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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Hopfenöl; Horn

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Hopfen - Horn

haltbarer gemacht werden; vorjähriger H. bildet aber nur bei nachfolgender schlechter Ernte noch einen verwertbaren Artikel, bei guter wird er wertlos, weil dann ohnedies Überproduktion stattfindet. Die Engländer und Amerikaner versenden nur gepreßten und geschwefelten H.; der Versuch, die wirksamen Bestandteile als Hopfenextrakt herauszuziehen, ist zwar gelungen, doch hat dieses in der Brauerei keinen wesentlichen Eingang finden können, weil es nur die im Wasser löslichen Bestandteile des H. enthält, auch Echtheit nicht kontroliert und leicht verfälscht werden kann. -

Der Handel mit H. ist daher sehr unsicher, Spekulationsgeschäfte gar nicht zulassend; es muß rasch gekauft und verkauft und kann höchstens von den Brauern selbst Lager gehalten werden. Der Frühhopfen ist der bessere, anspruchsvollere und leichter gefährdete, der Späthopfen der ertragreichere; der sehr dauerhafte Knoblauchshopfen steht zwischen diesen. Von jenen gibt es verschiedne Sorten. Als beste gelten der böhmische rote Saazer (Abart der pommersche oder Hengsthopfen), fast überall hin verbreitet, der Spalter (Spalter Stadtgut) und der Schwetzinger H. Der böhmische Grünhopfen, Landgut (Auscha) findet weniger außerhalb Verwendung. Guten H. liefern auch Falkenau und Pilsen, Hersbrück, Lauf, Ober-, Mittel- und Unterfranken, Schwaben und Neuburg mehr Landgut, Tübingen und Stuttgart, Neutomysl in Posen und die Reichslande (Hagenau, Bischweiler) Belgien (Ypern, Gent, Alost), England, Frankreich nur im Norden (Dep. Bousy und Bussigny, Nordamerika, neuerdings auch Australien, Neuseeland und Ostindien (Himalaya). Die Hopfenpflanze gibt in den Blättern ein brauchbares Futter, in den Ranken oder Reben Material zu Hopfenpapier oder Gespinsten für starke Zeuge (Schweden, Pommern), oder Brennmaterial oder bei der Drahtzucht Bindematerial zu Ranken der Stengel; für die Küche bilden die im Frühjahr aus dem Wurzelstock keimenden Sprossen, Hopfensprossen, Hopfenspargel, ein vortreffliches Gemüse. Die Güte des H. ist zunächst bedingt durch Lage, Boden und Klima; brauchbares Gut kann noch in vielen Gegenden gebaut werden, das beste bleibt aber auf die genannten Orte beschränkt: englischer und amerikanischer H. kommen nicht gleich, liefern aber zum Teil gute Ware. Vorzüglich zu H. ist der eisenreiche Thon-Lehmboden im Rottotliegenden, der Lehm-, Mergel- und thonige Kalkfelsboden, brauchbar auch der Sandboden besserer Art, nicht aber der stark bündige, der lockere, der torfig humose und der steinige und Kiesboden. Die Lage muß sorgsam gewählt werden, Schutz gegen rauhe, trockende ^[richtig: trockene] und feuchte Winde (Baumgürtel, Mauern) ist unbedingt nötig, beliebt der Hang gegen Süd und Südwest und eine vor starken Nebeln schützende Höhenlage. Gegenden mit schroffem Temperaturwechsel sind auszuschließen. Der Hauptanbau liegt in Europa zwischen dem 45. und 50.° n. Br.; das südliche Schweden und Südungarn bilden die Grenzgebiete. Da der H. als Rankengewächs an Stangen oder in Drahtzucht gebaut werden muß, so sind auch Gegenden mit heftigem Windwehen von Anbau auszuschließen. Die Pflanzung geschieht in Löchern, 1.3-1.8 m entfernt und gleiche Reihendistanz, sodaß etwa 3200-5800 Stangen auf 1 ha zu nehmen sind. Der Boden muß tief bearbeitet und stark gedüngt, in guter Düngung und unkrautfrei erhalten werden. Die Erde wird allmählich um die Pflanze hoch angehäuft, im Frühjahr wieder entfernt, um den Wurzelstock beschneiden zu können. Die weitere Kultur besteht im Stangensetzen, Anbinden und Anheften, Behacken, Ausblatten in Mannshöhe, Ausbrechen der Seitenzweige etc. Die Behandlung der Plantagen ist sehr kostspielig und erfordert viel Menschenarbeit. Der H. leidet durch die Witterung, durch Rußthau oder Schwärze, Kupferbrand oder Fuchs, Mehltau oder Fraß, Wurzelfäule, Vergilbung, Blattläuse, Schnellkäferlarven, Hopfenwurzelspinner, Erdflöhe, Hopfenzinsler und verschiedne andre Schmetterlingsarten und durch Unkraut, besonders europäische Seide. Sein Ertrag ist sehr unsicher. Wesentlich beeinflußt wird die Güte durch die Art des Trocknens; er soll die schöne grüne Farbe und das Hopfenmehl behalten, sicher und rasch trocknen, dabei aber nicht zu viel berührt werden. Man zieht das Trocknen auf Horden oder das Wenden mit Reiserbesen vor. Genügend getrocknet wird er in große Ziechen (Säcke) eingetreten und in diesen, in Spalt gestempelt, sonst mit Ursprungszeichen, Namen des Züchters etc., versehen, versendet. Die Zeichen sind kein sicheres Merkmal des Ursprungs, da die leeren Ziechen von Händlern aufgekauft werden. Die Hopfenplantage trägt erst vom 3. Jahr an, und nur etwa 12-15 Jahre lang; es muß daher jährlich eine entsprechend große Neuanlage und ebenso viel Umbruch stattfinden. Der Hopfenbau gehört vorzugsweise der Kleinkultur an, Anlagen von über 2 ha gehören schon zu den Seltenheiten, Viele bebauen nur einige Ar. Man erntet pro ha 0.8-8 m. Ztr. Dolden und 13-18 m. Ztr. trockne Blätter und gewinnt 300-500 Mk. Reinertrag und mehr. Guter H. muß grünlich gelb, nicht rot oder braun aussehen, sich klebrig anfühlen, zusammengeballt die Form einige Zeit lang behalten, stark aromatisch riechen, besonders beim Zerreiben reich mit gelben Drüsen bedeckt sein, im Bruch des Mittelstengelchens der Dolden hellweiß und beim Zerbrechen der Kätzchen einen deutlich sichtbaren Strich auf der Handfläche machen lassen. Vgl. unter Bier. - Zollsatz: 20 Mk., Tarif Nr. 14.

Hopfenöl (oleum lupuli aethereum); das ätherische, aromatisch riechende Öl des Hopfens; es wird durch Destillation mit Wasserdampf erhalten und geben die Hopfenzapfen hierbei nur 0,8%, das Lupuli allein 2%. Das H. ist dünnflüssig, bräunlichgelb und hat ein spezifisches Gewicht von 0,91, sein Siedepunkt liegt zwischen 125 und 235° C. Es verharzt leicht und nimmt dann einen Geruch nach Baldriansäure an. - Zoll: gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

Horn, Hörner, heißen bekanntlich die Stirnaufsätze gewisser Tiere, und es sind die des Rindergeschlechts der Menge ihres Vorkommens im Handel und ihrer Bedeutung nach so überwiegend, daß der allgemeine Ausdruck Hörner