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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Farnkrautwurzel; Faulbaumrinde; Fayence; Federn

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Farnkrautwurzel - Federn

zur Trockne, oder nur bis zur Syrupsdicke fortsetzt, erhält man trockne oder flüssige E. Die ersteren sind harte, glänzende, fast schwarz erscheinende Massen mit muscheligem Bruche; sie lösen sich nur dann vollständig in Wasser, wenn sie im Vacuum eingedampft wurden, die an der Luft eingedampften hinterlassen immer einen nicht unbedeutenden Rückstand. Die flüssigen haben gewöhnlich eine Dichte von 20-25° Bmé. Die gebräuchlichsten F. sind: Blauholzextrakt, Rotholzextrakt und Gelbholzextrakt. - S. Zollt. im Anh. Nr. 5 e.

Farnkrautwurzel (Johanniswurzel, Radix oder Rhizoma Filicis) ist der Wurzelstock eines der gewöhnlichsten, feuchte Stellen liebenden Farnkräuter unsrer Wälder, Aspidium filix mas, frz. la fongère mâle, engl. Shield-fern, Wurmfarn, seit alten Zeiten als Bandwurmmittel gebraucht und auch wirksam, wenn derselbe rechtzeitig gegraben und nicht über ein Jahr aufbewahrt wird. Der gegen Ende des Sommers zu grabende, horizontal oder schräg in der Erde liegende Wurzelstock wird bis 3 dm lang und 2,3-4,5 cm dick, ist im frischen Zustande braun, das Innere grasgrün, schwammig, korkig, mit einem Kreis von großen weißen Gefäßbündeln durchzogen. Der ganze Stock ist unter der Rinde mit ziegeldachartig sich deckenden, zahnartigen Resten von Blattstielen und mit braunen Spreuschuppen besetzt, zwischen welchen zahlreiche schwärzliche Wurzelfasern hervortreten. Man verwahrt die Wurzelstöcke gut verschlossen in Blechbüchsen, entweder geschält oder ungeschält, da sie sich so besser halten. Die Drogue riecht unangenehm balsamisch und schmeckt herb-süßlich, dann zusammenziehend und kratzend, enthält ätherisches und fettes Öl, Filixsäure, Filixgerbsäure, Weichharz, Zucker etc. Man verwendet sie gepulvert oder ein daraus bereitetes ätherisches Extrakt (Extractum filicis aethereum). - Zollfrei. Extrakt gem. Tarif Nr. 5 a.

Faulbaumrinde (Cortex Frangulae); die Rinde der jüngeren Äste vom stinkenden Kreuzdorn oder Pulverholz (Rhamnus Frangula, frz. la bourgène, l'anne noir, engl. Black alder-tree), einem in Wäldern und Ufergebüsch häufig vorkommenden Strauch mit rundlichen, gespitzten, ganzrandigen Blättern, kleinen weißen Blüten und anfangs roten, dann schwarzen erbsengroßen Beeren. Die dünne, im trocknen Zustande gerollte Rinde ist außen dunkel- oder braungrau, mit vielen weißlichen länglichen Korkwärzchen besetzt, innen gelblich bis rötlichbraun, etwas glänzend. Die Rinde schmeckt scharf bitter und schleimig, enthält neben ätherischem Öl einen eigentümlichen Stoff, das Frangulin. Gebraucht wird dieselbe als Pulver oder Extrakt, als abführendes Mittel, jedoch erst nach einem Jahre, da sie frisch getrocknet Erbrechen und Leibschmerzen hervorruft. Die F. ist in Nordamerika sehr gefragt, der Import davon beträgt dort circa 10000 kg jährlich. - Zollfrei.

Fayence (Halbporzellan) heißen feinere Thonwaren, die die Lücke zwischen gemeinem Töpferzeug bis zum Porzellan hin ausfüllen und unter sich selbst ziemlich verschieden sind, daher man auch zwischen feiner und ordinärer F. unterscheidet und zur ersten diejenige Ware rechnet, deren Masse ein weißgebrannter Thon ist und folglich eine durchsichtige Glasur zuläßt, während die ordinäre auf dem Bruch gelblich, bräunlich etc. erscheint, somit eine undurchsichtige, dies verdeckende Glasur, ein sog. Email verlangt, das in seiner Zusammensetzung Blei- und Zinnasche enthält, von denen die erstere den leichten Fluß, die andre die undurchsichtige Weiße bewirkt. Derartige Töpferware, mit farbigem Kern und weißer Glasur, ist schon vor tausend Jahren von den Mauren in Spanien fabriziert und nachmals in Italien, zur Zeit der Kunstblüte im 15. und 16. Jahrhundert, bei immer noch geringer Masse teils in den Formen veredelt, teils und vorzüglich aber mit so kunstreinen Zeichnungen und Malereien, oft von der Hand namhafter Künstler, versehen worden, daß die aus jener Zeit übrig gebliebnen Produkte mit der Zeit einen hohen Liebhaberwert erhalten haben und kostbare Sammlungsstücke bilden. Dies ist die sog. Majolika, welche jetzt wieder sehr beliebt ist und von Thonwarenfabriken so gut als möglich nachgeahmt wird. Das Wort F. selbst ist nur in Frankreich der allgemeine Name für Steingut, bei uns dagegen wenig mehr in Gebrauch; die weißglasierten Öfen pflegt man noch damit zu bezeichnen. Die Masse derselben rangiert je nach ihrer Beschaffenheit bald mehr zur ordinären, bald mehr zur feinen F., während diese letztere, die ursprünglich aus England stammt, sonst englisches Steingut, jetzt schlechthin Steingut genannt wird und unter dieser Rubrik abgehandelt ist. - Zoll s. Tarif Nr. 38 c 1 u. 2.

Federn (frz. plumes, engl. Feathers, pens), das Produkt der Vogelwelt, bilden zwei wesentlich verschiedne Warengattungen: Bett- und Schmuckfedern, denn die Schreibfedern sind jetzt fast ganz außer Gebrauch gekommen und durch die Stahlfedern ersetzt. Die ersteren stammen hauptsächlich von der Hausgans, ein kleiner Teil von Schwänen, während die Federn von Enten und Hühnern als zu geringwertig meistens weggeworfen werden oder nur als ganz geringes Stopfmaterial dienen. Die vorzüglichste Art der Bettfedern bilden die Eiderdaunen (Daunen oder Dunen), der weiche Flaum eines nordischen Seevogels, der Eiderente oder Eidergans (Somateria mollissima), hochgeschätzt als das feinste und leichteste Material zum Ausstopfen von Bettdecken und Kissen. Diese große Entenart, bei der das Männchen oberhalb weiß, unterhalb schwarz gefärbt, das Weibchen von obenher grau, braun und schwarz gewellt ist, lebt gesellschaftlich im hohen Norden in weiter Verbreitung; denn es kommen die Federn desselben von Norwegen, Lappland, Island, Grönland, den Faröern etc. Für Island und Grönland haben die Dänen besondre Gesetze zum Schütze der Vögel erlassen, die nie geschossen werden dürfen, ebenso in Norwegen; leider werden diese Gesetze im hohen Norden nicht immer beachtet. Die Vögel nisten, wo sie auf Klippen, Erdreich, Sand geschützte Stellen finden und das Nest besteht lediglich aus einer Unterlage von Flaumfedern, welche der weibliche Vogel sich selbst reichlich in der Brustgegend