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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Kantharidin; Kantillen; Kappern

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Kantharidin - Kappern

sie gehen ferner auf Rainweiden, Holunder, Geisblatt, und bedecken die befallenen Bäume und Sträucher immer in großer Menge. Sie können dann viel weiter an ihrem starken Geruche wahrgenommen als gesehen werden. Übrigens ist ihr Riechstoff nicht der blasenziehende; der letztere heißt Kantharidin (s. d.). Man sammelt die Käfer in den Monaten Juni bis August, indem man sie in den frühesten Morgenstunden, wo sie noch träge sind, auf untergebreitete Tücher abschüttelt, in Glasflaschen füllt und durch Einbringen von etwas Terpentinöl oder Essig u. dgl. tötet. Sie werden dann an der Sonne oder in gelinder Wärme bis zur Pulverisierbarkeit getrocknet und in gut verschlossenen Flaschen oder Büchsen aufbewahrt. Die Hauptverwendung der K. ist die zu Zugpflastern (Spanischfliegenpflaster, Emplastrum Cantharidum s. vesicatorium und Druott'sches Pflaster), außerdem werden auch Tinkturen daraus bereitet. -

Die über Hamburg kommende Einfuhrmenge von K. beträgt durchschnittlich etwa 15000 kg jährlich; England und Frankreich brauchen jedes etwa 20000 kg. -

Außer den gewöhnlichen K. gibt es noch eine sehr große Anzahl ähnlicher Käfer, welche ebenfalls blasenziehend wirken und in manchen Ländern auch verwendet werden; es sind dies z. B. die persischen K., Mylabriscolligata und maculata, die blauen oder violetten ostindischen K., Lytta Gigas; ferner benutzt man in Nordamerika sehr häufig Epicanta vittata und cinerea. Bei uns wird zur Bereitung von Kantharidin sehr häufig die chinesische K., Mylabris Cichorii, benutzt, weil diese die doppelte Menge davon enthält; dieser Käfer hat braune, nicht metallglänzende Flügeldecken, mit schwarzen und gelben Querstreifen; die Ware kommt jetzt in größern Posten von China aus zu uns. - Alle Kantharidenarten sind dem Wurmfraß sehr unterworfen und schimmeln leicht; sie sind zollfrei. Kantharidenpapier gem. Tarif im Anh. Nr. 27 b. - Der Preis ist circa 7½ Mk. pro kg.

Kantharidin (Kantharidinsäure, Cantharidinum); das blasenziehende Prinzip der Kanthariden (s. d.); es bildet kleine, farblose und geruchlose Kristalle, die bei 210° C. schmelzen und unzersetzt sublimieren; es ist saurer Natur und wird daher besser Kantharidinsäure (acidum cantharidinicum) genannt. Diese sowohl, als auch das kantharidinsaure Kali (Kali cantharidinicum) kommen jetzt im Chemikalienhandel vor (K. kostet 4½ Mk. pro g); letzteres ist noch wirksamer als K., denn 0,00017 g kristallisiertes kantharidinsaures Kali in der 200fachen Menge in Wasser gelöst, wirken mittels eines Leinwandläppchens von 1 Quadratcentimeter Flächeninhalt auf die Haut gelegt, gewöhnlichem Kantharidenpflaster ganz gleich; 0,00006 g in 500facher Verdünnung ziehen zwar keine Blasen mehr, bewirken aber noch deutliche Rötung der Haut. - Zollfrei.

Kantillen (Cantillen, frz. Bouillon oder cannetille, engl. bullion, purl). - Es sind dies Erzeugnisse der Gold- und Silberdrahtspinnerei, die hauptsächlich zu militärischen Abzeichen, wie Epauletten, Portepees, Tressen, Quasten u. dgl. verwendet werden. Der hierzu dienende Gold- und Silberdraht ist entweder von kreisrundem Querschnitt in den verschiedensten Stärken, oder er ist breitgewalzt, bandartig und heißt dann Lahn. Reiner Golddraht wird nur selten und dann auch nur in den feinsten Nummern verwendet, gewöhnlich ist der hierbei zur Verwendung kommende Golddraht nur vergoldeter Silberdraht. Die Stärke dieser Vergoldung ist sehr verschieden und herrschen hierüber in manchen Ländern gesetzliche Bestimmungen. Sehr viele Gold- und Silberfäden werden dadurch hergestellt, daß man Seidenfäden mit Gold- oder Silberdraht überspinnt, sodaß man von der Seide nichts mehr sieht. Diese werden auch zu Tressen, Borten, Schnüren etc., sowie zur Herstellung von Gold- und Silbergeweben (Draps d'or und Draps d'argent), Stickereien u. dgl. benutzt. Die eigentlichen K. bestehen aus biegsamen, hohlen Cylindern, welche dadurch erhalten werden, daß man den Draht oder Lahn schraubenförmig um einen massiven, stählernen Cylinder auflaufen läßt, welcher der verlangten Stärke entspricht, also von der Dicke einer feinen Stricknadel bis zu der eines starken Bleistifts. Bei der Verwendung von Runddraht erhält die K. ein matteres Aussehen, mit dem spiegelnden Lahn dagegen hergestellt, erscheint sie stark glänzend (Glanzkantillen oder Glanzbouillon). Wird der Faden nicht über cylinderförmige Spindeln, sondern eckige gesponnen, so entstehen an den Kanten regelmäßige Knickungen, welche sich aus der geradlinigen Reihenfolge in eine etwas gewundene verziehen und dadurch der Ware ein gekräuseltes Aussehen verleihen (Krausbouillon). Man fertigt auch K. aus unechtem Gold- und Silberdraht. -

Zoll: K. aus echtem Gold- oder Silberdraht s. Tarif im Anh. Nr. 20 a; aus Draht von unedeln, echt vergoldeten oder versilberten Metallen Nr. 20 b 1. Gewöhnlich werden K. nicht aus Lahn allein, sondern in Verbindung mit Gespinstfäden gefertigt. Die Verzollung findet dann den letzteren entsprechend gem. Tarif Nr. 30 e 2 d 3, 22 h oder 41 d 6 α, je nachdem die Fäden seidene, baumwollene, leinene oder wollene sind, statt.

Kappern (Kapern, frz. capres, engl. Capers, ital. Capperi) sind die Blütenknospen des Kappernstrauchs (Capparis spinosa), der an sonnigen, felsigen Stellen der Mittelmeerküsten, sowohl der europäischen als der afrikanischen, wild wächst und nach Bedarf auch angepflanzt wird, besonders in Südfrankreich. Das Gewächs ist ein dorniger, rankender Strauch von 1½-2 m Höhe mit vierblättriger, blaßrötlicher, den wilden Rosen ähnlicher Blüte, auf welche eine fleischige Schotenfrucht folgt. Die Knospen werden gesammelt, wenn sie Pfefferkorn- bis Erbsengröße erreicht haben und noch ganz geschlossen sind. Dies geschieht in Frankreich, welches die meisten und besten K. verschickt, von Weibern und Kindern der Landbevölkerung und es wird dabei so verfahren, daß die Knospe noch ein Stückchen ihres langen Stiels behält. Nachdem dieselben durch Ausbreiten im Schatten etwas abgewelkt sind, werden sie in Fässern mit gesalzenem Essig überschüttet und an die Saleurs verkauft, welche das