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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Baumwolle

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Baumwolle

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Baumöl'

durchsichtig, ohne Bodensatz, fast geruchlos, von mildem, reinen und angenehmen Geschmack; es hat bei 12° C. 0,9192 spez. Gewicht, bei 25° 0,9109. Manche Sorten erstarren theilweise schon bei 4-12° C., indem sich weiße körnige Massen abscheiden, andere Sorten erst einige Grade über oder unter Null; bei noch weiterer Abkühlung erstarrt die ganze Masse des Öles. Das B. ist sehr häufig Verfälschungen mit anderen wohlfeileren fetten Ölen unterworfen, die Nachweisung solcher Zusätze ist oft sehr schwierig. Haupthandelsplätze für B. sind: Triest, Marseille, Toulon, Nizza, Montpellier, Livorno, Genua Gioja-Tauro, Gallipoli, Bari, Malaga, Valenca, u. s. w. Man erhält das B. gewöhnlich in Fässern von 500 k und darüber; feinstes Tafelöl wird auch in Flaschen versendet. Das für technische Zwecke bestimmte B. wird, um es von der Steuer zu befreien, durch Zusatz von etwas Rosmarinöl oder Terpentinöl denaturiert. Vergl. Zolltarif im Anh. Nr. 26. a. Die Ausfuhr von B. aus Italien belief sich im Jahre 1877 auf 44757 Quintal im Werte von 6265980 Lire. In Italien bedeckt die Olivenkultur eine Oberfläche von 200311 Hektaren, welche im Durchschnitte 3385590 Hektoliter Öl geben, d. h. 376 für jede Hektare. - Die Produktion von Olivenöl in Spanien beläuft sich auf nur 1135750 Hektoliter, die von Frankreich auf 250000, von Algier 150000 und von Österreich 254000 Hektoliter. Die Zahlen der griechischen und türkischen Produktion sind nicht bekannt. Die Ausfuhr von Corfu belief sich im Jahre 1877 auf 148833 Barili (à 66 k). In das deutsche Zollgebiet wurden 1878 eingeführt 1912200 k Baumöl in Fässern und 6782150 k. denaturiertes. - Einfuhrzoll: S. Tarif im Anh. Nr. 26 a 2 und 26 a 1; denaturiertes Nr. 26 a 3 (zollfrei).

Baumwolle (fr. coton, engl. cotton). Dieser größte Weltartikel neben Eisen und Steinkohlen, an dessen Konsum sich wohl die reichliche Hälfte der gesamten Menschheit beteiligt, von dessen Anbau und Verarbeitung die Existenz von Millionen Menschen abhängt und dessen Mangel und Teuerung in den Anbau- und Fabrikländern die schlimmsten Krisen herbeiführen kann, besteht aus den Flughaaren an den Samen verschiedener Arten der Pflanzengattung Gossypium, die der natürlichen Familie der malvenartigen Gewächse (Malvaceen) angehört. Die Baumwollträger wachsen in den heißen und warmen Erdstrichen der Alten sowie der Neuen Welt, und der Gebrauch dieses sich ganz von selbst darbietenden Pflanzenprodukts für den Nutzen und die Bequemlichkeit der Menschen sowie seine Weiterverbreitung durch Anbau muß uralt sein. Das Stammland der Baumwollkultur und Industrie ist ohne Zweifel Ostindien, China wird sich kaum viel später daran beteiligt haben; in Arabien, Ägypten, Äthiopien, am persischen Meerbusen wurde Baumwolle schon vor Christi Geburt gepflanzt; die Spanier fanden Baumwoll-Zeuge in den neuentdeckten Ländern von Mexiko und Peru im Gebrauch, die Portugiesen trafen B. an bei ihrer ersten Bekanntschaft mit den Kaffern Südafrikas, und noch manche andere afrikanische Stämme der Küste wie des Innern wurden in der Folge ↔ als B. verbrauchend oder Binnenhandel damit treibend befunden. Die Pflanzenwolle erscheint als der gleichsam providentielle Bekleidungsstoff für die Bewohner heißer Erdstriche, und so hat sich denn auch deren Kultur im Laufe der Zeiten, wenn auch nicht überall auf Export angelegt, fast um den ganzen Erdkreis verbreitet. Die ersten Baumwollstoffe kamen vor Zeiten als Luxusartikel aus Indien zu uns; später folgte dann der Rohstoff für die eigene Verarbeitung; aber so total haben sich die Verhältnisse mit der Zeit umgekehrt, daß Indien jetzt seinerseits von Europa Unmassen baumwollener Webstoffe empfängt und der Anbau des Rohstoffs in größter Massenhaftigkeit an das Land überging, das sich am spätesten mit dem Gegenstande befaßte, an den Süden von Nordamerika. Hier fanden sich die für den Anbau geeigneten Verhältnisse des Bodens und Klimas und wohlfeile Arbeitskräfte von Sklavenhänden so günstig beisammen, daß in Europa und zunächst in England auf Grund des amerikanischen Produktes die großartige Baumwollindustrie, wie wir sie jetzt kennen, erst möglich wurde. Die Amerikaner beherrschten schließlich den Markt vollständig; die Baumwolle verarbeitenden Länder waren beinahe gänzlich von Amerika abhängig; andere Produktionsländer konnten nur eine nebensächliche Geltung behaupten. In dieser Periode lieferte Amerika den statistischen Aufstellungen zufolge 88 Prozent aller produzierten B. Durch den großen Bürgerkrieg, der den Anbau für mehrere Jahre hemmte, die Preise der Ware bis zum Dreifachen steigerte und die noch wohl erinnerliche große Krisis und Arbeiternot in Europa hervorrief, haben die Verhältnisse einige Veränderung erfahren. Andere Baumwolle erzeugenden Länder, namentlich Ostindien, Ägypten und Brasilien steigerten ihre Produktion um ein Bedeutendes, um den Ausfall zu decken, und haben sich seitdem am Markte behaupten können, trotzdem die von Amerika gestellten Preise seit dem Jahre 1872 einen Rückgang erkennen lassen und fast dieselbe Höhe erreicht haben wie 1861. Man hat sich in Nord-Amerika überzeugt, daß die Sklavenarbeit nicht unbedingt für einen schwunghaft betriebenen B.-Anbau erforderlich ist. Nordamerika hat im Jahre 1868 bereits wieder die Hälfte einer frühern vollen Jahresernte nach Europa gebracht und dafür bei höheren Preisen den vollen Betrag einer solchen eingenommen. Dagegen brachte Ostindien im Jahre 1868 beinahe das Dreifache seines frühern Beitrags an den europäischen Markt, Brasilien das Sechsfache, Ägypten das Doppelte, Westindien war ebenfalls besser vertreten. Auch in Europa hat man seit der Krisis dem Baumwollbau wieder mehr Interesse zugewendet; Italien, Spanien, Griechenland, auch Kleinasien, Syrien u. s. w. haben einiges mehr produziert. Für den ganzen Bedarf haben diese Massen indes wenig Belang; für große Erweiterung des Anbaues ist keine Aussicht, denn überall, wo Wein-, Öl-, Seidenbau u. s. w. Platz finden kann, wird man nicht die viel weniger einträgliche B. pflanzen. Frankreich hat aus Algier einige Baumwolle bezogen; es steht aber noch dahin, ob die dortige Produktion eine gesunde

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 36.