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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Guarana; Guignets Grün; Guineapfeffer

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Guano - Guineapfeffer

daß die Lager der Chinchas bis auf einen geringen Rest erschöpft sind, und es wird auch behauptet, daß sich an der ganzen peruanischen Küste kein Stoff von gleicher Güte mehr vorfinde. Die vorzugsweise gute Qualität des peruanischen G. beruht darauf, daß es in dem ganzen Küstenstriche vom 2.-21. südlichen Breitengrade niemals regnet, weil die hohe Andenkette die Regenwolken nicht hinüberläßt. Es gibt dafür im Jahre nur zwei Nebelmonate. Es sind auch auf dieser ganzen Strecke die Bedingungen für die Anhäufungen von G. die nämlichen; derselbe Fischreichtum der See, dieselben Myriaden grauer Guanovögel und überall auf Felsen und in Buchten der Küste Rast- und Brutstätten mit Guanolagern. Die Qualität dieses Festlandsprodukts mag indes wohl geringer sein wegen vielen Flugsandes, den die Landwinde hinzuführen, und außerdem sind die Lager häufig ganz unzugänglich oder könnten nur mit ungeheuren Schwierigkeiten und Kosten abgebaut werden. Der G., den die andern beiden Küstenstaaten, Bolivia und Chili, in den Handel bringen, steht schon dem peruanischen an Qualität nach, mag aber doch, namentlich der bolivische, oft als peruanischer gehen. Dem Äußern nach ist der echte Peruguano eine lehmgelbe oder bräunliche, teils erdig krümliche, teils in Klumpen zusammengebackene Masse von scharfem Ammoniakgeruch und salzigem Geschmack. Seine wirksamen Bestandteile sind Stickstoffverbindungen und Phosphorsäure, letztere in Verbindung mit Kalk und Magnesia. Der Wert aller Guanosorten wird nach ihrem Gehalte an Stickstoff und Phosphorsäure bestimmt. Der Gehalt des Stickstoffs (in Form von Ammoniaksalzen, Harnsäure, Guanin) ist äußerst schwankend und wechselt selbst in guten Sorten zwischen 5 und 14% und fehlt in manchen Sorten fast ganz. Guter trockner Peruguano enthält 12-14% Stickstoff und 8-12% Phosphorsäure. Häufig wird auch aufgeschlossener Peruguano offeriert, welcher ganz wie Knochenmehl einen gewissen Zusatz von Schwefelsäure erhalten hat. Hierdurch ist der sonst im Erdboden sehr langsam lösliche neutrale phosphorsaure Kalk in Gips und leicht löslichen sauren phosphorsauren Kalk (Superphosphat) umgewandelt worden, welcher eine sofort zur Aufnahme bereite Pflanzennahrung bildet. Dieser aufgeschlossene Peruguano ist jetzt gebräuchlicher, als der rohe. Nächst dem Peruguano sind noch als stickstoffhaltige aber minderwertige Sorten zu erwähnen, der Lobosguano, Ischaborguano (von einer kleinen Insel an der Südwestküste Afrikas), der ägyptische G. und der nicht mehr im Handel vorkommende Angamosguano. Unter denjenigen Guanosorten, welche nur kleine Mengen oder gar keinen Stickstoff mehr enthalten, die dagegen außerordentlich reich an Phosphorsäure sind, spielt die Hauptrolle der Bakerguano von der Bakerinsel im stillen Ozean; er erscheint als erdige, lehmfarbige geruchlose Masse. Andre diesem ähnliche Sorten sind: Saldanhabayguano, Jarvisguano, Boliviaguano, Sombreroguano etc. Der Wert dieser Sorten richtet sich nur nach dem Phosphorsäuregehalt und da sie fast stets mittels Schwefelsäure in Superphosphat umgewandelt werden, auch nach den Prozenten an löslicher Phosphorsäure. (Vergl. Superphosphate. -

Da Verfälschungen des G. mit wertlosen Stoffen nicht selten sind, so empfiehlt es sich, diese Ware vom Verkäufer unter Garantie des angegebenen Gehaltes an Stickstoff und Phosphorsäure zu kaufen und eine Probe untersuchen zu lassen. - Peruguano muß an trocknen Orten aufbewahrt werden, da er leicht Feuchtigkeit anzieht. Der Verbrauch von G. aller Art ist ein sehr bedeutender und mit jedem Jahre steigender. Gewohnheitsmäßig führen die Namen G. auch einige andre Düngemittel, die nicht aus Vogelexkrementen bestehen, so Fischguano, Walfischguano, Granatguano. -

Die Peru-Guanoeinfuhr in Deutschland ist Monopol der Firma Ohlendorff u. Co. in Hamburg, bezw. von englischen Firmen, die Einfuhr abnehmend des hohen Preises wegen; echter Peru bis 60 Mk. pro 100 kg; zur Erhöhung der Wirksamkeit verkauft man gemahlenen und aufgeschlossenen G., G.-Superphosphat, um 2-6 Mk. teuerer. Die europäische Zufuhr war am größten im Jahre 1856 mit 324 Mill. kg und 1870 mit 522 Mill. kg. - G. aller Art ist zollfrei.

Guarana (Pasta Guarana); eine Art Paste, die aus Brasilien kommt, wo sie von den Eingebornen am Amazonenstrome aus den Samen von Paullinia sorbilis, einem zu den Sapindaceen gehörigen Baume bereitet wird, teils zum eignen Verbrauch, teils zum Verkauf. Die gerösteten, gestoßenen und mit etwas Wasser zu einem Teige gekneteten Samen werden in längliche Kuchen geformt oder spindelförmig gerollt, an der Sonne oder im Rauche der Hütten getrocknet und bilden eine harte, rotbraune, etwas fettglänzende, mit helleren Samenbruchstückchen durchsetzte Masse. Geringeren Sorten ist viel Maniocmehl beigemischt. Die Masse quillt im Wasser auf, riecht eigentümlich, altem saurem Brote ähnlich, schmeckt adstringierend und gelinde bitter. Die Indianer benutzen die Masse zum Genuß in Form von Schokolade, wie auch als erregendes Heilmittel. Offizinell wird sie seit einigen Jahren gegen Migräne angewandt. Ihr Hauptbestandteil, Guaranin, in guten Sorten bis zu 5%, ist mit Kaffein (s. d.) ganz identisch. Die Stadt Santarem am Amazonenstrome soll jährlich gegen 500 Arroben oder 8000 kg G. exportieren; die Ware geht hauptsächlich nach England, Deutschland und Nordamerika. - Zollfrei.

Guignets Grün; eine in Wasser unlösliche, schöngrüne Maler- und Anstrichfarbe, aus wasserhaltigem borsaurem Chromoxyd bestehend; man hat sie als Ersatz für das so giftige Schweinfurtergrün empfohlen. - Zollfrei. Zu vergl. Anilinfarben.

Guineapfeffer; eine Benennung, die sich an verschiedenartige Gegenstände geheftet hat. Man versteht und verstand darunter den Cayennepfeffer und gewisse Formen des spanischen Pfeffers, sonst auch Paradieskörner oder Cardamomen. Ursprünglich heißen so die beißend brennenden Samen einer in Afrika heimischen Hablitzea, welche vor dem eigentlichen Pfeffer in Europa gebräuchlich waren, jetzt aber aus dem Handel