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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Kaffee

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Kaffee - Kaffee

die Farbe verändert sich beim Lagern und besonders an feuchten Lagerorten, sie wird deshalb auch künstlich hergestellt, so daß auch dieserhalb das Waschen der Bohnen sich empfiehlt, zum mindesten für Proben. Zu dem gemahlenen K. werden meistens nur geringe Sorten verwendet und zu dem Pulver außerdem noch vielfache Zusätze gegeben, so daß nur von bewährten Firmen K. im gemahlenen Zustande gekauft werden darf. Die bekanntesten Sorten sind:

a) Mokka oder arabischer K., bester, in Europa kaum zu haben, zwei Sorten, verschifft von Ormus aus, in kleinen Bohnen von Kairo durch Karawanen von Mokka gebracht, gelbgrün, länger aufzubewahren. Beste Sorte Bahouri, nur für den Großherrn und die Vornehmen des Reichs bestimmt. Zweite Sorte Saki und Selabi, beste nach Europa Epinoche, klein, bräunlichgelb, bester Geruch;

b) Levantischer oder Alexandriner (Abessynischer), fast nur, weil nebst Mokka am feinsten und teuersten, im Orient selbst verbraucht.

c) Java oder Cheribon, in Europa am häufigsten, Auslese und nicht, beste Sorten weißlicher, gelbbräunlich, glänzend, geringere Sorten bräunlich oder bräunlichgrün. Java Menado von Celebes, gelb, blaßgrünlich, großbohnig. Sumatra, groß, dunkelgelb und braun, oft mit schwarzen Bohnen vermischt, geringste ostindische Sorte, meist für Asien (China). Malabar oder Mysore, wenig aromatisch, Manilla, zu den besten gehörend, aber selten in Europa. Ostindischer oder Madras, ebenfalls zu den besten gerechnet. Surinam, dunkelgrün, von eigentümlichem Geruch, in Holland sehr beliebt, Martinique, bester aus les Anses d'Arlet; Mascareigne, gelb, länglich, ohne Geruch, in Frankreich beliebt. Guyana, bes. von Arouva, schön, rundkörnig, dem Mokka ähnlich. Grüner Bourbon und Grenada, Guadeloupe mit angenehmem Geschmack, Reunion, Barbados, Kuba und Domingo, grüner Brasil od. Brasilianischer, groß, länglich, bläulichgrün und gelblich, billiger im Preis und massenhaft exportiert: Rio, Maranham, Santos und Campinas, weiß, als die besten, Bahia, die geringsten, Para und andre Arten. Venezuela, Costarica und Guatemala, besser. Somali, aus Afrika, dem Mokka am ähnlichsten, Gabon, von der afrikanischen Westküste, gut, aber schlecht gesammelt und sortiert. Sultans- oder Sakkakaffee, Cafi à la Sultane, ist Aufguß von dem getrockneten und gerösteten Fruchtfleisch, in der Levante als Getränk gebräuchlich, in Europa als Kaffeesurrogat bekannt, weniger erhitzend als echter K. -

Cafe mondé ist ausgehülster K., Kischer, ein im Orient bei ärmeren beliebtes Getränk aus den Schalen der Bohnen bereitet. Ein weinartiges Getränk wird aus dem frischen Fruchtfleisch in Arabien bereitet, aus den an Kaffeïn sehr reichen Blättern in Sumatra und Java wird ein Theesurrogat gewonnen. -

Die große Mannigfaltigkeit der Sorten ist nur durch Übung zu beurteilen. Versendet wird der K. als Gut, Mittel, Ordinär und Triage, geringste Qualitäten, zerbrochene und mißfarbige Sorten, in Säcken oder in Ballen von 300-400 kg. Marinierter oder havarierter K., solcher, welcher im Seewasser gelegen hat, ist die schlechteste, billigste Ware, und nur durch längeres Waschen genießbar. -

Aufbewahrt muß K. an Orten werden, welche trocken sind und frei von stark riechenden Waren, da er fremde Gerüche stark anzieht. Bei guter Aufbewahrung in reiner trockner Luft verbessert sich der Geschmack, bis zu 3 Jahren bei feinen guten und bis zu 6, selbst 10 Jahren bei geringen rauhern Sorten. -

Bezug. Hauptmarkt für K. in Arabien ist Beit al Fakich; Aleppo und Suez beziehen ihn von hier aus durch Karawanen, ferner Dschedda (Dschidda) und Mekka. Hauptausfuhrhafen jetzt Aden; in Europa sind London, Liverpool, Brüssel, Rotterdam, Amsterdam und Hamburg, Bremen und Lübeck, Kopenhagen die Hauptplätze, ferner für orientalische und ostindische Ware Livorno, Venedig, Marseille, für französische Kolonialwaren Havre de Grace, Nantes, Bordeaux, Dünkirchen, Rochelle. In Holland und England kauft man in Auktionen; levantinischer K. kommt in Ballen zu 300 bis 400 kg, man handelt in Marseille mit 9, in London mit 10 kg Tara und 6½% Skonto, in Hamburg mit 15 kg Tara. Java und Ceylon in Kavallings zu 10 Ballen oder 1225 kg, in Matten pro Ballen 6 kg Tara und 1 kg für Staub etc., in Leinen- oder Pfeffertuch 2.5 kg Abzug für Staub. Gutgewicht 1%, Ausschlag an der Wage 1.5 kg. In Nantes 1% Ausschlag, in Bordeaux ohne solchen, in Rochelle 1% Gutgewicht und 2% Rabatt, in Hamburg ½% Gutgewicht, in Amsterdam, Martinique, Domingo etc. in Gebinden netto Tara, in Ballen 6% und 2% Gutgewicht, Skonto bis 2%. -

Erzeugnis und Verbrauch. Das Gesamterzeugnis an K. kann jetzt für den Handel zu 500 Mill. kg veranschlagt werden, davon liefern etwa durchschnittlich: Brasilien fast die Hälfte, Java und die holl.-ostind. Kolonie 70-75 Mill., Ceylon 42-45 Mill., Domingo 30 Mill., die übrigen Bezugsorte alle unter 10 Mill. kg. Der Verbrauch hat sich fortdauernd gesteigert. Man rechnet jetzt für die Niederlande 8.12, Belgien 4.14, Norwegen 3.96, V. St. von Nordamerika 3.75, Kapkolonie 3.5, Schweiz 3.03 kg pro Kopf, alle andern Länder haben einen Verbrauch von weniger als 3 kg, an oder über 2.5 kg noch Schweden, Dänemark, Deutschland, zwischen 1.5 und 1.0 kg Frankreich und Österr.-Ungarn, zwischen 0.5 bis 0.75 Griechenland, nicht ganz 0.5 kg Italien, England, Portugal, und nur 0.1 kg Rußland. Das ganze Erzeugnis und der Verbrauch in den K. bauenden Ländern sind nicht genau bekannt.

- Die Preise sind sehr wechselnde, je nach Jahrgang; es galten z. B. gut ordinärer Java 1848 = 17 und 20, 1850 = 80, 1857 = 43, 1858 = 27, 1864 = 46, 1868 = 30, 1869 = 42, 1871 = 47, 1874 = 72, von da ab als Schwankungen in rascher Folge 65, 68, 50, 58, 51, 53, 51, 59, 57 Cts. (à 1.7 Pf.) pro Pfund im Großhandel. Die Extreme waren also 1848 mit 34 und 1874 mit 122 Pf. Nimmt man als Durchschnittspreis jetzt 1.25 Mk. an, so ist die Gesamthandelsmenge von 500 Mill. kg ein Wertobjekt von 625 Mill. Mk. und der Jahresbetrag schwankend zwischen 500 und 700 Mill. Mk.