Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Cacholon; Cachou; Cadeöl; Cailcedra-Rinde; Caincawurzel; Cajalithwaren; Cajeputöl; Calabarbohne

72

Cacholon - Calabarbohne

C.

Cacholon; ein milchweißer, glasglänzender Halbedelstein, wird zuweilen als Ringstein und zu Brechen benutzt und im letzteren Falle en cabochon geschliffen. Der C. wurde früher für eine Art Opal, also für Kieselsäure gehalten, er ist aber nach Nordenskjöld, der ihn bei Bokhara in Form von Geschieben fand, ein weißer Nephrit (Magnesia-Kalksilikat). Wegen Verzollung s. Achat.

Cachou ist eigentlich die französische Schreibart für Katechu (s. d.). Das C. der Apotheken und Parfümisten besteht jedoch aus Mischungen, welche neben einem Anteil Katechu oder auch ohne solchen aus verschiedenen adstringierenden absorbierenden und wohlriechenden Stoffen zusammengesetzt sind und in Form von Pastillen oder Kügelchen gegen übeln Geruch aus Mund und hohlen Zähnen verwendet werden. Der hierzu brauchbaren Stoffe gibt es eine Menge, wie Mastix, Myrrhen, ätherische Öle, Gewürzpulver, Veilchenwurzel, Vanille, Holzkohle u. v. a. - Zollfrei.

Cadeöl (lat. Oleum Cadinum, O. Juniperi oxycedri, frz. huile de cadé, engl. cade oil); ein durch trockne Destillation des Holzes von Juniperus oxycedrus, einer Wachholderart (Spanische Zeder) gewonnenes brenzlich-öliges Fabrikat von starkem Geruch; es wird in der Provence bereitet und in der Thierarzneikunde zuweilen noch äußerlich verwendet. - Einfuhrzoll: S. Tarif im Anh. Nr. 5 b.

Cailcedra-Rinde (Cortex Cailcedra); die stark bitter schmeckende Rinde eines afrikanischen Baumes, Swietenia senegalensis; wird als Ersatzmittel der Chinarinde empfohlen. Die C. ist graubräunlich, sehr hart und rissig. Das Holz desselben Baumes wird wie Mahagoniholz verwendet. - Die Rinde ist zollfrei. Wegen des Holzes s. Tarif im Anhang Nr. 13 c, e, f u. g.

Caincawurzel (brasilianische Schlangenwurzel. Radix Caincae); die holzigen Wurzeln einiger Arten der im heißen Teile Amerikas heimischen, zu den Rubiaceen gehörigen Gattung Chiococca. Die von Ch. racemosa kommenden heißen westindische Schlangenwurzel, während die brasilianische von Ch. anguifuga, densifolia und scandens kommt. Die im ganzen nicht sehr differierenden Wurzeln sind kleinfinger- bis zolldick, stark verästelt und hin und her gebogen, öfter mit einem ansitzenden Stück der Stämmchen, die Rinde äußerlich graubraun, runzlig, geringelt, innen dunkelbraun, harzig, das harte Holz blaßbräunlich. Beim Kauen entwickelt sich ein schwach aromatischer kaffeeartiger Geruch und ein bitterlich kratzender Geschmack, der durch eine der Wurzel eigentümliche, in farblosen seideglänzenden Nadeln kristallisierende Säure, die Caincasäure (auch Caincin und Caincabitter genannt) verursacht wird. Die Wurzel wurde früher mehr als jetzt als kräftig purgierendes und harntreibendes Mittel verwendet. - Zollfrei.

Cajalithwaren; mit diesem Namen hat man ↔ verschiedene aus Magnesiazement (s. d.) gefertigte Waren belegt, namentlich Tischplatten, Fußbodenplatten etc.; sie werden in den verschiedensten Farben hergestellt. Einfuhrzoll: Unlackierte etc. C. gemäß Tarif im Anh. Nr. 27 f 1; lackierte Nr. 27 f 2; C. in Verbindung mit andern Materialien außer Holz und Eisen Nr. 27 f 3. Schwer ins Gewicht fallende Gegenstände, wie Ornamente zu baulichen Zwecken, Röhren, Tröge etc. sind nach Nr. 33 a zollfrei.

Cajeputöl (Oleum Cajeputi); ein dünnflüssiges, hellgrünes, klares, ätherisches Öl von starkem Geruch nach Kampfer und Rosmarinöl und ähnlichem, anfangs brennendem, dann kühlendem Geschmack, das aus Ostindien hauptsächlich über Amsterdam in Glasflaschen gefüllt und in Kisten verpackt zu uns gelangt. Es ist ein Destillationsprodukt aus den Blättern, Zweigspitzen und Früchten des Strauches, Melaleuca Cajeput und wahrscheinlich noch einer oder mehrer andern Arten dieses zu den Myrtengewächsen gehörigen Geschlechts. Das Öl wird für medizinischen Gebrauch gewöhnlich rektifiziert, wodurch dasselbe gewöhnlich farblos erhalten wird; ebenso durch Schütteln mit verdünnter Salzsäure. Es kommt auch gefälschtes und völlig nachgekünsteltes Öl vor, das aus Rosmarinöl, Terpentinöl und Kampfer zusammengesetzt und grün gefärbt wird. Eine rasch auszuführende Probe ist das Zusammenbringen einiger Tropfen des Öls mit Jod; mit echtem Öl entsteht dabei keine Verpuffung, wie sie viele der übrigen ätherischen Öle zeigen. Das Öl wird - auch hin und wieder als beliebtes Hausmittel - gebraucht äußerlich zu Einreibungen gegen nervöses Kopfweh, Spulwürmer, Koliken, Kinderkrämpfe etc., auf Baumwolle eingeführt gegen Zahnschmerz, Ohrenleiden, wurde auch gegen Cholera äußerlich und innerlich angewandt. Es ist sehr passend zur Vertreibung von Motten und überhaupt zur Verhütung von Insektenfraß. Das Öl ist in Leipzig käuflich per kg Mk 7.50 grün, Mk 8.25 weiß. - Einfuhrzoll gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

Calabarbohne (Semen Calabar), die Gottesurteilbohne, vom Küstenland Calabar in Westafrika, ist eine neue, höchst giftige, aber rasch in feste Anwendung gekommene Drogue, die in ihrer Heimat zu einer Art Feuerprobe, d. h. zur Ermittelung dient, ob ein eines Verbrechens Angeklagter schuldig sei oder nicht. Da das Gift der Bohne rasch und unfehlbar tötet, so muß das zeitweilige Freiausgehen eines solchergestalt Geprüften von einer besondern Veranstaltung der schwarzen Medizinmänner ausgehen. Die elliptischen, wenig nierenförmigen, schwarz genabelten, mit harter brauner Schale versehenen, bis 5 cm langen und 2 cm breiten Bohnen kommen von der etwa 16 cm langen Schotenfrucht eines kletternden Hülsengewächses, das man Physostigma venenosum genannt hat. Der mehlig hornartige Kern der Bohne ist geruchlos und hat einen nur wenig bemerklichen, faden Bohnengeschmack.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 73.