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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Kiefernholz

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Kerzen - Kiefernholz

gelten können und natürlich im Handel als solche verkauft werden. In neurer Zeit fertigt man in Österreich und seit kurzem auch in der preußischen Provinz Sachsen K. aus gleichen Teilen Paraffin und Stearin, die viel Beifall finden. Sie werden Melanylkerzen genannt. Walratkerzen sind in neurer Zeit durch das ganz ebenso gute billigere und schöne Paraffin bei uns fast ganz verdrängt worden. In England und Nordamerika sind sie noch viel in Gebrauch; übrigens kaufen die Engländer in Deutschland auch Paraffin. Die Walratkerzen sind ein kostspieliger Artikel, besonders da sie rasch wegbrennen. Dieser Kerzenstoff verhält sich in seiner Eigenschaft, großkristallinisch zu erstarren, dem Stearin ähnlich und bedarf, damit er eine homogene Masse gebe, eines Zusatzes von einigen Prozenten Wachs, und da die Masse beim Erstarren so sehr schwindet, daß die Güsse auf den ersten Wurf zur Hälfte hohl werden, muß man die Höhlung durch Nachgießen ausfüllen. Übrigens hat der Guß solcher K. keine Schwierigkeit und bedarf keiner besondern Vorrichtungen. -

Das Wachs dagegen ist wieder ein Stoff, der Schwierigkeiten macht, indem er sich gleich dem Paraffin zu fest an die Formen hängt und im Innern der Güsse gern Hohlräume bildet. Man hat sich daher in der gewöhnlichen Praxis für Wachslichter des Formgusses nicht bedient, sondern des Angießens. Man hängt nämlich die Dochte über dem Schmelzkasten senkrecht auf und begießt sie von oben herab so lange, bis sie die verlangte Dicke haben. Die regelmäßige Form erhalten sie dann durch Rollen mit einem Brett auf einer glatten Tafel. Große Altarkerzen werden ganz durch Rollarbeit fertig gemacht. Übrigens sind die Schwierigkeiten, die das Wachs dem Formenguß entgegengesetzt, nicht unübersteiglich, und es werden in neurer Zeit tadellose und schöne Wachslichter durch Gießen erzeugt, namentlich in einer Berliner Fabrik. -

Aus Palmwachs werden jetzt auch viel K. gegossen, es eignet sich infolge seiner Härte und seines hohen Schmelzpunktes sehr gut hierzu. Die Fortschritte in der Kerzenfabrikation, überhaupt haben sich nicht nur auf die Verbesserung der Darstellungsweisen und auf die Veredelung des Materials, sondern bekanntlich auch auf die Einrichtung der Dochte erstreckt. Diese sind bei den Stearin- und Paraffinkerzen viel schwächer als bei Talglichtern und bestehen nicht aus parallel laufenden Baumwollfäden, sondern sind aus drei Strähnen geflochten und haben überdies eine chemische Behandlung erfahren, welche ihre Verzehrung beim Brennen vervollständigen soll. Diese K. putzen sich also gleichsam von selbst. In dem Maße, wie die Dochtenden frei werden, krümmen sie sich nach außen, sodaß sie in den nicht leuchtenden, aber sehr heißen äußern Mantel der Flamme hineinreichen, wo sie bis auf die Asche verzehrt werden. Die Krümmung ist lediglich Folge des Flechtens, welches eine ungleiche Spannung hervorruft. Die Ingredienzen, mit welchen die Dochte getränkt werden, heißen Beizen, sie sind verschiedner Art und sollen auf verschiednen Wegen den Zweck des vollständigen Abbrennens erreichen. Nicht selten machen Fabriken aus ihrer Beize ein Geheimnis. Im allgemeinen sind die Mittel entweder Sauerstoff abgebende, wie Salpeter, chromsaures Kali u. dgl., oder sie sollen die schnellere Zerstörung des Dochtes bewirken, wie Schwefelsäure, oder endlich sind es solche Stoffe, welche in der Hitze mit den Aschenbestandteilen des Dochtes in schmelzende Verbindung treten und dadurch das große Volumen der Asche auf ein verschwindend kleines reduzieren. Solche Stoffe sind Borsäure, phosphorsaures Ammoniak etc. Sämtliche Beizen werden nur in sehr verdünntem Zustande angewandt. Um das häßliche Abrinnen und dadurch herbeigeführte Vergeuden des Materiales der K. zu beseitigen, fertigt man häufig K. mit Kanälen (Hohlkerzen). Die Erzeugung von K. hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Höhe erreicht und es ist schwer zu begreifen, wie alle diese Fabrikate verbraucht werden können neben elektrischem Licht, Gas, Photogen, Solar- und Rüböl; dabei ist weder Talg, noch Stearin und Paraffin wohlfeiler geworden. Die Fabriken haben zwar nicht mehr so hohe Gewinne wie ehemals, aber die Massenproduktion läßt sie doch gut auskommen. Über die Fabrikatmenge der so häufig in Deutschland und Österreich bestehenden Stearinkerzenfabriken fehlen Zahlen; aber auch die viel kleinere Produktion von Paraffinkerzen ist an sich schon kolossal: in der Gegend von Halle bis Zeitz werden von den sechs bedeutendsten Geschäften auf 138 Gießmaschinen täglich 552000 Stück oder circa 1100 Ztr. K. geliefert. Hierzu kommt noch das Erzeugnis einiger österreichischen Fabriken in Aussig, Florisdorf, Mährisch-Ostrau, Wien, Neupest, Temesvar, Stockerau und Hermannstadt. Sie bringen zusammen mit 66 Maschinen täglich 264000 Stück fertig und verarbeiten nicht Braunkohle, sondern galizisches Erdwachs (s. d.), von welchem jährlich circa 120000 Ztr. gegraben werden. Diese könnten aber für die obige Stückzahl unmöglich ausreichen, und es muß also die Zentnerzahl zu niedrig gegriffen sein oder die Angabe der Fabriken bezieht sich auf ihre Stearin- und Paraffinprodukte zugleich. Diese aus dem galizischem Erdwachs gefertigten K., die Ozokeritkerzen oder Ceresinkerzen, können jetzt auch, ohne daß das Erdwachs vorher destilliert wurde, wobei es Zersetzung erleidet und leichter schmelzbares Material liefert, von ganz weißer Farbe hergestellt werden und haben dann größere Härte und einen höheren Schmelzpunkt als die Stearinkerzen. - Zoll: K. aller Art s. Tarif im Anh. Nr. 23.

Kiefernholz (Föhrenholz); das Holz der verschiednen Arten der Gattung Pinus. Man unterscheidet: 1) Gemeines Kiefernholz, von Pinus sylvestris, ist gelblich weiß, mit braunrotem, verschwindend kleinen Mark, zahlreichen Harzporen und regelmäßigem, engmaschigen Holzgewebe; es ist leicht, sehr harzreich, läßt sich unter allen Nadelhölzern am wenigsten gerade spalten; es ist dauerhaft gegen Witterungseinflüsse und wird zu Grubenbauten in Bergwerken, Brunnenröhren, Balken, namentlich aber zu Fensterrahmen benutzt.

2) Schwarzföhrenholz, das Holz der österreichischen Kiefer, Pinus laricio var. austriaca; dasselbe