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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

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Baumwolle

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Baumwolle'

die unter sich an Güte und Preis wieder verschieden sind, weshalb die einzelnen Sorten noch näher nach den Erzeugnisländern oder Ausfuhrplätzen unterschieden werden. Der Sea Island am nächsten steht die Louisiana oder Neuorleans; letztere Bezeichnung dient aber auch als Gesamtname für die Wolle aus Arkansas, Mississippi, Missouri und Texas. Zu den besseren Sorten gehört ferner die Alabama oder Mobile und die Florida. - Westindische. Auf den westindischen Inseln war früher die Baumwollkultur in weit stärkerm Betriebe als neuerdings, wo der Zucker-, Kaffee- und Tabaksbau mehr in den Vordergrund getreten ist. Die westindischen Wollen sind meist von guter Qualität, mit langen zarten, kräftigen und knötchenfreien Fasern, und daher den bessern nordamerikanischen Sorten gleichkommend oder sie zum Teil übertreffend; ihre Reinigung ist vielfach mangelhaft, sodaß der Abgang 20-25 Proz. beträgt. Hauptsorten sind: Haiti oder Domingo, Portorico, Cuba, Martinique, Jamaica, Barbadoes, Trinidad, Grenada. - Südamerikanische. Unter diesen stehen die brasilianischen durch Länge und Feinheit der Faser obenan - die beste ist die Pernambuco und Paraibo, welche ihren Rang gleich neben der Sea Island hat und zu den feinsten Geweben verarbeitet wird. Hierauf folgen die Ceara, Alagoas, Bahia, Maranham. Geringere Sorten sind Para, Macayo, Rio. Die Reinigung der brasilianischen Wollen ist meistens mangelhaft. Die Wollen aus den Kolonien Guyanas, die Surinam, Newkerry, Demerary, Cayenne, Essequibo, Berbice, stehen hinter den brasilianischen etwas zurück; noch etwas geringer sind die columbischen Sorten Cartagena, Cumana, Caraccas, Laguayra u. s. w. - Afrikanische. Der Weltteil Afrika ist reich an gutem Baumwollboden; indes war bis jetzt Ägypten das einzige Land, dessen Produkt für den Welthandel Bedeutung hat. Es kommen dort zwei wesentlich verschiedene Sorten vor: die Alexandriner oder Merkantilwolle und die Mako oder Jumel. Die erstere ist kurz und geringwertig und wird wenig mehr gebaut. Die Jumel stammt aus Samen von Pernambuco und wurde in den zwanziger Jahren durch einen Franzosen gleichen Namens auf Anordnung des Vizekönigs Mehmed Ali eingeführt. Das Produkt ist von Mittellänge, zart und kräftig, aber unrein und finnig, hat sich somit durch die Verpflanzung verschlechtert. Es wurde daher später die Einführung von Sea-Islandwolle angeordnet, woraus ein besseres Resultat folgte, indem diese Pflanze dort eine sehr schöne und lange Ware liefert. Man benennt diese ebenfalls Jumel oder (häufiger) Mako, nach dem Fürsten Mako Bey, dem Hauptförderer des Anbaues. Dieser bildet dort ein Monopol der Regierung; die jährliche Ausfuhr ist derzeit etwa 300000 Ballen (à 100 k). Ägypten war das Land, dessen Anbau durch die amerikanische Krisis am meisten affiziert und derart emporgetrieben wurde, daß man darüber selbst den Getreidebau aufgab und die Brotfrucht auswärts kaufte. Diese Glanzperiode endete natürlich nach dem Aufhören des nordamerikanischen Bürgerkrieges plötzlich und das Land hat seinen Anbau wieder auf engere ↔ Grenzen beschränkt, in welchen es sich einen stetigen nicht geringen Anteil an der Gesamtproduktion erhalten dürfte. Als quasi afrikanische Insel möge hier Bourbon mit seiner guten Baumwollfaser genannt werden. Die Bourbonwolle wird aber nicht nur auf dieser französischen Besitzung, sondern auch auf den den Engländern gehörigen Sechellen im indischen Meere gebaut. - Ostindische. Waren aus ostindischer Baumwolle stehen den aus amerikanischen Sorten im allgemeinen sehr nach; die Faser ist kurz, hart und brüchig. Durch die amerikanische Krisis sind aber die Spinner genötigt worden, sich mehr als sonst mit Verarbeitung ostindischer B. zu befassen, und so hat denn die Ausfuhr nach Europa in letzter Zeit ganz großartige Dimensionen angenommen, da jetzt durch Dampfschiffe und Eisenbahnen Gegenden des großen Landes erschlossen werden, deren Produkte sonst die Küsten gar nicht erreichen konnten. In neuerer Zeit versuchen die Engländer die B. gleich im Mutterlande in großartigen Spinnereien zu verarbeiten. Wie weit dies gelingen wird bei der großen Trägheit der Eingebornen, muß erst die Erfahrung lehren. Die ostindische Wolle ist wohlfeil und in ihrer besseren Sorte, der Surate oder Bombay, auch zum Verspinnen auf Maschinen recht wohl brauchbar, da dieselbe eine längere zarte Faser hat, während Madras und Bengal bei ihrer geringen Qualität nur einen beschränkten Gebrauch zulassen. Die Bombay bildet auch die größere Hälfte der gesamten Ausfuhr nach Europa. Die Surate wächst in verschiedenen Gegenden der Präsidentschaft Bombay und spezifiziert sich nach verschiedenen Städten, welche die Entrepots ihrer Umgegend bilden. Das beste Gewächs kommt aus dem Distrikt Berar, wo die Stadt Omrawuttie der Versandtplatz ist; andere dergleichen sind Dhollerah, Broach, Dharwar u. s. w. Eine bessere Qualität Wolle, die aber wenig am europäischen Markte ist, kommt von den spanischen Philippinen unter dem Gesamtnamen Manila. Erwähnung verdient, daß das viel B. bauende und verbrauchende China, welches bis zum Ende der 60er Jahre immer ein starker Abnehmer ostindischer ordinärer Wollen war, ebenfalls angefangen hat, für den europäischen Markt zu bauen und zu exportieren. - Levantische. Hierunter begreift man die Wolle aus der asiatischen und europäischen Türkei; so aus Kleinasien, die ihren Export über Smyrna findet, aus Syrien, von verschiedenen Inseln des östlichen Mittelmeeres. Die Sorten stehen aber hinsichtlich der Länge, Feinheit und Reinheit den bessern amerikanischen wesentlich nach und können nur zu untergeordneten Zwecken dienen. Ihre Bedeutung am Markte ist daher auch gegen frühere Zeiten, wo man die bessern Erzeugnisse Amerikas noch nicht kannte, sehr gesunken. Ganz dasselbe läßt sich von den europäischen Wollen sagen, also denjenigen, welche in den neapolitanischen Provinzen, auf Sicilien und Malta, im südlichen Spanien, Portugal gezogen werden. Manche früher gesuchte Sorten, z. B. die cyprische, die aus der Gegend von Castellamare, haben ihren Ruf eingebüßt, wohl aus dem natürlichen Grunde, weil ein und

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 39.