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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

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Baumwollgarne

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Baumwollgarne'

z. Z. noch die Spinnsäle beherrscht, herstellen. Die Feinspinnmaschinen sind zum Teil so kompliziert, daß ohne Zeichnungen ein zutreffendes Bild nicht gegeben werden kann. - Der beschriebene Fabrikationsgang wird bei Erzeugung gröberer und mittelfeiner Garne eingehalten. Stellt man große Ansprüche bezüglich Gleichmäßigkeit und Feinheit, so muß in den Streckprozess das Kämmen eingeschaltet werden. Die Kämmmaschinen scheiden aus dem Bande alle Fasern unter bestimmter Länge aus - diese bilden den Kämmling, der für sich versponnen wird und liefern Bänder (Zug), welche aus Fasern von fast gleicher Länge bestehen. Nur dadurch wird es möglich, dem Garne die größte Gleichmäßigkeit und größte Feinheit zu geben. Das fertige Garn führt je nach der verwendeten Feinspinnmaschine die Bezeichnungen Watergarn, engl. Watertwist, Ringgarn, engl. Ringtwist oder Mulegarn, engl. Muletwist und wird entweder in der von der Feinspinnmaschine gelieferten Form in den Handel gebracht oder durch Weifen in Gebinde und Strähne von bestimmter Fadenlänge übergeführt. Die Garne erhalten zur Bezeichnung der Feinheit Nummern. Die Numerierung ist in verschiedenen Ländern verschieden. Das englische Sortier- und Numeriersystem, mit Zugrundelegung des englischen Pfundes ist am meisten verbreitet und gilt in Deutschland, der Schweiz und Amerika, während Frankreich ein besonderes System hat und in Österreich oft das wiener Pfund zu Grunde liegt. Der englische Garnhaspel hat einen Umfang von 1½ Yard. 80 Fadenumgänge auf demselben bilden ein Gebind, 7 Gebind einen Strähn oder Schneller. Die Garnnumer gibt nun an, wie viel Schneller 1 Pfd. engl. wiegen. Garn Nr. 50 enhält (Anmerkung des Editors: richtig: enthält) im Pfund 50 Strähn oder 42000 Yards. Bei den Franzosen besagt die Nummer, wie viel Strähne (à 1000 Meter) auf das halbe Kilogramm gehen. Dies Gewicht verhält sich zum englischen Pfund wie 1 zu 0,9072; um zu finden, mit welcher Ziffer in Frankreich ein bestimmter englischer Feinheitsgrad ausgedrückt wird, hat man die englische Nummer mit 0,847, umgekehrt eine französische, um sie zu anglisieren, mit 1,18 zu multiplizieren. Im Laufe der 70er Jahre ist eine einheitliche Garnnumerierung basirt auf das metrische System, angestrebt worden, aber leider nicht zur Durchführung gelangt. Die metrische oder internationale Garnnummer gibt an, wie viele Kilometer Garn auf 1 Kilogramm oder wie viel Meter auf 1 Gramm gehen. Man hat die internationale Nummer mit 0,59 zu multiplizieren, um die englische mit 0,5 um die französische Nummer zu erhalten. Die gewöhnlichen Nummern des Handels beginnen mit 6 (der gröbsten), gehen ohne zu springen bis 20 und schreiten dann nur in den geraden Zahlen weiter bis etwa 150. Was über diese Grenze hinausliegt, ist nur Material für die feinsten Batiste und Musseline. Garne Nr. 500-700 sind schon ganz besondere Kunstleistungen und werden im regelmäßigen Betriebe nicht erzeugt. Ein Spinner aus Manchester brachte zur Londoner Ausstellung Garn mit der Angabe No. 2150 engl.! Diese Angabe muß jetzt, nachdem die Feinheitsnummer ↔ der Sea-Island-Faser zu etwa 3630 bestimmt worden ist, entschieden als viel zu hoch angesehen werden. Bei Garn Nr. 2150 dürften in jedem Fadenquerschnitt nur 1,7 Sea-Mandfasern liegen. Daß es nicht möglich ist, ein solches Garn zu spinnen, bedarf wohl keines weiteren Beweises. Die Garne für Kattune u. dgl. fallen unter die Nummern 30-60. Der Drosselstuhl spinnt überhaupt nur bis Nr. 60; alles Höhere ist Mulegarn. In Deutschland ist der Drosselstuhl selten in Anwendung; man spinnt hier das Kettgarn, welches eine stärkere Drehung erhalten muß, als das Einschußgarn, auf der Mulemaschine. - Solche starkgedrehte Mulegarne heißen Mediotwist. Das Sortieren und etwaige Nachwiegen der Garne geschieht auf der Sortir- oder Garnwage, die so eingerichtet ist, daß ein an einem Viertelkreis sich drehender Zeiger sich gleich auf die betreffende Garnnummer einstellt. Natürlich arbeitet auch der Spinner nicht aufs geradewohl, sondern gelangt durch Wiegen und Rechnen an das vorgesteckte Ziel. Wie viel Verzug eine gegebene Länge Krempelband auf der Streckmaschine erleidet, findet sich aus den Geschwindigkeiten der Streckwalzen. Für Strecke, Vor- und Feinspinnmaschine ist gewöhnlich ein Vorrat von Wechselrädern da, um die Geschwindigkeiten mehrfach abändern zu können. Durch mehr oder weniger Drehung des Fadens auf der Spinnmaschine, also durch Veränderung der Spindelgeschwindigkeit, kann die Stärke und Länge des Gespinnstes noch bedeutend modifiziert werden. Je mehr Drehungen ein Faden auf eine bestimmte Länge erhält, desto fester und härter wird er, kürzt sich aber auch im selben Verhältnis ein. Er gehört dann natürlich zu einer ganz andern Nummer und Qualität als bei leichterer Drehung. Die Garnpreise steigen mit der Feinheitsnummer. Auf den Preiskuranten finden sich die Preise gewöhnlich für Gruppen von 6, 8, 10 Nummern nur einmal angegeben, und dem Handelsgebrauche gemäß kann wirklich von 6-12 jede Nummer für den gleichen Preis gekauft werden, während bei den höher liegenden Gruppen der Preis sich nur auf die mittle Nummer bezieht, während auf- und abwärts ein bestimmter kleiner Betrag (¼ Penny) zugeschlagen resp. abgezogen wird. Die Feinheitsnummer bestimmt aber nicht allein den Preis der Garne, es kommen dabei noch andere Eigenschaften in Anschlag, welche teils auf dem Gütegrade der verwendeten Baumwolle, teils auf der guten Arbeit und der Vollkommenheit der Maschinen beruhen, also namentlich Egalität, Rundung und Festigkeit, Glätte, reine Weiße des Gespinstes. Man hat daher der Qualität nach mehrere Sorten wie Prima, Secunda, gut, ordinär mit noch allerlei Zwischenstufen, beste, gute, kleine Prima, extrabeste, beste, sehr gute, gute Secunda u. s. w. Gewöhnlich sind diese Sorten durch aufgeklebte kleine Zettelchen von bestimmter Farbe, denen irgend eine Figur aufgedruckt ist, bezeichnet, z. B. violett, weiß, orange Luftballon oder Drache, rosa, gelb, blau Schwan, Adler, Krone u. s. w. Die Baumwollpreise beziehen sich immer auf 0,5 k. Die gewöhnliche Verpackung des Garns ist in Paketen von 2,5 k und 5 k, die stark zusammengepreßt

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 42.