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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

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Baumwolle

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Baumwolle'

eine Reihe von Hilfsvorrichtungen und Maschinen erfunden und versucht worden, aber keine hat bis jetzt eine praktische Bedeutung erlangt. Die Maschine sammelt reife, nicht reife und überreife B. gleichmäßig ein; der Arbeiter weiß, daß nur die reife B. allein Wert besitzt. - Die rohe B. bleibt in der Regel ein paar Tage in der Sonne ausgebreitet liegen, worauf zum Egrenieren (fr. égrener, engl. cleaning, ginning), d. h. zur Abtrennung der Fasern von den Samen geschritten wird. Letztere haben je nach den Arten die Größe des Pfeffers, der Erbsen oder Wicken; zur Trennung von den Fasern ist immer mehr oder weniger Gewalt nötig. Früher mußte die Entfernung der Körner mit der Hand geschehen und es konnte ein fleißiger Arbeiter kaum 4 k täglich reinigen. Die Erfindung einer Egreniermaschine (durch Whitney) war deshalb seinerzeit ein Ereignis für Amerika, das die Baumwollkultur mächtig förderte. Auf einer solchen Maschine, einmännisch und zum Treten wie ein Schleifstein eingerichtet, können 150-200 k, bei breiterer Bauart mit einem Kraftbedarf von 2 Pferdekräften gegen 2500 k Wolle täglich entkörnt werden, welche 60 resp. 700 k entkörnte Baumwolle geben. Es ist dies die Sägenegreniermaschine (engl. sawgin). Auf einer horizontalliegenden rasch umlaufenden Welle stecken 30 bis 80 Kreissägeblätter in geringem Abstand nebeneinander. Die Sägen greifen mit ihren spitzen schräggestellten Zähnen durch die engstehenden Stäbe eines eisernen Rostes hindurch, der den Sägecylinder auf etwa ein Drittel seines Umfangs umgibt, fassen die auf einem Zuführtische ausgebreitete Wolle und reißen sie durch die Stäbe, während die hierfür zu großen Samen abspringen müssen. Hinter der Sägewalze dreht sich eine andere mit Bürsten besetzte Walze, welche die Wolle von den Sägen abnimmt. - Diese Maschine ist nur für kurzfaserige B. verwendbar. Sie greift die Fasern sehr stark an und würde, wollte man langfaserige B. vorlegen, zu viel Abfall erzeugen. Für die langen amerikanischen B. sind die Walzenegreniermaschine (engl. roller gin) und die von Mac Carthy erfundene (engl. Mac Carthy gin) in Gebrauch. Die erstere besteht aus ein paar hölzernen verstellbaren Walzen, entweder ganz glatt oder geriffelt, denen die Wolle auf einem Zuführtische vom Arbeiter recht gleichmäßig vorgelegt wird. Die kleinen Walzen ziehen nur die Fasern durch, während die Körner nicht folgen können und abspringen. Bei M. Carthy's Maschine werden die Fasern durch eine rauhe mit Büffelleder überzogene Walze über ein feststehendes Messer gezogen, während die Samenkörner durch rasch auf und nieder bewegte, klopfend wirkende Messer abgeschlagen werden. Die beiden letzteren Maschinen besitzen bedeutend geringere Leistungsfähigkeit als die Sägenegreniermaschine. Aber die B. wird geschont und die sehr ölhaltigen Samen erfahren keine Zertrümmerung, so daß eine Verunreinigung durch Öl nicht eintritt. Ein nachfolgendes Schlagen der entkörnten Wolle auf Hürden mit einer gespannten Bogensehne zur Entfernung zurückgebliebener Körner und anderer Unreinigkeiten ist in Amerika ↔ nicht mehr, aber in Ostindien noch üblich. Solche geschlagene (bowed) Ware hat den Fehler, daß die Fasern sehr durcheinander gewirrt sind, was das Verspinnen erschwert. - Die Verpackung der Wolle geschieht nach der örtlich üblichen Weise meistens durch starkes Zusammenpressen zu größern oder kleinem Ballen mit mancherlei Emballagen und Schnürungen, in der Levante durch Eintreten in große Säcke von Haartuch. Die nordamerikanischen Ballen sind die größten und halten bis zu 250 k, in der Regel 215,5 k = 475 Pfd. engl.; brasilianische und westindische von 87-150 k. Jede Baumwollfaser ist vor der Reife ein langgestrecktes, nach beiden Enden zugespitztes dünnwandiges mit Flüssigkeit gefülltes Röhrchen. Bei der Reife trocknet der Saft ein, das Röhrchen klappt zusammen und es entsteht ein flaches schlauchartiges Band, welches an verschiedenen Stellen korkzieherartig gewunden erscheint. Diese Windung ist charakteristisch für B., und läßt sich schon bei 50-facher Vergrößerung deutlich wahrnehmen. Vor der Reife eingeerntete B.-fasern erscheinen nicht hohl und nicht schraubengangförmig gewunden, und bilden in reiner Ware als sog. tote Wolle einen wesentlichen Fehler, da sie keine Färbung annehmen. - Bei der sehr verschiedenen Qualität der B. kommen in Betracht: die Länge, Feinheit, Festigkeit, Weichheit, auch der Glanz der Fasern. Ferner soll dieselbe frei sein von Knötchen, die sich als weiße Pünktchen an den Fasern zeigen. Die mehr oder minder vollkommene Reinigung bildet dann selbstverständlich ebenfalls ein Hauptmoment für die Würdigung einer Ware. Die langstapeligen Sorten von 30-36 mm mittlerer Länge sind die höchst gewerteten, da nur aus ihnen sich die feinsten Garnnummern herstellen lassen. Sie kommen fast nur aus Amerika; alle übrigen sind entweder mittel- oder kurzstapelig. Bei letzterer sind alle Fasern kürzer als 25 mm. Mittlere Sorten sind die westindischen und die Mehrzahl der brasilianischen Wollen. Bewässerung der Baumwollfelder wirkt vorteilhaft auf die Faserlänge. - Die B. werden im Handel nach ihrer Herkunft und außerdem noch nach bestimmten Klassen bezeichnet, gewöhnlich durch fine, good, good fair, middling fair, good middling, middling, low middling, good ordinary, ordinary, inferior; Hamburg bezeichnet: A, AB, B, BC, C, CD, D, DE, E, EF; wodurch das ganze B.-Sortiment umfaßt wird und die Sorten verschiedenen Herkommens nur nach ihrer Güte betrachtet werden. Als an den europäischen Markt kommende Wollen sind zu nennen: Nordamerikanische. Sie zeichnen sich durch Länge und Feinheit, Zähigkeit und Haltbarkeit der Faser und außerdem durch sorgfältige Behandlung und Reinigung aus. Unter ihnen befindet sich, wie schon erwähnt, die geschätzte lange Georgia oder Sea Island in den Sorten fine, middling und inferior. Sie wird zwei- bis dreimal höher bezahlt als kurze Georgia, aber ihre Produktionsmenge ist gering, da sie nur 1½ Proz. des gesamten nordamerikanischen Wuchses ausmacht. Unter der Benennung Upland (Oberland) werden sowohl die Wollen aus den höheren Gegenden Georgias als die aus den andern südlichen Küstenstaaten verstanden,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 38.