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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

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Kabliau - Kabliau

mehrt haben. Von den zahllosen Scharen, welche bei Neufundland und überhaupt an den Küsten und Bänken des englischen Nordamerika gefunden werden, geben englische Naturforscher an, daß dort ihre eigentliche Heimat sei und sie von dem Seegewürm leben, welches in unendlicher Fülle auf dem sandigen Grunde jener Seegegenden lebt. Gegen den Winter aber verschwänden sie, um in dem benachbarten Polarmeere zu laichen, was sie dort in aller Ungestörtheit thun können. Mangel an Unterhalt triebe sie dann wieder in ihre frühern Standquartiere zurück, sobald die See wieder offen werde. Dagegen hält man in Norwegen den K. für einen Zugfisch in umgekehrter Richtung, dessen Hauptarmee des Laichens halber gegen Mitte Januar von Norden komme und sich in verschiedne Kolonnen teile, deren jede sich nach einer gewissen besondern Richtung weiter begebe. Die Fische gehen an der Küste herab bis Christiansand; weiter südlich liegen die Felder für die Heringsernten. Sie erscheinen in solchen Mengen und in so tiefgehenden Zügen, daß man öfter mit dem Bleilot sondieren muß, um zu wissen, wie tief die Netze zu versenken sind. Die Netze werden nur bei Nacht geworfen, während man bei Tage mit Angeln fischt. Die hauptsächlichsten Fischgründe Norwegens sind die Lofodden und das gegenübergelegene große Westfjord; doch gewinnt man einen ziemlichen Anteil des Erträgnisses weiter nördlich an der Küste von Finnmarken, wo die Fischerei auch einige Monate länger dauert und sich auf mehrere Thranfischarten erstreckt. Etwa 4000 Schiffe mit einigen 20000 Fischern sind in der dreimonatlichen Fangzeit an den Lofodden und im Westfjord versammelt. Der gesalzene Fisch heißt in Norwegen Salzdorsch; es werden dazu die stärksten und fettesten Tiere genommen und das Einsalzen geschieht besser als bei den großen amerikanischen Fischereien, daher auch die norwegische Ware jener vorgezogen wird. Stockfisch kann nur auf den Lofodden bereitet werden, da anderwärts die zur Lufttrocknung nötigen trockenen Winde nicht vorhanden sind. Die Trocknung dauert mehrere Monate. Die gesalzene Ware ist entweder definitiver Salzfisch oder wird durch späteres Auslegen an die Luft zum Klippfisch. -

Außer Norwegen gibt es in Europa keine so reich gesegnete Fischregion weiter. Die Briten haben viele Fischereigründe um Schottland und die benachbarten Inselgruppen, Shetlandsinseln, Hebriden, Orkaden, Faröer, Orkneys, die aber alle nicht mehr die frühern reichen Erträge geben, zum Teil ganz verlassen sind. An den Shetlands und Orkneys wird noch am meisten gefangen, wie auch an den Küsten von Essex, Suffolk, Norfolk, Lincoln etc. Alle diese nähern Fischereien senden ihre Erträge frisch ins Land, besonders nach London. Zu den nahezu schon erschöpften Fischgründen gehört auch die sonst so reiche Doggerbank, eine große Sandbank und Untiefe zwischen Jütland und England. Im Jahr 1860 wurde ein neuer fabelhaft reicher Fischgrund entdeckt, die große Sandbank um die kleine Felsinsel Rockall zwischen Island und den Hebriden, wo die in ungeheurer Zahl vorhandenen Tiere zugleich solche Größen hatten, wie sie sonst gar nicht bekannt waren. Einzelne Exemplare waren bis zu 50 kg schwer. Natürlich wurde ein solches Eldorado bald von Fischerflotten überschwemmt und so konnte es denn nicht fehlen, daß im Laufe einiger Jahre auch hier das Meiste fortgenommen war und von der reichen Fundgrube von Rockall jetzt keine Rede mehr ist. -

In alten Zeiten, vor der Entdeckung von Neufundland, waren die größten bekannten Fischgründe an den Süd- und Westküsten Islands; dort versammelten sich die Fischerflotten aller seefahrenden Nationen. Gegenwärtig kommen von fremden Schiffen nur noch eine Anzahl französischer und holländischer dorthin und die Eingebornen betreiben die Fischerei in Anzahl von etwa 10000 Mann. Gefischt wird von März bis in den August. Die Ausfuhr von Island ist beständig gesunken und betrug 1865 noch circa 25000 Ztr., meistens Klipp- und wenig Stockfisch. Eine Erschöpfung der Fischbestände ist dort wenig wahrscheinlich und es mag der Rückgang mehr daher rühren, daß der Fang in dem sich verschlechternden Klima schwieriger wird. Zudem sind die Isländer unbemittelt und können den Fang nur in kleinern Fahrzeugen betreiben. Die reichsten und ausgedehntesten Fischfelder liegen jenseit des Oceans an den Küsten von Neufundland, Neuschottland und Neuengland. Die „große Bank“ östlich von Neufundland bildet hier das Hauptquartier der Stockfische. Gegen 300 Jahre schon wird in diesen Gegenden von Schiffen mehrerer Nationen der Fischfang betrieben und derselbe ist noch immer der großartigste der Welt. Bei der Wichtigkeit der hier zu machenden See-Ernten gab es früher öfter Streit unter den Teilnehmenden und regulierende Staatsverträge, nach welchen jetzt folgende Ordnung gilt: Außer England als Besitzer von Neufundland, Kanada etc. dürfen sich nur noch die Nordamerikaner und Franzosen am Fange beteiligen. Erstere haben das Recht, in den englischen Territorien überall bis auf 3 engl. Meilen von der Küste zu fischen und auf allen unbewohnten Inseln Fische zu trocknen; die gleichen Rechte sind den Engländern an den Küsten der Vereinigten Staaten zugestanden, wo aber nicht viel zu fangen ist. Die Franzosen haben sich von ihrer ehemaligen Herrschaft in diesen Gegenden nur so viel gerettet, daß sie an den Küsten nicht, sondern nur noch auf den Bänken fischen, keine Häuser am Lande, sondern nur Schuppen zum Behuf des Trocknens und Einsalzens anlegen dürfen und zwar lediglich auf zwei kleinen, bei Neufundland gelegenen Felsinseln St. Pierre und Miquelon, die einzigen nordamerikanischen Besitzungen der Franzosen, die ihnen speziell zu diesem Zweck belassen wurden. Aber trotzdem die Engländer die eigentlichen Hausherren sind, hat sich ihr Anteil seitdem immer mehr reduziert und die Amerikaner, durch die größere Nähe, durch Unternehmungsgeist und Maßregeln ihrer Regierung begünstigt, haben sich zu Hauptnutznießern gemacht, und die Franzosen, die etwa 200 Schiffe mit 3000 Mannschaften senden, tragen den entsprechenden kleinern Anteil davon. Englische Fischerei existiert eigentlich nur noch um die Neufundland-^[folgende Seite]