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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Klatschrosenblätter; Klauenfett; Kleber; Kleesalz

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Klatschrosenblätter - Kleesalz

20° Cartier; zuweilen wird es auch bis zu 24° gebrannt. Durch längeres Lagern wird das K. feiner und milder und verliert den anfangs etwas herben Geschmack. - Zoll: gem. Tarif im Anh. Nr. 25 b.

Klatschrosenblätter (Klapperrosen, flores Rhoeados), die getrockneten Blumenblätter des roten Feldmohns (Papaver Rhoeas), sie bilden, obschon das Gewächs ein häufiges Unkraut ist, doch einen regelmäßigen Artikel des Droguenhandels. Die frisch gepflückten Blätter müssen zum Trocknen sehr dünn an der Luft ausgebreitet werden und bekommen dann noch eine Nachtrocknung in der Ofenwärme, worauf sie wegen ihrer Geneigtheit Feuchtigkeit anzuziehen mit gutem Verschluß verpackt werden müssen. Die trockne Ware wiegt etwa ein Zehntel der frischen Blätter und ihre Farbe ist in violettrot übergegangen. Es wird sehr auf ein tiefes Rot gesehen. Sie besitzen viel schleimige Teile und einen etwas bittern Geschmack, enthalten ein Alkaloid, das Rhöadin, welches auch im Opium vorkommt, sowie einen dunkelroten Farbstoff, die Rhöadinsäure; man benutzt sie in Abkochung als reizmilderndes, einhaltendes Mittel, zu Brustthee, Gurgelwassern etc. Auch bereitet man daraus einen Syrup. - Zollfrei.

Klauenfett (Knochenöl, Axungia pedum tauri); das flüssige Fett oder Öl, das aus dem Marke der gespaltenen Röhrenknochen der Rinder, Pferde und Hammel bei gelinder Wärme von selbst ausfließt. Am meisten geschätzt ist das durch bloßes Aussetzen der Knochen an die Sonne erhaltene. Es wird indes öfter durch mehrstündiges Kochen der zerschlagenen Beine mit Wasser oder Ausziehen mit Dampf gewonnen, von der Oberfläche des Wassers abgeschöpft und dem Ablagern überlassen, wobei es sich klärt und seine Unreinigkeiten fallen läßt. Solches Knochenöl bildet eine geringere, nur zu Seife taugliche Sorte, die aber raffiniert werden kann und dann der ersten Sorte gleichkommt. Das K. ist gelblich, geruchlos, etwas dickflüssig, wird auch erst gegen den Gefrierpunkt hin dicker, ist dem Ranzigwerden kaum unterworfen und hält sich daher an der Luft sehr lange unverändert. Es ist hiernach zum Schmieren von Maschinen tauglicher als die meisten andern Fettarten und daher hierfür wie zur Lederzurichtung sehr gesucht. Eben infolge seines Widerstandes gegen Lufteinflüsse dient es auch sehr wirksam zur Abhaltung des Rostes von Eisen- und Stahlwaren, die damit eingerieben werden. Ferner bereitet man daraus Uhröl, indem man es starker Winterkälte aussetzt und darnach den flüssig gebliebenen Teil von dem Geronnenen abpreßt. -

Das echte K. ist auf den Abdeckereien immer gesammelt, im Kleinen an Maschinenbesitzer vertrieben und hoch bezahlt worden. Jetzt bei veränderten Umständen müssen dergleichen Gelegenheiten selten geworden sein; das Schmierfett kommt dermalen unter dem Namen Knochenöl aus Fabriken, entweder solchen Anstalten, wie sie im Art. Bonefize beschrieben, oder aus den Fabriken von Knochenleim, und zum Teil aus solchen von Knochendüngemehl (vgl. Knochen). - Zoll: Konsistentes K. gem. Tarif im Anh. Nr. 26 c 4, flüssiges Nr. 26 a 1 bzw. Nr. 26 a 4.

Kleber (Gluten, Mehlleim, Collor, Triticin); diesen Namen führt der stickstoffhaltige und sehr nahrhafte Bestandteil des Getreidemehls und wird namentlich aus dem Weizenmehl bei Gelegenheit der Fabrikation von Stärke (s. d.) als Rückstand erhalten, sofern man wirklich mit Mehl arbeiten kann und nicht wegen Mahlsteuer den Weizen bloß gequetscht anwenden und den K. durch Gärung entfernen muß. Bei der Behandlung guten Weizenmehls mit Wasser erhält man aus 100 kg 12-20 kg K. Letzterer bildet im nassen Zustande eine fadenziehende, elastische, graugelbliche Substanz; trocken ist er hart, hornähnlich. Derselbe kann frisch unter Teig zu Backwerk, Klößen u. dgl. gearbeitet wie zur Hefebereitung benutzt werden. Um ihn versendbar zu machen, wird er wieder mit etwas Mehl gemengt, der Teig zerpflückt oder auf einer Körnermaschine in feine Klümpchen zerteilt und so getrocknet. In diesem Zustande ist die Masse zur Aufbewahrung und Versendung geeignet, gibt ein sehr nahrhaftes Mehl und wird besonders bei der Fabrikation von Nudeln, Makkaroni und Suppenfiguren mit verwendet. Der K. ist keine einheitliche chemische Substanz, sondern besteht selbst wieder aus vier verschiednen stickstoffhaltigen Substanzen, die man Glutenkaseïn, Glutenfibrin, Gliadin und Mucedin genannt hat. - Zoll: gem. Tarif im Anh. Nr. 25 q 1.

Kleesalz und Kleesäure (Oxalsäure); eine starke zweibasische organische Säure, die sich in vielen Pflanzen, teils an Kali, teils an Kalk gebunden vorfindet, unter andern auch im Sauerklee (Oxalis acetosella), daher der Name Kleesäure. In dieser Pflanze, sowie auch im Sauerampfer findet sich die Säure zum Teil an Kali gebunden, dieselbe enthält somit ein saures Salz, saures kleesaures Kali (Oxalium, Kali oxalicum acidum oder Kali bioxalicum), das sich leicht aus ihnen gewinnen läßt und früher, bevor man die künstliche Darstellungsweise, die bessere Rechnung ergibt, kannte, allein aus dieser natürlichen Quelle entnommen wurde. Namentlich in der Schweiz, im Würtembergischen, auf dem Schwarzwald beschäftigte man sich damit, die Sauerpflanzen in den Wäldern zu sammeln, den Saft auszupressen, zu klären und zur Kristallisation einzudunsten. Das Salz bildet weiße, undurchsichtige kleine Prismen und Pyramiden, schmeckt stark sauer und ist wenig in kaltem Wasser, gar nicht in Weingeist löslich. Von siedendem Wasser braucht es 14 Teile zur Auflösung. Um aus dem Salz die freie Säure darzustellen, also das Kali abzuscheiden, dient der Kalk, welcher mit der Säure ein in Wasser unlösliches Salz, den oxalsauren Kalk (Calciumoxalat), gibt. Eine Lösung des Kleesalzes mit einer Kalklösung - Chlorcalcium - versetzt, so lange ein weißer Niederschlag entsteht, hat alle Kleesäure an den Kalk abgetreten, der dann mit kaltem Wasser gewaschen und mit der benötigten Menge Schwefelsäure zersetzt wird, welche nun ihrerseits an den Kalk tritt und die Kleesäure frei macht. Jetzt bereitet man die Kleesäure nur noch auf künstlichem Wege und aus dieser das K. Die Kleesäure (Oxalsäure, Sauerkleesäure, acidum oxalicum) kristalli-^[folgende Seite]