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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Grassamen; Graupen

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Grassamen - Graupen

Das Fassen der Graphitstengel in Holz geschieht jetzt wohl allgemein nach der neuern Art, wobei die Hülse nicht mehr aus zwei Stücken, sondern aus einem ganzen, längs durchbohrten Stäbchen besteht, in welches der mit Leim bestrichene Graphitstengel eingeschoben wird. Da man jetzt überdies zur Anfertigung der Hülsen Maschinen hat, so geht dieser zweite Teil der Fabrikation äußerst rasch. Zum Fassen der besten Sorten dient das sog. Zedernholz (s. d.). Mittelfeine Sorten erhalten eine Hülse von sog. westindischen Zedern- oder Zuckerkistenholz, von Cedrella odorata. Für geringere Sorten kommen einheimische Hölzer, Weißbuchen, Weißerlen, Pappeln, Ahorn zur Verwendung. Färben, Beizen, Polieren der Stifte kommt jetzt häufiger als früher vor. - Der G. ist unschmelzbar und trotz seiner Kohlenstoffnatur auch sehr schwer verbrennlich. Ein Gemisch von G. und feuerfestem Thon gibt eine Schmelztiegelmasse, welche besser ist als der Thon allein oder vermischt mit Sand, weil der G. dem Schwinden und Reißen im Feuer entgegenwirkt und der Masse nicht nur Beständigkeit in sehr hohen Temperaturen, sondern auch gegen raschen Temperaturwechsel verleiht. Schmelztiegel dieser Art (Graphittiegel) sind daher bei Gold- und Silberarbeitern, in Münzwerkstätten und sonst ein viel gebrauchter Artikel. Sie dienen besonders auch zum Schmelzen des Gußstahls und durch die heutige Ausdehnung dieser Stahlindustrie ist die Bedeutung des Tiegelgraphits sehr gestiegen. Die Tiegel haben noch das Angenehme, daß sie sich ihrer Glätte wegen rein ausgießen lassen. Die Passauer Tiegel werden schon seit länger als hundert Jahren zu Hafnerzell bei Passau aus dem dortigen unreinen, stark kiesel-, thon- und eisenhaltigen G. unter Zußatz ^[richtig: Zusatz] von etwa der Hälfte feinem Thon gefertigt. In neurer Zeit wird auch ceyloner G. mit verwendet. Die Gefäße werden aus dem steifen Teig gepreßt und nicht gebrannt, sondern nur lufttrocken gemacht. Sie sind teils konisch, teils dreieckig geformt, in sehr verschiednen Größen und Raumgehalten. Die passauer Ware soll übrigens die alte gute Qualität nicht mehr haben. Sie hat Konkurrenz in Österreich teils schon von früher, namentlich die Tiegel von Ips an der Donau, teils in neurer Zeit an mehrern Örtlichkeiten Böhmens entstandene. - G. ist zollfrei. Bleistifte werden gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a, Schmelztiegel gemäß Nr. 38 b verzollt. (Carbonstifte für Wellenlager von Maschinen Nr. 5 a.)

Grassamen, bedeutender Handelsartikel. Die rationelle Landwirtschaft begnügt sich nicht mit dem Ertrag der natürlichen Wiesen und Weiden, sondern sucht diesen zu steigern durch gelegentliche Einsaat oder durch zeitweisen Umbruch und Einsaat, besonders beim sog. Kunstwiesenbau. Da, wo das System der Feldgraswirtschaften üblich ist, im Norden an den Seeküsten und im Gebirge werden die Felder abwechselnd mit Gemengen von Klee- und Grassamen bestellt und auch anderwärts hat sich neuerdings immer mehr der Gebrauch der Kleegemengssaaten an Stelle der reinen Kleesaaten eingebürgert. Die Landschaftsgärtnerei bedarf zu der Herstellung von Zierrasen ebenfalls alljährlich in großen Mengen des G., so daß für diesen ein sehr beträchtliches Absatzgebiet gesichert ist und Hunderte von Zentnern alljährlich gebraucht werden. Die Zucht von G. geschieht in besondren Handelsgärtnereien, z. B. Quedlinburg, Erfurt und anderwärts, ein sehr bedeutender Betrag der in den Handel kommenden G. wird aber durch Lokalhandel geliefert und dieser bezieht die Ware vom Sammlern, welche in den Wäldern den G. gewinnen, zum Teil auch auf Wiesen mit und ohne Erlaubnis der Besitzer. Am schwunghaftesten wird das Sammeln von G. in Hessen betrieben; bei Darmstadt gibt es ganze Gemeinden, welche sich vorzugsweise damit beschäftigen, aber auch in Oberhessen findet man fleißige Sammler und kleinere Händler, welche alle meist das Produkt nach Frankfurt a. M. an Großhändler abgeben. In den Waldungen wachsen die Gräser meistens vereinzelt und kann man leicht einzelne Sorten in ziemlicher Reinheit erhalten. Seitens der großen Handelsgärtner geschieht die Zucht der Gräser behufs Samengewinn mit besondrer Sorgfalt im Einzelbau auf oft großen Flächen; von da aus ist der Bezug reiner, unverfälschter Waren und bestimmter Sorten sicher. Die G. sind nicht leicht zu unterscheiden, da viele Sorten in ihrem Samen ziemlich ähnlich sind und von den zur Aussaat beliebten Saaten verwandte Abarten von geringerem Werte vorkommen. Man hat deshalb neuerdings besondre Samenkontrolstationen eingerichtet; der Kaufmann wird gut thun, sich deren Hilfe zu bedienen, wenn er G. von kleinen Händlern oder Privatsammlern eintauscht. Für den Handel mit von Handelsgärtnern gekauften Samen ist zu merken, daß die Gemische nach Boden und Meereshöhe verschieden sein müssen, da einzelne G. besser in der Ebene, andre in der Höhe, die einen auf bündigen, die andern auf leichten Böden etc. gedeihen. Sehr oft findet mit sehr gutem Samen der erwünschte Erfolg nicht statt und wird über den Händler geklagt, während der Mißerfolg nur in der schlechten Mischung lag. Der Händler muß sich von dem Abnehmer Boden, Lage etc. beschreiben und die Zusammenstellung von kundiger Hand besorgen lassen; noch besser wird man thun, wenn man Gebrauchsanweisungen nach bewährtem Rate Sachverständiger mit gibt. Deutschland hatte im Jahre 1878 an Wiesen und Weiden 10,5 Mill. ha und 2,4 Mill. ha Klee und Gräser ohne die Gärten, Parks etc. Der Bedarf an G. ist dafür wenigstens (Wiesen und Weiden zu nur 1/10 zur Aussaat gerechnet) 100 bis 150 M. kg. 1 m. Ztr. der besten Gräser kostet von 45 (Goldhafer) bis 200 M. (Wiesenfuchsschwanz, Gemische zu Wiesen 70, zu Rasenplätzen 80 bis 90 M.). Die Landwirte ziehen sich zum Teil den G. selbst und sehr viele ergänzen den Wiesenbestand durch natürlichen Samenausfall. Der Handel mit G., verständig betrieben, bietet noch die Aussicht guter Zukunft, da überall noch mehr Verwendung sich finden kann. - Zollfrei.

Graupen (franz. froment mondé, engl. Pearl-barley); dieselben bestehen bekanntlich aus dem von der Schale und den Spitzen befreiten Inhalte von Getreidekörnern und zwar so, daß entweder