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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Ginghams; Ginsengwurzel; Gips; Glanzleinwand; Glas

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Ginghams - Glas

für diesen Artikel. - Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 9 e.

Ginghams (frz. guingan, engl. gingham) sind eine Gattung gestreifter oder gewürfelter Gewebe, die ursprünglich nebst ihrem Namen aus Ostindien kamen (Bengal stripes) und meist aus Baumwolle mit einigen Fäden Basteinschuß bestanden. Sie wurden dann in England, Frankreich und Deutschland in verschiednen Sorten nachgemacht, aus Seide und Bast, Baumwolle und Bast, Baumwolle und Leinen, ganz Leinen oder ganz Baumwolle. Gegenwärtig beschränkt sich der Name nur auf diese letztere Sorte, leinwandartig gewebte, buntgestreifte oder gewürfelte Zeuge von verschiednen Feinheitsgraden, 0,7 bis 1,0 m breit. Man nennt den Artikel auch englische oder schottische Leinwand, besonders die fest geschlagenen und geglätteten Sorten. Mit Seidenfäden durchschossene nennt man Indiennes. G. werden in den meisten Webereidistrikten Deutschlands viel gefertigt, teils für den innern Konsum, mehr noch zur Ausfuhr über See. - Verzollung: Gem. Tarif im Anh. Nr. 2 d 3 - Indiennes Nr. 30 f.

Ginsengwurzel (Kraftwurzel, Radix ninsi oder ginseng). Die Chinesen legen bekanntlich einen hohen Wert auf eine gewisse Wurzel, die ihnen als ein Stärkungs- oder Reizmittel dient, und die sie nicht allein aus dem Norden ihres eigenen Landes, sondern auch von auswärts, aus Japan, Nepaul und neuerdings auch aus Nordamerika beziehen. Die Pflanzen, von welchen diese Wurzeln kommen, gehören dem Geschlecht Panax an; in Amerika ist es P. quinquefolia, ein Gewächs, das bei uns in Gärten und Anlagen als Blattpflanze nicht selten vorkommt. Die Amerikaner setzen nach ihren Handelsberichten jährlich für ½ Mill. Doll. dieser Wurzeln nach China ab; in unserm Arzneischatz dagegen hat sich die Drogue keine Stelle erringen können. Sie erscheint bei uns vielmehr nur als Verfälschung, da sie nicht selten der Senegawurzel beigemischt ist und aus dieser sorgfältig ausgelesen werden muß. - Zollfrei.

Gips (Sparkalk, lat. Gysum oder Calcaria sulfurica, frz. gypse oder plâtre, engl. gypsum); ein aus wasserhaltigem, schwefelsaurem Kalk (Calciumsulfat) bestehendes Mineral, findet sich in verschiednen Varietäten, teils dicht und derb als festanstehendes Gestein, teils in faserigen Aggregaten (Fasergips) oder als lockere schuppige Masse (Schaumgips) oder endlich in mehr oder weniger großen Kristallen als Gipsspat, Fraueneis oder Marienglas (glacies Mariae), s. Fraueneis. Auch der Alabaster ist seiner chemischen Zusammensetzung nach G., also wasserhaltiges Kalksulfat. Der G. ist weicher als der Kalkstein, läßt sich daher leicht gewinnen, er ist meist weiß, seltener farbig; er löst sich in ungefähr 400 Teilen Wasser auf, diese Lösung wird Gipswasser genannt. Beim Erwähnen ^[richtig: Erwärmen] über 100° C. verliert der G. Wasser und ist bei 170° C. vollkommen wasserfrei; solcher G. wird gebrannter G. genannt und bekanntlich in großen Mengen hergestellt. Derselbe hat die Eigenschaft, beim Anrühren mit einer passenden Menge von Wasser (beim Brennen verliert er 21% Wasser) wieder zu erhärten, indem er das Wasser chemisch bindet. Auf dieser Eigenschaft beruht seine Anwendung zur Herstellung vielerlei Gipsguß-Gegenstände. Der gebrannte G. wird im feingemahlenen Zustande verkauft. Wird der G. zu stark gebrannt, d. h. bis auf 220° C. erhitzt, so verliert er die Eigenschaft, Wasser zu binden und damit zu erhärten, man nennt ihn dann totgebrannt. Wasserfreier G. findet sich auch schon in der Natur als fest anstehendes Gestein und heißt mineralogisch Anhydrit. Der gemahlene natürliche G. wird zuweilen unter dem Namen Annalith als Füllmasse für Papier oder zur Herstellung weißer Glanzpapiere verwendet. Den gebrannten G. benutzt man wie schon erwähnt, zur Herstellung von Gipsgußarbeiten, namentlich: Gipsfiguren, Stukkaturarbeiten, Gipshohlformen, ferner zu chirurgischen Zwecken (Gipsverband), zu Estrich, zum Stereotypieren etc.; den totgebrannten zu gewissen Glasurmassen. - G. ist zollfrei, ebenso Gipsabgüsse von Statuen, Münzen etc. Gipswaren, einschließlich der Formen zur Herstellung plastischer Gegenstände sind gem. Tarif im Anh. Nr. 33 d 1 bezw. Nr. 33 d 2 zollpflichtig.

Glanzleinwand (Glanzschetter, frz. treillis, engl. trellis) ist locker gewebtes, teils roh, teils gebleicht, teils im Stück gefärbt vorkommendes Leinenzeug, das zur Appretur mit Stärke und Gummi überstrichen und mit einem Glättstein glänzend gemacht worden ist. Es dient als steifes Futterzeug zu Kleidern und Hüten, zu Tuchkappen etc. Es werden jetzt derartige Zeuge größtenteils aus Baumwolle gewebt und wohl auch noch G., richtiger Futterkattun genannt. - Verzollung: leinene s. Tarif im Anh. Nr. 22 e u. f; baumwollene Nr. 2 d 1-3.

Glas (lat. vitrum, frz. verre, engl. glass); dasselbe ist wie allbekannt ein künstlich erzeugtes Material zu einer erstaunlichen Menge von Waren für den verschiedenartigsten Bedarf, ein Produkt der Zusammenschmelzung von Kieselsäure mit verschiednen Basen, ein Stoff, der mit unserm ganzen bürgerlichen, technischen und wissenschaftlichen Leben so innig verwachsen ist, daß er gar nicht daraus hinweggedacht werden kann, um so weniger als alle Ersatzmittel unzureichend wären die Lücke auszufüllen. Die Erfindung des G. ist eine sehr alte und ihre Geschichte dunkel; schon im Altertum war die Glastechnik zu beträchtlicher Höhe gediehen, wenn auch nur in der Richtung auf Schmuck- und Luxuswaren. Die Grundlage aller Gläser ist immer der Kiesel, vom Chemiker Kieselsäure genannt, weil der Stoff sich in der That wie eine Säure verhält, also mit basischen Körpern Verbindungen eingehen kann, die dann theoretisch als Salze zu betrachten sind. In diesem Sinne ist denn auch das G. ein amorphes Gemenge verschiedner kieselsaurer Salze oder Silicate. Der Kiesel kommt in seiner reinsten Form als Bergkristall vor, der aber kein Material der gewöhnlichen Glashütten ist, sondern nur zu feinen Glasflüssen, besonders zu den künstlichen Edelsteinen und optischen Gläsern dient. Für gewöhnliches G. verwendet man eine andre Form des Kiesels, den Quarz oder auch den Feuer-^[folgende Seite]