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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Hering

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Hering - Hering

gegenüberliegende norwegische an Heringen die ertragreichste und zwar der südliche Teil, zwischen Bergen und Stavanger, während weiter im Norden der Kabliau vorherrscht. Der Heringsfang beschäftigt dort selbst mehr Hände als der des Kabliau; man schätzt die dabei beschäftigten Personen auf 60000. Es gibt dort zwei Perioden des Fanges, erstlich im August und dann von Mitte Januar bis Ende März. Die erste Ernte beträgt nach amtlichen Angaben durchschnittlich 200000, die zweite 600000 Barrels. Die Hauptabnehmer der Norweger sind Rußland und Schweden; ein andrer Teil geht über die deutschen Hafenplätze nach Polen und Deutschland. Die größten Fische befinden sich unter den norwegischen. Man fängt dort die Fische ebenfalls größtenteils mit Streichnetzen, zum Teil auch in Stellnetzen, welche man gegen diejenigen errichtet, welche schon zwischen die vielen Klippen und Inselchen der Küste hineingedrungen sind. Doch ist diese Fangart unsicher und beansprucht viel Netzwerk. Sehr unterstützt wird der Fischfang dort durch eine Telegraphenlinie, welche längs der ganzen Küste, oft durch unbewohnte Gegenden, bis zur russischen Grenze hinläuft und die Fischerbevölkerung rasch von allem in Kenntnis setzt, was sie interessieren kann. Während der Fangzeit haben die Fischer ihre Außenpost auf den Inseln; kleine Dampfer bugsieren die Flottillen der Fischerboote ins Meer hinaus und wieder zurück. In Schaluppen geht der Fang nach den nächsten Städten, Bergen, Stavanger etc., wo sie, größtenteils von Weibern, ausgenommen, gesalzen, dann in Fässer gepackt und diese zugeschlagen werden. Man tadelt an der norwegischen Ware, daß sie in Fässer von Fichtenholz gepackt sind, wovon sie einen Beigeschmack annehmen. Es kommen indes jetzt auch viel buchene Fässer vor. Die Ostsee ist nicht mehr so reich an Heringen wie in frühern Zeiten und die Tiere sind hier wie gesagt klein und nicht sehr voll. Schweden hatte früher reichere Ernten; es fischt noch an seinen Küsten von Gothenburg bis Strömstadt von Oktober bis Ende des Jahres und setzt seine Ware gut ab, da dieselbe wohlfeil und haltbar gesalzen ist. Der Fang an den preußischen Ostseeküsten ist nicht von Belang und dieselben beziehen ihren Bedarf hauptsächlich von England und Norwegen. Zuweilen sind an den Küsten Rügens, zu Greifswald etc. wohl so große Mengen gefangen worden, daß sie in den benachbarten Gegenden zu Spottpreisen weggegeben wurden; es ist dies aber unsicher und soll der Fang überhaupt nur bei Nordwestwind thunlich sein, da Südwinde die Tiere von den Küsten wegtreiben. Die von den deutschen Ostseeküsten stammende kleine, aber gut gesalzne Ware wird pommersche Küsten- oder Strandheringe genannt. Die Dänen fangen, besonders bei Aalborg und Rypen auch H., die jedoch nicht die Größe der gewöhnlichen haben; sie fischen ferner um die Küsten Jütlands, die Faröer und Island herum. Die emdener und ostfriesischen H. sind besser als die von der holländischen Küste und gehen viel nach Bremen, Hamburg und Altona und von da ins Innere von Deutschland. Die hamburger eigene Fischerei in der Nordsee ist auch nicht von Bedeutung, sondern der Platz versendet hauptsächlich fremde Fische, nachdem dieselben dort geprüft, sortiert, mit neuem Salz umgepackt und mit dem hamburger Zeichen markirt worden sind. Frankreich findet an seinen Küsten im Kanal und der Bretagne nur sehr geringwertige Fische; der Ertrag ist auch nicht bedeutend und es muß noch viel hinzukaufen. - Da die Heringstonnen in den verschiednen Ländern nicht gleich groß und die Tiere selbst in ihrer Größe so verschieden sind, so wechselt auch die Stückzahl in einer Tonne in dem Umfange von 400-1200. Die Fische werden zum Teil gleich in der ersten Verpackung zum Handel versandt und heißen dann Seepack; sie sind dann unsortiert, die Hohlheringe nicht ausgeschlossen; die meiste Ware aber wird an den Handelsplätzen erst unter Beseitigung des Ausschusses wieder um- und vollgepackt und dies durch eine amtliche Stempelung der Fässer bescheinigt. In dieser Verfassung heißt die Ware Brandhering, full brand. Auf weiten Transporten rütteln sich die Fische immer noch zusammen und müssen aufs neue umgelegt, die Tonnen aufgefüllt und mit frischer Lake versehen werden. Hierbei findet sich öfter schon eine gelbe thranige Materie ausgeschwitzt, welche bei der Gelegenheit mit beseitigt wird. Für Norddeutschland wird dieses Umpacken in Hamburg, Bremen, Magdeburg besorgt, für weiter landeinwärts gehende Ware in Breslau, Cottbus etc. Zur guten Aufbewahrung der Fische ist erforderlich, daß die Fässer dicht sind und die Lake nicht fahren lassen, ferner daß sie im Winter frostfrei, im Sommer in kühlen Kellerlokalitäten gehalten werden. Neuer Hering zeigt auf dem Durchschnitt ein weißes Fleisch, alter ist gerötet. Die Ware ist überhaupt nur im ersten Jahre eine frische, im zweiten schon schlecht und nur zu den wohlfeilsten Preisen noch anzubringen. Über die Gesamtmenge von H., welche alljährlich an den europäischen Küsten gefangen werden, läßt sich schwer ein Urteil fällen, wahrscheinlich aber greift man nicht zu weit, wenn man annimmt, daß im Durchschnitt jährlich über 10000 Millionen Heringe gefangen werden. - Unter dem Namen Bücklinge oder Pöklinge erhalten wir denselben Fisch im geräucherten Zustande. Derselbe wird zu dem Behuf, nachdem er ausgeweidet worden, einen Tag in Salzlake gelegt, dann an den Köpfen auf Stäbe gereiht und in Rauchkammern oder Öfen, die mehrere tausend Stück fassen, einem stark rauchenden Feuer ausgesetzt, wobei er in etwa 24 Stunden genügend durchräuchert und abgetrocknet ist. Die Holländer verpacken ihre geräucherte Ware in Stroh, daher sie Strohbückling heißt. In England werden ebenfalls große Mengen geräuchert, besonders zu Yarmouth. Der Fisch heißt dann bei den Engländern Rothering. Für Deutschland sind besonders, Kiel, Flensburg, Eckernförde, Kappeln die Räucherungsanstalten. Das von dort Kommende heißt gewöhnlich durchweg Kappler Pöklinge und stammt angeblich von den Heringszügen, die alljährlich in die Schlei einziehen. Matjesheringe, die als frische Ware nicht mehr abgesetzt werden können, werden