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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Federn

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Federn - Federn

ausrauft und mit denen er auch bei zeitweiligem Verlassen der Eier diese zudeckt. Die meisten Federn kommen von den kleinen rings um Island liegenden unbewohnten Inseln und das Aufsuchen der Nester ist da, wo es auf schroffen Küsten und Klippen zu geschehen hat, mühsam und halsbrechend genug. Man räumt nach dem ersten Eierlegen die Nester völlig von Daunen und Eiern, welch letztere gern gegessen werden; die Vögel beginnen ihre Nestarbeit hierauf von neuem und auch diese zweite Füllung wird zu ihrer Zeit ausgeräumt; erst die dritte, schon gegen die Mitte des Sommers fallende Nistung bleibt ungestört. Zu dieser gibt denn auch das Männchen seinen Beitrag an Flaum, welcher aber nicht graubräunlich wie der des Weibchens, sondern weiß ist und weniger geschätzt wird. Hier und da, besonders an den norwegischen Küsten, ist die Gewinnung der Federn einfacher und man verfährt schonender und rationeller. Die Vögel haben sich da in einem Zustand halber Zähmung gefunden, kehren alljährlich auf ihre gewohnten Brutplätze zurück, die man ihnen durch Zäune, Verschläge u. dgl. wohnlicher macht. Es werden ihnen dann öfter die Eier belassen, und nur die Daunen zweimal behutsam abgenommen, durch deren Wiederersatz noch eine Nachernte gewonnen wird, die man nach dem Abzuge der Vögel sammelt. Die Vögel zeigen sich da so wenig scheu, daß sie öfter in den Gehöften selbst sich eine Brütstätte wählen. Die Daunen kommen entweder noch roh oder schon gereinigt in den Handel, hauptsächlich über Kopenhagen, Hamburg und Lübeck; die Grönländer gelten als die besten. Die Ware erscheint in fest zusammengeballten Klumpen von 1½-2 kg Schwere und in einem Volumen, das gegen ihren aufgelockerten Zustand merkwürdig absticht. Die Auflockerung erfolgt durch Wärme. Wenn man aus einem Packet Daunen eine Partie von etwa Wallnußgröße in einen mäßig erwärmten Kessel bringt und mit einer Rute peitscht, so schwellen sie so an, daß bald der ganze Kessel angefüllt ist. Die Leichtigkeit und Annehmlichkeit der Daunen als Bettmaterial ist bekannt. Bei der geringen Menge, die zur Füllung nötig ist, und besonders in betracht ihrer langjährigen Dauer ist der Aufwand für Daunen im Vergleich zu gewöhnlichen Federn gar nicht so abstechend. Das ½ kg guter gereinigter Daunen kostet in Norwegen ungefähr 18 Mk. Man rechnet die Daunen von 12 Nestern auf ½ kg. -

Eine andre Art ist seltner und teurer. Sie kommt von der Königs-Eiderente (Somateria spectabilis), die mehr an den nördlichen Küsten Asiens und Amerikas lebt. Spitzbergen, Nowaja Semlja etc. sind die Bezugsquellen der über Rußland kommenden Ware. Die Einfuhr von Eiderdaunen in Deutschland ist mäßig; die bei weitem größte Quantität verbraucht England, dessen Einfuhr jährlich auf 5000 kg angegeben wird, indes über Hamburg mehr als 1500 kg eingehen. Die größte Menge von Daunen, welche von Südgrönland aus in einem Jahre abgesendet wurden, belief sich auf 2504 kg (ungereinigt); Nordgrönland liefert ungefähr halb so viel. -

Nächst den Eiderdaunen sind die Gänsefedern das gebräuchlichste Material zum Füllen von Betten, sie kommen aus dem nördlichen Deutschland, aus Rußland, Polen, Böhmen, Galizien, Ungarn in fest gefüllten Säcken, Fässern oder Kisten über Frankfurt a. O., Berlin, Breslau, Leipzig etc. Sie werden gewöhnlich erst in zweiter Hand gewaschen, die gekielten geschlissen, die Flaumfedern für sich und auch die geschlissenen in mehrere (3) Nummern sortiert. Die besten F. bekommt man von lebenden Gänsen, die man um die Zeit rupft, wo sie anfangen sich zu mausern und also die F. bald selbst ausfallen würden. Dies Rupfen erfolgt mehrmals, indem immer nur die lose sitzenden abgenommen werden. Solche F. sind vollkommen reif, sehr elastisch und halten sich lange gut. Man bezeichnet diese beste Sorte als lebendiges oder Sommergut, die von geschlachteten Tieren genommenen dagegen als totes oder Wintergut. Am schlechtesten sind die F. von krepierten Tieren. Nahrung und Lebensart haben großen Einfluß auf die Güte der F. wie auch der Posen. Bei freiem Naturleben, auf Weide und reinen Gewässern wird das Federkleid am vollkommensten; Stall- oder gar Mastgänse erzeugen nichts Gutes. Den Federhändlern wirft man vor, daß sie nicht selten Schlechtes zu Gutem mischen und das Gewicht der Ware gern mit beigemengtem Kalk, Gips etc., oder doch dadurch erhöhen, daß sie ihren Fässern feuchte Standorte geben. -

Die Schreibfedern oder Federposen sind, wie schon erwähnt, jetzt wohl ganz außer Gebrauch gekommen; sie wurden fast ausschließlich der Gans entnommen, daher auch Gänsefedern genannt. - Zu Schmuck- oder Putzfedern dienliches Material kann größtenteils nur als Jagdbeute aus großer Zerstreuung und weiter Entfernung beigebracht werden. Einigen Beitrag liefert indes auch das Hofgeflügel zum Putz, namentlich Hähne und Truthähne ihre größeren Schwanzfedern zu Federbüschen und zur Nachahmung ausländischer F. Der Stammartikel aller Putzfedern, der sich stets in Gunst und Preis hält und jetzt sogar etwa um das Vierfache teurer ist als noch vor 30 Jahren, sind die Flügel- und Schwanzfedern der Straußen. Dieser mächtige Laufvogel bewohnt sowohl die große nordafrikanische Wüste als die baumlosen Einöden Südafrikas und Arabiens; seine F., der einzige Gegenstand, weswegen auf ihn Jagd gemacht wird, kommen daher auf mancherlei Wegen und durch verschiedne Hände in den Handel, aus Arabien über Ägypten, aus Nordafrika über die Handelsplätze der Nord- und Westküste, aus Südafrika durch England. Alle das Mittelmeer berührende Ware pflegt sich in Livorno oder Marseille zu sammeln, um von hier aus sortiert weiter versandt zu werden. Die Sortierung geschieht erstlich nach der Farbe und dann nach der Qualität der einzelnen Stücke, die in ganz fehlerlose, wenig verletzte und sehr schadhafte gesondert werden. Das weiße Sortiment ist das wertvollere, und dieses kommt hauptsächlich vom männlichen Strauß, da das weibliche Tier mehr graue als weiße F. hat. Diese grauen oder braunen bilden die Sekundasorte, die weit weniger gewertet ist und nach Gewicht verkauft wird,