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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Gold

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Glycerin - Gold

schaft bekannt, jetzt aber bildet es einen Gegenstand massenhafter Fabrikation und des vielseitigsten Verbrauchs. Das G. kann aus allen Fetten und Ölen, welche sich zu Seife verkochen lassen, gewonnen werden, ohne jedoch schon darin fertig gebildet enthalten zu sein. Während man nämlich früher annahm, Kali, Natron etc. trete beim Seifekochen mit dem Fett direkt zu Seife zusammen, hat sich später gefunden, daß der Fettstoff sich bei diesem Prozeß in zwei Bestandteile spaltet, von denen nur der eine sich mit dem Alkali verseift, während der andre so verdrängte sich sogleich mit Wasser chemisch bindet und nun erst G. bildet, das sich in der Lauge auflöst. Bei jedem Seifesud ist also die Unterlauge glycerinhaltig; der Stoff findet sich da freilich in noch sehr unreinem Zustande. In der Stearinsäurefabrikation, wo die Herstellung einer unlöslichen Kalkseife das erste Stadium bildet (s. Stearin) fällt eine Lauge ab, die weniger unrein ist als Seifensiederlauge, und hauptsächlich Kalk enthält. Sowohl diese Laugen, als auch die Unterlaugen der Seifensiedereien werden auf G. verarbeitet. Man dampft dieselben so weit ein, daß die darin enthaltenen Salze sich großenteils ausscheiden, und bringt das Produkt dann als Rohglycerin in den Handel. Die Glycerinraffinerien kaufen dasselbe von den Stearinfabriken auf und reinigen es. Dieses Rohglycerin kommt in großen Mengen aus Holland, Frankreich und Rußland. Das Rohglycerin wird dann durch Behandlung mit Knochenkohle und Filtration gereinigt, besser aber noch mit hochgespannten Dämpfen einer Destillation unterworfen. Am direktesten geht die Wilson'sche Methode zu Werke, indem dabei gar keine Verseifung vorgenommen, sondern dieselbe Zerlegung, die dort das Alkali bewirkt, durch überhitzten Wasserdampf erreicht wird. Indem das zu zersetzende, in einer Destillierblase befindliche Fett der fortdauernden Einwirkung des nahe 300° heißen Dampfes unterliegt, sammeln sich in der Vorlage zwei Schichten, oben die Fettsäure und darunter in Wasser gelöstes G., das noch von unangenehm riechenden Zersetzungsprodukten zu befreien ist. Im Handel hat man das G. in verschiednen Reinheitsgraden, je nach dem Zwecke, zu dem es dienen soll, ebenso auch in verschiednen Konzentrationsgraden, die man nach dem Aräometer von Baumé bestimmt. Ganz chemisch reines, stärkstes G. ist eine vollständig geruchlose, farblose, durchsichtige, süßschmeckende Flüssigkeit von Sirupkonsistenz und 30° Bmé.; es fühlt sich schlüpfrig an, löst sich in jedem Verhältnisse leicht in Wasser und in Alkohol, aber nicht in Äther und Chloroform. Aus der Luft zieht es mit Begierde (nach und nach bis zu 50%) Feuchtigkeit an und muß daher in gut verschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden. Unter gewissen Umständen kann das wasserfreie G. auch zum Kristallisieren gebracht werden. Beim Erhitzen an der Luft verflüchtigt sich ein Teil des G. unzersetzt, ein andrer Teil wird jedoch zersetzt und entwickelt sehr scharfe, die Augen zum Thränen reizende Dämpfe von Acrolein und Essigsäure. Im Vakuum dagegen, sowie auch mittels hochgespannter Wasserdämpfe läßt sich das G. unverändert überdestillieren. Bei gewöhnlicher Temperatur ist das G. nicht brennbar, dagegen lassen sich die aus heißem G. entwickelten Dämpfe entzünden und das G. brennt dann, wenn es genügend heiß ist, auch selbst mit. Seiner chemischen Natur nach ist das G. ein dreiatomiger Alkohol, dessen Äther (Glyceryläther, Glyceryloxyd) mit den Anhydriden der Fettsäuren die Öle und Fette bildet. Im Handel hat man für die einzelnen Sorten folgende Bezeichnungen: Rohglycerin, gelblich braun; unangenehm riechend; gelbliches G. (flavosum); raffiniert weiß (album); destilliert, absolut farblos und doppelt destilliert, chemisch rein. Eine besondre Sorte ist dann noch das kalkfreie; es braucht nicht chemisch rein zu sein, darf aber keinen Kalk enthalten, da es als Zusatz zu Toilettenseifen verwendet wird. Hinsichtlich der Konzentrationsgrade führt man im Handel Glycerin von 16-30° Bmé., am gangbarsten sind die Sorten von 24 und 28° Bmé., weniger gesucht sind 16-18° und 30° Bmé. - Reines G. darf nicht sauer reagieren, sondern muß ganz neutral sein. Die weniger reinen Sorten enthalten zuweilen kleine Mengen Schwefelsäure oder Buttersäure. Die Gegenwart von Kalk erkennt man leicht, wenn man das G. mit destilliertem Wasser verdünnt und etwas oxalsaures Ammoniak zusetzt, an der hierbei entstehenden weißen Trübung. Reines kalkfreies G. bleibt klar. - Die Verwendung des G. ist eine sehr mannigfaltige; halbgereinigtes G. von 16-18° Bmé. wird zum Füllen von Gasuhren benutzt, da ein solches auch in strenger Kälte nicht friert, sondern nur das wasserfreie; es muß für diesen Zweck vollständig säurefrei sein, damit die Metallteile der Gasuhren nicht angegriffen werden. Ferner benutzt man die weniger reinen, aber hochgradigen Sorten zur Anfertigung der Buchdruckerwalzen, die aus G. und Leim bestehen; in der Gerberei dient das G. zum Geschmeidigmachen des Leders, auch in der Musselinweberei, Zeugdruckerei und in Appreturanstalten wird es verwendet. Sehr bedeutende Mengen von G. werden jetzt zur Fabrikation von Nitroglycerin und Dynamit verbraucht, wozu sich nur ein möglichst reines eignet. Dasselbe dient ferner als Zusatz zu Weinen, Bieren, Likören, zur Konservierung von Früchten, zu medizinischen Zwecken, namentlich äußerlich zum Einreihen aufgesprungener Hände, als Zusatz zu Toilettenseifen, zur Bereitung von künstlichem Senföl und von Ameisensäure mittels Oxalsäure. Dies sind wenigstens die wichtigsten Verwendungen dieses interessanten Stoffs. Versendet wird das G. in großen Fässern von Holz, neuerdings auch von Eisenblech, kleinere Mengen in Glasballons. - Zoll: G. sowie die zur Bereitung dienende Lauge, sind zollfrei.

Gold (lat. aurum, frz. or, engl. gold). Dieses allbekannte und allgesuchte metallische Element bildet nicht nur einen der wichtigsten Hebel des Gewerbfleißes und Handels, sondern selbst eine starke welthistorische Triebfeder, die auf die Unternehmungen und Schicksale ganzer Völker, auf Entdeckung, Eroberung und Besiedelung so mancher Länder entscheidenden Einfluß geübt