauerstoff; Schwefel enthält der Ä. nicht, wie man aus dem im Handel sehr gebräuchlichen Namen Schwefeläther leicht schließen könnte. Der Ä. ist eine farblose, wasserhelle, sehr leicht bewegliche, schnell verdampfende Flüssigkeit von starkem, durchdringendem, betäubendem Geruch und brennendem Geschmack; er ist äußerst leicht entzündlich und brennt mit blaßblauer Flamme. Mit Wasser mischt er sich nicht, sondern schwimmt darauf; hierbei nimmt er jedoch etwas Wasser auf und wird auch umgekehrt vom Wasser in geringer Menge gelöst; in Alkohol löst er sich leicht. Die Prüfung des Ä. hat sich zunächst auf die Ermittelung des spezifischen Gewichtes zu erstrecken, was am schnellsten mittelst eines genauen, für diesen Zweck angefertigten Aërometers (Ätherwaage) geschieht. Reiner absoluter Ä. muß bei 15° C. ein spez. Gewicht von 0,722 besitzen; außer diesem führt man im Handel noch einen von 0,725 und einen von 0,728, die beide auf den Preiskuranten auch noch als Äther absolutus bezeichnet werden; der von 0,728 spez. Gew. ist die gangbarste Sorte und führt die Bezeichnung Ph. G. (Pharmacopoea Germaniae). Die geringste Sorte von 0,750 heißt Aether rectificatus, eine von 0,733 Aether bisrectificatus oder doppeltrektifizierter Ä. Die Preise des Ä. sind schwankend und richten sich nach den Spirituspreisen. - Ein guter Ä. darf beim Verdampfen keinen Rückstand hinterlassen und darf auch nicht sauer reagieren, was man am besten durch Schütteln desselben in einem Reagensröhrchen mit einigen Tropfen Lackmustinktur erkennt, die dadurch nicht rot gefärbt werden darf, sondern blau bleiben muß. Verwendung findet der Ä. teils in Apotheken, teils bei der Bereitung verschiedener chemischer Präparate, so z. B. bei der Fabrikation von Tannin, Milchsäure, photographischem Kollodium. Die Aufbewahrung muß in sehr kühlen, feuersicheren, von den Sonnenstrahlen nicht getroffenen Lokalen geschehen. Die Versendung auf Eisenbahnen geschieht nur mit separaten Güterzügen, sogenannten Feuerzügen und muß auf dem Frachtbriefe das Wort "feuergefährlich" stehen. Die Verpackung darf nur entweder in Flaschen geschehen, welche, in starke Holzkisten gestellt, mit Kleie oder Sägemehl ausgefüttert sind, oder in Glasballons, deren ↔ Inhalt 35 k nicht übersteigt, mit hinreichendem Verpackungsmateriale umgeben in Körben mit gutschliessendem Deckel. - Zoll: S. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

Ätherische Öle (flüchtige Oele, lat. Olea aetherea, fr. essences, engl. volatile oils). Mit diesem Namen belegt man eine große Zahl stark riechender, beim Erwärmen flüchtiger Stoffe von ölartigem Aussehen, die jedoch von den eigentlichen oder fetten Ölen sowohl hinsichtlich ihrer Eigenschaften, als auch ihrer chemischen Zusammensetzung nach vollständig verschieden sind und auch unter sich keine bestimmt ausgeprägte Gruppe chemischer Verbindungen bilden, sondern meist aus natürlichen Gemischen verschiedener Kohlenwasserstoffe mit zusammengesetzten Äthern, Aldehyden und organischen Säuren bestehen. Die im Handel vorkommenden ä. Ö. sind, mit Ausnahme des Bernsteinöls, sämtlich Produkte des Pflanzenreiches und werden aus verschiedenen Pflanzenteilen durch Destillation mit gespannten Wasserdämpfen gewonnen. Nur einige Öle, wie z. B. Citronenöl, Pommeranzenöl, kann man auch durch Auspressen der betr. Fruchtschalen erhalten. Werden die ä. Ö. einer nochmaligen Destillation unterworfen, so nennt man sie rektifizierte Öle. Die Fabrikation der ä. Ö. hat sich auf gewisse Gegenden konzentriert, doch findet man auch vereinzelt an verschiedenen Orten Fabriken ä. Ö. Einen Hauptfabrikations und Handelsplatz für diesen Artikel bildet Leipzig mit seinen Vororten; vereinzelte Fabriken sind in Aken, Zerbst, Lützen, Cölleda, Rudolstadt, Dresden u. s. w.; die meisten derselben fabrizieren sehr viele Öle und handeln mit sämtlichen Sorten von ä. O., andere handeln nur mit gewissen Ölen, die sie selbst fabrizieren, wie z. B. die in Lützen, Cölleda. Auch in Berlin, Hamburg, Altona, Prag, Brunn und Wien ist dieser Industriezweig vertreten. Italien, namentlich Sicilien, liefert hauptsächlich Citronenöl, Pommeranzenöl und Bergamottenöl, das südliche Frankreich Neroliöl, Petitgränöl, Lavendelöl und Thymianöl, Algier vorzugsweise Geraniumöl, die Türkei Rosenöl und Geraniumöl, England liefert Pfefferminzöl und Lavendelöl, Nordamerika Pfefferminzöl und Wintergrünöl, Rußland Anisöl. Aus Ostindien und China werden die Gewürzöle importiert, namentlich Cassia- und Zimmtöl, Nelkenöl, Macisöl, Cardamomöl u. s. w., doch fabriziert man dieselben auch schon seit langer Zeit in dem außerhalb des Zollvereins liegenden Hamburg. Seitdem jedoch die zur Ölfabrikation bestimmten Gewürze zollfrei eingehen, werden diese Öle auch im Zollverein, allerdings unter Kontrole von Steuerbeamten, fabriziert; hierbei müssen die nach der Destillation zurückbleibenden, vom Öle befreiten Gewürze vernichtet werden. - Die gangbarsten ä. Ö. sind außer den bereits genannten: Kümmelöl, Fenchelöl, Angelikaöl, Wermutöl, Zedernholzöl, Kalmusöl, Wachholderöl, Bittermandelöl, Senföl, Sternanisöl, Rosmarinöl, Zitronellöl und Terpentinöl. Verwendung finden die ä. Ö. in der Medizin und Likörfabrikation, ferner zur Herstellung feiner Parfümerien, wie Eau de Cologne und anderer Riechwässer, zum Parfümieren von Seifen, Pomaden,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 5.