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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Fischhaut; Fischthran; Fisetholz; Flachs

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Fischhaut - Flachs

Thran ablaufen läßt und abpreßt, die Masse auf Maschinen klein reibt, trocknet und auf Mühlen zerkleinert. Die norwegische Handelsware erscheint als ein gröbliches, aus Krümeln und Schüppchen bestehendes, gelblich weißes Pulver mit starkem Fischgeruch, das nach Angabe der Verkäufer 8-11 Proz. Stickstoff und 12-15 Proz. Phosphorsäure enthalten soll. Der Dünger wollte anfangs nach den ersten Versuchen nicht in Gunst kommen, denn man hatte die schnellen Wirkungen des Peruguano von ihm erwartet, die er nicht haben kann, weil er erst im Boden zu einer solchen zersetzten, von den Pflanzen aufnehmbaren Masse werden muß als jener bereits ist. Daraus aber ergibt sich eine langsamere, doch länger dauernde Düngewirkung. - Der F. ist zollfrei.

Fischhaut. Von einigen Haifischarten, Riesenhai, Meerengel, Dornhai, getigerter Hai, sowie von 2 oder 3 Rochenarten, bei welchen Tieren die Schuppen die Form gröberer oder feinerer Stacheln angenommen haben, benutzt man eben dieser Beschaffenheit halber die Häute als eine Art Schleifwerkzeuge. Sie werden gleich nach dem Abziehen auf Bretter oder Rahmen gespannt, langsam getrocknet und zu Tafeln geschnitten, wobei man die Flossen an ihrem Orte läßt, welche durch ihren feinern Stachelbesatz zu feinern Schleifereien vorzüglich tauglich sind. Die meisten derartigen Stücke kommen vom mittelländischen Meer, weil die Stachelfische der nördlichen Meere keine so brauchbare Ware liefern. Italiener, Franzosen, Spanier, Portugiesen versenden dieselben, und steht die Ware der letztern in der Wertschätzung wieder allen übrigen voran. Die Fischhaut wird von Tischlern, Drechslern, Lackierern, auch bei einigen Metallarbeiten zum Abreiben von Flächen benutzt. Neuerdings ist aber häufig das Glaspapier, nämlich Papier mit aufgeleimten Glaspulver, sowie das Schmirgelpapier und Schmirgelleinen an die Stelle getreten. Außerdem werden die Häute auch benutzt um durch Aufpressen englisches Sattelleder damit zu modeln, und einiges davon verarbeitet man zu sog. Fischhautchagrin, indem man die Spitzen soweit abschleift, daß nur noch die Ansatzstellen als maschige Figuren zu sehen sind. In dieser Beschaffenheit dienen die Häute zum Überziehen von Koffern, Futteralen, Kästchen u. dgl. - Fischhaut zollfrei; Waren daraus gem. Tarif im Anh. Nr. 21 d.

Fischthran (frz. huile de poisson, engl. Train-oil) nennt man wohl zuweilen im engern Sinne solchen Thran, der von kleinern Fischen, wie Heringe, Sardellen etc. mehr nebensächlich gewonnen wird, während man im gewöhnlichen Leben darunter den Thran aller Seetiere versteht, soweit dieselben als ordinäre braune Sorten für gewöhnliche Zwecke dienen, die dann auch häufig nicht bloß von einerlei Tierart stammen, sondern Gemische sind. Näheres unter Thran und Leberthran. - Zoll s. Tarif im Anh. Nr. 26 c 3.

Fisetholz (Fustikholz, ungarisches Gelbholz, Zantegelbholz, junger Fustik, frz. fustet, engl. fustic). Der bei uns in Anlagen häufige sog. Perrückenbaum, eine Sumachart (Rhus Cotinus), im südlichen Europa einheimisch und auch hier und da kultiviert, strauchartig oder als kleiner Baum, enthält in seinem Holz einen gelben Farbestoff, der durch Alkalien rot gefärbt wird. Das grau- oder grüngelbliche Holz, von dem der weiße Splint abgelöst ist, kommt teils in Form dicker Knüppel, teils schon in Späne geschnitten in den Handel, wird jedoch zum Gelbfärben, weil die Farbe nicht sehr echt ist, jetzt nur noch wenig verwendet, wohl aber zur Herstellung gemischter Farben. Seine Brauchbarkeit zur Erzeugung lebhafter Bronze- und Chamoisfarben auf Wolle ist erst neuerdings wieder lobend hervorgehoben worden. Man erhält dies Holz aus Ungarn, Illyrien, Tirol und Italien. - Zoll: F. zollfrei; Extrakt gem. Tarif im Anh. Nr. 5 e.

Flachs (frz. lin, engl. flax). Unter einigen 20 bekannten Arten des Geschlechtes Linum ist eine einjährige Art, L. usitatissimum, durch ihren hohen Wert als Gespinstflanze von ganz eminenter Bedeutung. Uralt ist die Benutzung des F., sodaß nicht einmal das eigentliche Vaterland desselben mehr bekannt ist und man dasselbe im Orient nur vermutet, weil die Pflanze zuweilen in wärmern Klimaten wild wachsend gefunden wird. Um so schätzenswerter ist ihre Fähigkeit sich zu akklimatisieren, durch die sie selbst sehr nördlich gelegenen Gegenden und hohen kühlen Bergländern noch zugänglich geworden ist und daselbst sogar vorzugsweise gedeiht. Der F., früher fast die einzige Spinnfaser für Weißzeug, hat durch das Überhandnehmen der Baumwolle wohl viel Terrain verloren, bleibt aber dem ungeachtet immer ein Hauptindustrieartikel, der aller darauf gewendeten Pflege wert ist und sie lohnt. Nehmen doch selbst Länder wie Westindien und andre, zum Teil solche, die Baumwolle nach Europa senden, von hier Leinwand zurück, weil ihnen dieser kühlere Stoff in ihrem heißen Klima besser als Baumwolle zusagt. Der gemeine Lein wird jetzt in fast ganz Europa, in Ägypten, Algier, Ostindien, Nordamerika, Brasilien und Australien gebaut und zwar in den Hauptarten: a) Schließ- oder Dreschlein (Linum usitatissimum var. vulgare, auch L. sativum genannt) hat kleine geschlossen bleibende Kapseln, deren dunklere Samen nur durch Ausdreschen zu gewinnen sind, höhere Stengel, minder weiche und weiße aber haltbarste Faser, welche sich besser zu groben Geweben eignet; b) Klang- oder Springlein (L. usit. var. crepitans, auch L. humile) mit größeren, elastisch aufspringenden Kapseln, helleren Samen, welche man dadurch gewinnt, daß die Kapseln auf Planen an die Sonne gelegt werden, wobei sie von selbst aufspringen, niedrigere und ästigere Stengel, welche den feinsten F. liefern. Beide Arten kommen als Früh- und als Spätlein vor. c) Zweijähriger oder Winter flachs (L. bienne und L. africanum), seltener gebaut; d) Weiß blühender oder sizilianischer Lein mit sehr schweren Samen und e) Königslein (L. usit. var. regale), sehr hoch, 1.5 m, mit sehr festem Bast, kleinen und blassen Samen, erst seit etwa 1850 aus Holland in den Handel gebracht. Vom Schließlein kommen hauptsächlich in den Handel: der „Tonnenlein“, in Tonnen verpackter russischer