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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Erdrauch; Erdwachs; Erlenholz; Erythrin; Eschenholz; Essig

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Erdrauch - Essig

zum Brennen und zur Seifenfabrikation benutzt, die Handelsware nicht selten zum Verfälschen von Oliven- und Mohnöl. Neuerdings wird von Gärtnern eine Art oder Spielart mit größeren Früchten, speziell unter der Bezeichnung brasilianische E. ausgeboten. - Zollfrei. E.-Öl gem. Tarif im Anh. Nr. 26 a 2 bzw. 1.

Erdrauch (Fumaria officinalis, frz. la fumeterre. engl. fumitory). Diese einjährige, auf fruchtbaren Feldern häufig wachsende graugrüne zart verästelte, im frischen Zustand stark und widrig riechende Pflanze hatte früher als herba fumariae im blühenden Zustande gesammelt, sowohl frisch als trocken, pharmazeutische Verwendung. Das frische Kraut diente mit zur Bereitung der Kräutersäfte. Das getrocknete hat seinen Geruch verloren, aber einen salzigbitterlichen Geschmack behalten. Die Pflanze enthält ein Alkaloid, das Fumarin und eine besondre Säure, die Fumarsäure. - Zollfrei.

Erdwachs, Ozokerit (nebst den Varietäten Retinit, Hatchetin etc.) heißen fossile Wachs- und harzartige Massen, die in einzelnen Klumpen in Torf- oder Braunkohlenlagern, an gewissen Örtlichkeiten auch tiefer in der Erde auf Klüften in der Nähe von Steinkohlenlagern und in Petroleum führenden Erd- und Gesteinschichten gefunden werden. Diese Massen sind feste Kohlenwasserstoffe, die da, wo sie auftreten, in jüngster Zeit als Material zur Gewinnung von Paraffin und Leuchtölen wichtig geworden sind. Die Masse kommt in größerer Menge hauptsächlich vor in Galizien in den Petroleumdistrikten am Nordabhange der Karpathen, in der Moldau bei Slanik etc., bei Baku am Kaspischen Meere. In erster Gegend bildet der Stoff neben dem Petroleum einen ziemlich bedeutenden Ertragsartikel; es werden nur in der Gegend von Boryslaw 3-4000 Zentner wöchentlich gewonnen. Dieses E. kommt dort entweder in Klumpen oft bis zu mehreren Zentnern im Gewicht, oder auch in ganzen zwischen den Petroleum führenden Thonschiefer gelagerten Schichten vor. An den Innenwänden der Ölschächte wird das Wachs durch den Druck des Gebirges aus den Gesteinspalten herausgequetscht und quillt oft monatelang an ein und derselben Stelle bandartig hervor. Es ist etwas weicher als Bienenwachs, orangegelb, bis gelblichgrün, und wird durch reinigendes Umschmelzen grün bis schwarzgrün. Man versendet es in Blöcken, wie es sich durch Gießen in Kübeln oder Kästen formt. Durch die Destillation erhält man aus demselben etwa 70 Prozent Öl, einige Prozent ammoniakhaltiges Wasser, 12-15 Prozent kohksartige Rückstände und 8-15 Prozent entweichendes Gas. Die Öle lassen in der Kälte eine Art Paraffin, Ceresin genannt, auskristallisieren und die weitere Behandlung der festen und flüssigen Stoffe kommt mit der bei der Braunkohlenverarbeitung üblichen ziemlich überein, wird aber erleichtert dadurch, daß man es hier nicht mit Karbolsäure, Cresylsäure etc. zu thun hat. Man erhält durchschnittlich 24 Prozent Paraffin und 40 Prozent Leuchtöle, die auf rationelle Weise gereinigt ein schönes blaßgelbes Petroleum geben. - Rohes E. ist zollfrei, raffiniertes gem. Tarif im Anh. Nr. 26 c 2.

Erlenholz (Ellernholz); man hat zwei Arten, in Deutschland findet man fast ausschließlich nur die Schwarzerle (Else, lat. Alnus glutinosa, frz. l'anne commune, engl. Sticky alder-tree), während in den nördlichen Gegenden Ostpreußens und in den russischen Ostseeprovinzen auch die nordische Weißerle oder graue Erle (Alnus incana) angetroffen wird. Frisches E. wird an der Luft schnell orangerot, beim Trocknen aber wieder heller; das der Schwarzerle ist immer etwas mehr gefärbt, als das der Weißerle, letzteres ist auch etwas dichter. Nächst dem Eichenholz besitzt das E. die größte Wiederstandsfähigkeit gegen die Einwirkung der Feuchtigkeit. Schön gemaserte Stücke werden als Tischlerholz gern verwendet. - Zoll s. Tarif Nr. 13 c.

Erythrin; 1) gleichbedeutend mit Erythrinsäure, eine in verschiednen Flechten vorkommende organische Säure, die zwar nicht im Handel zu finden ist, deren Zersetzungsprodukte jedoch in der Orseille enthalten sind. -

2) Name eines neuern Teerfarbstoffs, auch Methyleosin, alkohollösliches Eosin, alkohollösliches Primarosa genannt; soll ein Salz des sauren Methyl- oder Äthyläthers des Eosins sein, und sowohl in der Färberei, als auch in der Druckerei schönere Töne und echtere Farben geben, als das gewöhnliche, nicht methylierte Eosin. Das methylhaltige Präparat gibt gelbere, das äthylhaltige rötere Nüancen. Das E. löst sich nicht in Wasser, wohl aber in 50 prozent. Alkohol bei Zusatz von etwas Soda. - Zollfrei.

Eschenholz; das Holz der gemeinen Esche (fraxinus excelsior, frz. frêne, engl. Ash); es besitzt von allen Holzarten die größte Zähigkeit und Elastizität, bekommt nicht leicht Risse, steht im Trocknen gut und hält sich auch im Wasser, dagegen ist seine Dauer in der Erde kurz; es ist dicht, hart, hellfarbig und wird vorzugsweise von Tischlern, Wagnern etc. verwendet; vorzüglich gut eignet es sich zu Rudern, Reckstangen, Deichseln u. dgl. - Zoll s. Tarif im Anh. Nr. 13 c.

Essig und Essigsäure. Essig (lat. acetum, frz. vinaigre, engl. Vinegar) besteht im wesentlichen aus mit Wasser stark verdünnter Essigsäure; der Mischung sind aber noch andre Stoffe beigemengt, die je nach dem Material, aus dem der E. bereitet wurde, verschieden sind und von dem die Verschiedenheiten im Geruch und Geschmack und in der Färbung der Ware abhängen. Der Gehalt der gewöhnlichen Gebrauchsessige an reiner Essigsäure ist 2-4%, bei Weinessig 6-8%. Die Essigsäure selbst aber entsteht durch einen Oxydationsprozeß aus Alkohol, daher E. sowohl aus diesem und aus vergorenen und daher alkoholhaltigen Flüssigkeiten (Wein, Bier) wie aus stärke- und zuckerhaltigen Materialien (Malz, Obst, Runkelrüben) hergestellt werden kann; hierbei muß jedoch die Stärke stets zunächst in Zucker und dieser in Alkohol übergeführt werden. Die Essigbildung tritt bekanntlich oft unerwünscht bei schwachgrädigen alkoholhaltigen Getränken ein, welche bei Zutritt der Luft in warmen Räumen sauer werden;