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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Harz; Harzöl; Haselwurz; Hasenfelle

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Harz - Hasenfelle

Harz (Resina). Unter H. schlechthin versteht man im Handel entweder das gemeine Fichtenharz (s. d.) oder, besonders in Handelsberichten aus Seehäfen, speziell das amerikanische Fichtenharz, das jetzt einen ganz massenhaften Einfuhrartikel in Europa bildet. Die besondern Harze, Kopal, Dammar, Mastix, Elemi etc. sind an ihren bezüglichen Stellen aufgeführt; Harzseifen unter Seife. - H. ist zollfrei.

Harzöl, Harzgeist. Bei der Destillation von Leuchtgas aus Fichtenharz wird als Nebenprodukt, wie von Steinkohlen der Teer, rohes Harzöl in der Menge von 20-25% erhalten. Durch die fraktionierte Destillation dieses Öls erhält man verschiedne Produkte, so bei Temperaturen von 120-130° C. den Harzgeist, auch Pinolin genannt, der als Beleuchtungsmittel, wie als Surrogat für Terpentinöl gebraucht werden kann, nachdem er vorher durch Schütteln mit Natronlauge entsäuert und durch Dampf destilliert worden ist. Durch weitere Destillation des Rohöls bei einer Hitzesteigerung bis zu 280° wird ein andres Produkt, ein bräunlich grünes dickeres Öl abgetrieben, welches fixes Öl oder Patentöl genannt wird. Es wird mit Schmierseife gemischt und erscheint so im Handel als Patentwagenfett, englische Wagenschmiere wie auch unter dem ganz unpassenden Namen Paraffinfett. - H. ist zollfrei; Patentwagenfett gem. Tarif im Anh. Nr. 5 e.

Haselwurz (Nierenkraut, Hasenkraut). Die zu den Giftpflanzen im weitern Sinne gerechnete europäische H. (Asarum europaeum, frz. asaret, engl. cabaric) zu den Aristolochieen gehörig, ist eine niedrige, in Bergwäldern unter Gebüsch, besonders Haselsträuchern wachsende Pflanze mit niedrigen Stengeln, glockigen, braunroten Blütenkelchen und langgestielten nierenförmigen Blättern. Der dünne, kriechende, graubraune, verloren vierkantige Wurzelstock - der offizinelle Teil, radix oder rhizoma Asari - ist hin- und hergebogen, knotig gegliedert, längsrunzelig und treibt zahlreiche Faserwurzeln. Die Wurzel hat einen eigentümlichen kampferartigen Geruch, schmeckt beim Kauen brennend pfefferartig und bewirkt im frischen Zustande Erbrechen. Sie enthält einen kampferähnlichen Stoff, das Asaron, und ein ätherisches Öl. Die gepulverte Wurzel reizt zum Niesen und hat ihre Verwendung in der Tierheilkunde. - Zollfrei.

Hasenfelle und -Haare. Der gemeine oder graue Hase lebt in ganz Europa wie in Asien, kommt auch in Amerika, aber nur an der Labrador- und Eskimoküste vor und ist überall derselbe, nur mit wenigen Varietäten in der Größe und Färbung. Dagegen variiert die Qualität des Haars doch ansehnlich in seinen verschiednen Heimatländern. Die höchstgewertetsten Felle liefert das asiatische Rußland; hieran schließen sich die der Ukraine und die sächsischen, dann folgen die der Krimm und Schlesiens, ferner die ungarischen, türkischen, englischen etc. Reichtum und Feinheit der Behaarung machen die Güte der H. aus; auf die Farbennuancen kommt nichts an, da die Felle nicht zu Pelzwerk, sondern lediglich dienen um für die Hutmacherei geschoren zu werden, indes die Häute dem Leimsieder verfallen. Bei dem so allgemeinen großen Konsum von Hüten ist aber auch der Handel mit Hasenfellen und Haaren ein äußerst umfänglicher und lebhafter und konzentriert sich nicht so wie der Pelzhandel auf einem Punkte. Ein starker Anteil fällt indes auf Leipzig, das seinen jährlichen Umsatz auf 1 Mill. mitteleuropäischer und 1½ Mill. russischer und asiatischer Felle anschlägt. Die Preise für graue Hasen variieren von 240-390 Mk. per Ballen von 500 Stück. -

Unser Hase geht in Europa nicht über den 60., im kältern Sibirien nicht über den 57. Grad nach Norden hinauf. Weiterhin hat der nordische oder weiße Hase sein Domizil, so hoch hinauf als er noch Nahrung findet. Diese Tiere sind nur in der Jugend etwas grau, werden dann weiß und bleiben so. In neuester Zeit sind diese weißen Hasen ein bedeutender Handelsartikel für den Rauchwarenmarkt geworden; dieselben werden aber nur wenig im naturellen Zustand zu Pelzfuttern, in großen Mengen aber, der herrschenden Mode entsprechend, schwarz gefärbt verwendet und bilden so ein beliebtes Pelzwerk zu Muffen, Kragen und Pelzbesätzen. Die Existenz einer besondern Art veränderlicher Hase, der im Sommer grau, im Winter weiß sein soll, ist etwas zweifelhaft. Eine Art halbgrauer, d. h. unten weißer, oben aschgrauer Hasen kommt indes in Rußland vor, ändert aber die Farbe nicht und lebt auch nicht im kältesten Norden. Die weißen Hasen bilden eine besondre Art für sich oder auch mehrere, denn während sie im allgemeinen viel kleiner als die grauen sind, machen doch die langohrigen weißen Bewohner der Labrador- und Eskimoküste eine Ausnahme, indem sie um die Hälfte größer sind als alle übrigen Hasen. Die weißen Felle liefert hauptsächlich Rußland aus den am nördlichen Eismeer gelegenen Ländern; andre kommen aus dem nördlichen Amerika. Es werden auch diese zum Teil in der Hutmacherei verbraucht. Die Preise der weißen Felle gehen von 80-150 Mk. die 100 Stück. Wie mehrere andre Sorten von Fellen werden auch die von weißen und bunten Hasen für den Handel zum Teil in ein Halbfabrikat verwandelt durch Zusammennähen von Teilstücken zu ganzen Tafeln. Es werden so die Rücken-, Seiten-, Bauchstücke und Ohren gesondert und für sich zusammengesetzt. Die Ohrentafeln haben Behaarung auf beiden Seiten, und wegen der schwarzen Ohrspitzen ein hermelinartiges Aussehen, das sie beliebt macht. -

Ein Teil der in der Hutmacherei gebrauchten Haare der Hasen kommt wie gesagt bereits von den Fellen abgeschnitten in den Handel und geschieht das Schneiden entweder gleich in den Herkunftsländern oder erst an den Umsatzplätzen wie Leipzig, häufig in Frankfurt a. M., Offenbach etc. Die Haare werden dabei gleich sortiert in Rückenhaare, als die besten, Seitenhaare, etwas heller und minder gut filzend, und Bauchhaare, die schlechtesten und nur zu geringen Hüten verwendbar. Es fallen jedoch die Haare sowie die von Kaninchen jetzt nicht mehr ausschließlich der Hutmacherei anheim, sondern dienen auch als Spinnmaterial. Sie werden in England mit andern feinen Haaren schon seit