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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Eieröl; Einkorn; Eis; Eisen

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Eieröl - Eisen

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Eier'

bietet der Handel großen Vorteil, wenn gute Konservierung ermöglicht wird. Für Deutschland sind Österreich, Polen, Rußland die Hauptbezugsländer, England ist das Absatzgebiet. Am großartigsten ist die Geflügelzucht in Frankreich entwickelt. Die Hühnereier wiegen je nach Rasse 48-80, selten bis 100 g pro Stück und sollten nach Gewicht verkauft werden; Eier von Enten und Gänsen kommen in geringerem Grade in betracht, Kibitzeier, in Städten bis zu 1 M. pro Stück bezahlt, sind nur im ersten Frühjahr zu sammeln und werden hauptsächlich aus den Küstenländern der Nordsee bezogen; Holland hat den Haupthandel nach England. Die Eier der Strauße wiegen bis 1,5 kg. Der europäische Eierhandel muß durch lokalen Aufkauf bewirkt werden und wird durch Großgeschäfte weiter vermittelt. Verkauf nach Schock in Berlin 60, in Leipzig 64 Stück. - Zoll: E. von Geflügel s. Tarif Nr. 37 b; eingesalzene Fischeier Nr. 25 n.

Eieröl (Oleum ovorum); das aus dem hartgekochten Dotter der Hühnereier durch Auspressen erhaltene fette Öl; es ist gelb, dickflüssig, sehr mild und wurde früher medizinisch verwendet. - Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 26 a 1 bezw. 4.

Einkorn (Blick, Dinkelkorn, Eimen, Flicken, Feinkorn, St. Peterskorn, Schwabenzungen, Spelz- und deutscher Reis), Triticum monococcum, ein- und zweijährig, seltener und nur auf geringem Boden, in Gebirgsgegenden der Schweiz, in Süddeutschland, in Österreich gebaute Weizenart, welche ein gelbliches Mehl liefert, zu Suppengries und Graupen sehr geeignet ist und ein wertvolles Futter für Geflügel, Pferde und Rindvieh liefert, im Stroh aber nur Streumaterial. Das E. ist genügsam und gibt 25-40 hl unenthülste Frucht und 10-16 hl enthülste. Deutschland baute im Jahre 1878 auf 7377.1 ha Winter- und 1020 ha Sommerfrucht zusammen 341755 hl, über die Hälfte in Württemberg. Der Verbrauch ist meist ein lokaler. - Zoll: s. Tarif Nr. 9 a.

Eis (frz. glace, engl. Ice). Der Handel mit diesem Naturerzeugnis gewinnt, dem steigenden Konsum folgend, immer mehr an Ausdehnung. Der Verbrauch von E. als Kühlungs- und Erhaltungsmittel von Stoffen, die zu Speise und Trank dienen, in Krankenhäusern, Bierbrauereien u. s. w. ist auch bei uns im Wachsen begriffen und nährt einen inneren Handel, sodaß wenigstens in größeren Städten überall Eishäuser bestehen und der Artikel den Sommer über käuflich zu haben ist. Es ist dies aber inländische Ware, so rein oder unrein, wie sie unsere Teiche und Flüsse geben können. Ein größerer auswärtiger und internationaler Handel vertreibt dagegen schöneres und reineres E., das von besonders günstigen Örtlichkeiten entnommen ist. Hierin machten die Amerikaner den Anfang, indem schon 1833 das erste mit E. beladene Schiff von dort nach Kalkutta ging und seine Ware im erwünschtesten Zustande hinbrachte. Gegenwärtig gehen Hunderttausende von Zentnern amerikanischen Eises, von mehreren Handelsgesellschaften verfrachtet, nach Westindien und dem übrigen heißen Amerika, nach Ostindien, Afrika und Australien. Der hauptsächliche Ausfuhrplatz ist Boston, und das Erntefeld bildet der nahebei ↔ gelegene Wenhamsee mit seinem schönen klaren Wasser. Die Engländer haben sich in neuerer Zeit mit dem von ihnen so sehr geschätzten klaren Eise näher und wohlfeiler zu versorgen gewußt. Eine Handelsgesellschaft hat zwischen den Hügeln von Christiana-Fjord einen See mit dem reinsten Quellwasser ermittelt, angekauft und daraus eine wahre Goldgrube gemacht. Jetzt ist alles gute in England konsumierte E. norwegisches aus diesem oder anderen Bezugsorten. Die Gewinnung geschieht hier in gleicher Weise wie in Amerika: die Eisfläche wird zunächst mit einem scharfen Pfluge schachbretartig ^[richtig: schachbrettartig] vorgerissen und hiernach in Würfel von etwa 50 kg Schwere zersägt, die sogleich in die benachbarten Eishäuser gebracht werden, hölzerne Gebäude mit Doppelwänden, zwischen welchen eine Füllung von Sägespänen eingebracht ist. In diesen wohlfeilen und am wirksamsten die Wärme abhaltenden Magazinen hält sich das E. recht gut zwei Jahre und wie behauptet wird noch länger. Sägespäne bilden auch das Zwischenmittel bei der Verladung in die Schiffe, und die Verfahrung ist auch nach heißen Ländern ohne erheblichen Verlust ausführbar. Der heiße Sommer von 1868 hat denn auch die Pariser veranlaßt, sich nach mehr Kühlungsmitteln umzusehen und sie haben in den Gletschern der Schweizer Alpen das Gesuchte gefunden, große Mengen abgehauen und per Eisenbahn an sich gezogen. Freilich sind diese Vorräte ziemlich beschwerlich zu erreichen. Künstliches E., in Eismaschinen verschiedner Art bereitet, kommt immer mehr in Brauereien, Paraffin- und Mineralwasserfabriken in Gebrauch und mehrere Fabriken beschäftigen sich auch in Deutschland mit dem Bau der betreffenden Maschinen, die namentlich in den heißen Ländern eine gute Absatzquelle finden. Am gebräuchlichsten sind die, bei welchen die Kälte durch Verdunstung von Ammoniak erzeugt wird. So hat jetzt auch die Verschiffung nordamerikanischen Eises nach Australien bedeutend abgenommen, weil man sich dort das Maschineneis wohlfeiler erzeugen kann. - Eis, rohes, zollfrei.

Eisen (Roheisen, Fluß- und Schweißeisen), Stahl (Fluß- und Schweißstahl). Die ungeheure Bedeutung des Eisens für unsre gesamten Zustände bedarf keiner Auseinandersetzung: sie liegt offen zu Tage. Das E. ist der Stoff, in welchem die wichtigsten Schöpfungen unsrer Industrie sich verkörpern, ohne welchen eine Technik wie die heutige ganz undenkbar wäre. Auch der auf tiefster Kulturstufe stehende Wilde schätzt ein Stückchen E. hoch; seinen ganzen Wert aber entfaltet es erst unter den Händen ernst arbeitender, strebsamer Völker. Ist doch die Hebung und Verwertung dieses Mineralschatzes selbst schon eine schwere und harte Arbeit für Hand wie Kopf, und unausgesetzt sinnen und mühen sich die tüchtigsten Fachleute um Auffindung besserer und leichterer Methoden zur Ausbringung des Metalles aus seinen Erzen, zu seiner Reinigung und Veredlung. Das E. findet sich gediegen (Meteoreisen) auf der Erde nur äußerst selten; in dem platinführenden Sande Sibiriens in kleinen Körnern, als zusammenhängende größere Masse in Kanada und endlich über die ganze Erde verstreut

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 105.