Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

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Holz - Holz

Donau nehmen, während übrigens die Hauptmasse durch den Main und Neckar mit Zuhilfenahme der kleinen Zuflüsse zu denselben in den Rhein geschafft wird. Das badische Murgthal, das durch den Murgfluß mit dem Rhein direkt in Verbindung steht und sich durch seinen Reichtum schöner Hölzer auszeichnet, liefert dann auch seinen Beitrag, wie auch von der andern Seite, durch Saar und Mosel etc. schöne Hölzer auf die große Wasserstraße gesetzt werden. Mannheim bildet den Hauptstapelplatz für den Handel mit den hier zusammenkommenden Hölzern; Kastell bei Mainz ist eine ähnliche Station; es werden da aus den kleinern Flößen die großen sog. Holländerflöße zusammengebaut, welche alljährlich den Rhein hinunter nach Holland gehen, welches die Hölzer größtenteils selbst verbraucht. Die stärksten und schönsten Stämme von Fichten, Tannen und Eichen heißen speziell Holländerholz. Die großen Holländerflöße bestehen aus mehrern Tausend aneinander befestigter und 9-11 dm hoch übereinander gepackter Großbäume, haben einen Hauptteil, das Steifstück, von 150-240 m Länge, ein paar voraufgehende Nebenflöße und verschiedne Seitenanhänge; mehrere 100 Mann Ruderer und andre Dienstleute bemannen ein solches Floß, das für dieselben mit Wohnungen, Küche, Viehställen etc. versehen ist. Bretter, Latten, Böttcherholz etc. sind als Oblast aufgepackt. Der Hauptstapel- und Zerlegeplatz für diese schwimmenden Inseln ist Dortrecht. Es sind aber diese Holztransporte jetzt seltener geworden, da sie keine so sichere Rechnung mehr geben als früher. Die Fichten- und Tannenstämme nämlich sind, wenn nicht außergewöhnlich groß, nicht mehr gut anzubringen, da sie von Schweden und Norwegen wohlfeiler geliefert werden und besonders die Konkurrenz Kanadas und Nordamerikas die englische Kundschaft abwendig gemacht hat. Dagegen ist das Eichenholz, das ja überall seltner und teurer wird, in Holland stets gesucht und gut bezahlt; um aber das an sich nicht verflößbare schwere Eichenholz flott zu halten, muß es notwendig mit Nadelholz verbunden oder unterlegt werden; es erscheint das letztere also nur als ein notwendiges Vehikel, ein Fuhrwerk, das am Ende der Fahrt à tout prix verkauft werden muß. -

Die Donau dient natürlich auch zum Holztransport, indem namentlich Baiern auf der Isar, Iller, dem Inn, dem Hauptstrome viel Holz zuführt. Deggendorf, Regensburg, Kelheim sind Hauptstapelplätze für das auf der Donau schwimmende Holz; die Flößerei geht hauptsächlich nur bis Wien. Aus dem südl. Ungarn, Slavonien, Rumänien, Gallizien, wird Fichtenholz zu Resonanzböden in großen Massen sowie namentlich Faßholz (Stabholz) per Bahn nach Deutschland, Italien und Frankreich gebracht. Österreich selbst ist in allen Kronländern, mit Ausnahme von Dalmatien und Istrien, reich an Waldungen, und hier kommen noch am häufigsten (in den Alpen, Karpathen, Siebenbürgen etc.) die Fälle vor, daß das Holz wegen Unzugänglichkeit oder Mangel an Abzugsstraßen gar nicht zu verwerten ist. -

Holzhandel und Holzpreise. Die wichtigsten Plätze für den deutschen Holzhandel sind Danzig, Memel, Stettin, Königsberg, die Hansastädte, besonders für nordische und überseeische Hölzer, und die Plätze an den flößbaren Strömen: Rhein, Donau, Elbe, Weser, Weichsel mit Nebenflüssen, neuerdings auch Eisenbahnstationen in der Nähe größerer Waldungen oder an den Linien nach Österreich und Polen. Der „Deutsch-österr. Holzhändlerverein“, Vorsitzender A. Kröber, München, hat als Normalmaße bestimmt: Längen 3, 3.5, 4, 4.5, 5 und 6 m; Stärken: 1, 1.5, 2, 2.5, 3, 3.5, 4 und 5 cm; Breiten: 34, 32, 30, 28, 26, 24, 22, 20, 18, 16, 14 und 5 cm; Rahmen: 7/7, 7/10, 7/12, 10/10, 10/12, 12/12 cm; zehnfüßige Ware, Länge 3 m, Stärke 2 cm, Breiten 15, 20, 25, 30 cm für Stammholz. Vermessung in ganzen Metern der Länge nach. Stärke im mittleren Durchmesser ohne Rinde von 2:2 cm steigend, für geschnittenes und behauenes Bauholz. Annahme des vollen Längenmaßes nach Metern und Centimetern und der Stärke von Centimeter zu Centimeter. Für die Holzarten des Handels gibt es lokale Bezeichnungen in großer Menge und lokale Verschiedenheiten in bezug auf Abnahme im Walde, Transport aus dem Walde, Lagerung und Verfrachtung, besonders beim Verflößen. Die Flosse werden zuerst im Kleinen zusammengefügt, mit zunehmendem Fahrwasser und Verstärkung der Strombreite zu größeren Flößen und schließlich zu ganz großen mit vollkommenen Bauwerken für die zahlreiche Mannschaft. Die Hauptausladeplätze sind die an der Einmündung von Nebenflüssen in größere, z. B. Mannheim, Mainz, Koblenz am Rhein, und an diesen Orten gibt es auch ausgedehnten Holzhandel. Auf nicht floßbaren Flüssen wird das Holz in das Wasser geworfen und vom Wasser selbst weiter befördert. Durch Stauvorrichtungen kann es nach Bedarf festgehalten werden; besondre Arbeiter gehen dem Holze nach, um es da, wo welches hängen blieb, zu befreien. Ein derart geschwemmtes Holz erleidet Wertveränderung durch das Liegen im Wasser und wird auf den Floßhöfen entsprechend billiger verkauft. Für manche Zwecke muß man möglichst lange und ganz reine Dielen haben; solche kommen jetzt fast nur noch aus Norwegen, zum geringern Teil noch aus dem Schwarzwald. Das Bauholz (hartes, halbweiches und weiches) wird im Handel unterschieden in: Achs- oder Waldholz, direkt aus dem Walde geholt, und Flößholz, Rundholz, im Stamm, mit oder ohne Rinde. Ganzholz, Stämme in ganzer Länge, aber ohne Äste bis zum Stamm und ohne Rinde, Klötze oder Scheitholz, zu Sägeblöcken zerschnittene Stämme, Halbholz, einmal getrennt, Spaltholz, mehrfach und schon im Walde gespalten und aufgeklaftert, Kreuzholz, kreuzweise getrennte Stämme. Anderweitige Bezeichnungen sind lokale; in Preußen, je nach Länge und Stärke: extra starkes, starkes, Mittel- und Kleinbauholz, Rüst- und Lattenstangen, Balkenschleten oder Balkenschlieten, auch Balkenschloten, ganze oder gespaltene Bauspitzen; Balken, Riegelstämme, Sparren, Schalholzstangen und Bohlstämme bei Privaten. In Thüringen spricht man von spännigen Stämmen (1 bis 6spännig) und von Stichen, vierundzwanziger bis fünfziger Stich in 5 Sorti-^[folgende Seite]