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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Feldspat; Fenchel; Fenchelöl

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Feldspat - Fenchelöl

vierkantigem, schwach behaartem Stengel, ovalen Blättchen und quirlständigen rosenroten Lippenblüten. Sie besitzt einen angenehm würzhaften starken Geruch, bitterlich zusammenziehenden Geschmack und ist ein wirksames Heilkraut, das im Sommer gesammelt und getrocknet wird und unter gutem Verschluß aufzubewahren ist. Das Kraut dient zu Kräuterkissen, Abkochungen davon zu stärkenden Bädern wie zu Thee. Durch Destillation mit Wasser erhält man von dem trocknen Kraut etwa 1/10% rotgelbes ätherisches Öl, den konzentrierten Riechstoff des Krautes. - Gem. Tarif im Anh. Nr. 25 p 2; F.-öl Nr. 5 a.

Feldspat (frz. Feldspathe, engl. Feldspar). Ein sehr verbreitetes Mineral, von welchem man verschiedne Arten hat, die sich in zwei Gruppen bringen lassen, nämlich monoklinische und triklinische F. Alle F. sind Alkali-Thonerdesilikate, die monoklinischen enthalten Kali und heißen deshalb auch Kalifeldspate, die triklinischen oder natronhaltigen dagegen Natronfeldspate; doch gibt es auch solche, welche beide Alkalien zugleich enthalten. Der F. bildet in sehr reiner Kristallform einige Schmucksteine, so den Adular, welcher ein farbloser oder schwach rötlich, bläulich gefärbter, durchsichtiger oder milchiger Kalifeldspat ist. Derselbe zeigt geschliffen einen eigentümlichen, zum Teil in Farben spielenden Lichtschimmer und heißt in seinen verschiednen Varietäten auch Mond- oder Sonnenstein, Fischauge, Wasseropal. Durch einen Kupfergehalt mehr oder minder lebhaft grün gefärbter F. heißt Amazonenstein. Er findet sich besonders schön in Sibirien und wird in Katharinenburg verarbeitet. Labrador ist meist unkristallinischer, doch in gewissen Richtungen leicht spaltbarer grauer kalkhaltiger Natronfeldspat, der sich dadurch den Schmuck-Steinen zugesellt, daß er auf solchen Spaltflächen sehr schöne Irisfarben, blau, grün, kupferrot etc. zeigt. Der F. kommt als Gemengteil verschiedner Felsarten, z. B. der Granite, Syenite, Porphyre etc. vor und bildet weiße, graue, oder durch Metalloxyde gelblich, rötlich gefärbte Kristalle oder auch dichte mikrokristallinische Massen. Man unterscheidet folgende Hauptarten: Orthoklas, mit den Varietäten Pegmatolith, Paradoxit, Adular (s. oben) und Sanidin, sämtlich monoklinisch; Albit, Oligoklas, Periklin und Labrador, sämtlich triklinisch. Der F. ist insofern von großer Wichtigkeit, als aus seiner Verwitterung alle vorfindlichen Thonmassen und auch die echte Porzellanerde hervorgegangen sind. Im unzersetzten Zustande kommt derselbe auch noch massenhaft vor, namentlich in Schweden, Finnland, Grönland, Nordamerika, Böhmen, Sachsen etc. So wie die Masse durch ihren Gehalt an Alkalien leicht verwitterbar, so ist sie aus demselben Grunde in der Hitze schmelzbar und dient daher häufig als Flußmittel für Töpferwaren, Glasuren und Emailmassen. Wo es sich hierbei um eine reine Weiße handelt, wie namentlich beim Porzellan, kann natürlich auch nur völlig weißer F. benutzt werden, der sich aber innerhalb der großen Massen gerade am wenigsten häufig findet und unter Umständen aus der Ferne bezogen werden muß. So sendet namentlich Schweden von seinem schönen F. viel an deutsche Porzellanfabriken. Der F. bildet den einen Hauptbestandteil des Porzellans (s. d. Art.), den andern die Porzellanerde oder das Kaolin, mit welchem chinesischen Namen sie jetzt meistens bezeichnet wird, seit man weiß, daß die Chinesen ihr Porzellan genau aus denselben Materialien herstellen wie wir das unsere. Der F. seinerseits heißt bei denselben Petuntse. Das Kaolin ist aber an sich eben auch nichts andres als F., nur in einem Zustande der Verwitterung und Zersetzung, in deren Folge er seinen Gehalt an Alkalien und damit seine Schmelzbarkeit eingebüßt hat. Es bleibt daher in der Hauptsache kieselsaure Thonerde, also Thon, gemengt mit fein verteilter Kieselsäure, übrig, welche, wenn aller Alkalien ledig, absolut feuerfest ist, gewöhnlich sind jedoch noch kleine Reste von Alkalien vorhanden. - F. als Material für Porzellanfabriken ist zollfrei.

Fenchel (lat. Foeniculum officinale, frz. fenouil, engl. fennel), bekannte würzhafte Doldenpflanze, in Südeuropa wild wachsend, bei uns vielfach in Gemüsegärten, zum Teil auch im Großen als Feldfrucht angebaut. Auch wo er wild vorkommt, wie in Italien und Frankreich, ist der F. Gegenstand größeren Anbaues. Bei uns finden sich Fenchelfelder namentlich in Thüringen und in der weißenfelser Gegend; einen größeren Teil der Handelsware erzeugen auch Württemberg, Böhmen, Mähren, Galizien und Polen. Die Wurzel treibt im zweiten Jahre, auch wohl noch öfter wieder, sodaß also nicht jedes Jahr gesäet zu werden braucht. Die ganze Pflanze hat medizinische Kräfte; doch werden Kraut und Wurzel mehr nebensächlich, als Hausmittel gebraucht, während die gehaltreichen Teile die Samen, richtiger Früchte genannt (fructus foeniculi, semen foeniculi) sind, welche auch nur allein eine Handelsware bilden. Die länglichen, gerippten und zwischen den Rippen mit je einer dunkeln Ölstrieme versehenen Früchte variieren in Größe und Färbung. Die Haupthandelssorte bildet der sogenannte sächsische Fenchel, der in der Gegend von Lützen und Weißenfels in großer Menge gebaut wird; die größeren lebhafter grünen Körner nennt man Kammfenchel. Nächst diesem spielt der thüringer, mährische und galizische die Hauptrolle. Außerdem findet sich im Droguenhandel noch der sog. römische oder italienische F., viel größer im Kern, schön grünlich und bedeutend stärker von Geruch und Geschmack. Derselbe kommt von einer andern Fenchelpflanze, Foeniculum dulce, welche nur einjährig und in Südeuropa zu Hause ist und gebaut wird. Diese Ware sendet uns meistens Südfrankreich. - Der Fenchelsame in Pulverform, Abkochungen davon und Fenchelwasser sind bekanntlich offizinelle und Hausmittel gegen allerhand Krankheitszustände; in andern Fällen dient der F. mehr als bloßes Gewürz. - Einfuhrzoll s. Tarif im Anh. Nr. 9 d.

Fenchelöl (Oleum foeniculi); das durch Destillation mit Wasserdampf gewonnene ätherische Öl der Fenchelfrüchte; es besitzt den Geruch derselben im höchsten Grade, ist farblos oder