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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Knochen

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Knochen - Knochen

fortbestehen und nur neue Formen annehmen, oder sie werden in verschiedner Weise zerstört und auf ihre einzelnen Bestandteile benutzt. Zur mechanischen Verarbeitung durch Drechsler, Schnitzer, Knopfmacher etc. (Beinarbeiten) dienen natürlich nur die festen Röhrenknochen größerer Tiere, Rinder, Pferde, Hirsche, und es werden diese Stücke, wenn thunlich, immer für diesen Zweck aufgespart, da sie sich so am besten verwerten lassen. Man hat auch, gestützt auf die fäulnisverhütenden Eigenschaften der Karbolsäure, sogar angefangen, Nutzknochen übers Meer, aus Südamerika zu beziehen. Das dieser Art der Verwendung zufallende Arbeitsmaterial legt gewöhnlich seinen ursprünglichen Namen ab und nimmt den technischen Namen Bein an. Die vielerlei beinernen Produkte sind hinlänglich bekannt. Die Knochen werden zu diesem Zweck ausgekocht, um das Fett daraus zu entfernen, dann an beiden Enden abgesägt und die Röhren an der Sonne oder in einer Pottaschenlauge gebleicht. Alles andre Knochenwerk nebst den Arbeitsabfällen von den großen Stücken gelangt zu den andern Verwendungen, von denen die hauptsächlichsten, schon den Massen nach, die sie beanspruchen, die Fabrikation von Knochendüngmehl, Knochenkohle und Knochenleim (s. Gelatine) sind. Das Knochenmehl zum Zweck der Bodendüngung wurde früher nur durch einfaches Zerkleinern der Knochen auf Stampfmühlen erhalten. Da aber die rohen Knochen durch ihre Elastizität dem Zerkleinern viel Widerstand entgegensetzen und andrerseits das gröbliche Pulver seine Dungkraft sehr langsam äußert, sucht man jetzt die Masse so fein als möglich zu mahlen und macht die Knochen dazu geeigneter durch vorheriges Dämpfen, indem man dieselben im geschlossenen Raum der Einwirkung heißer Wasserdämpfe hinreichend lange aussetzt und nachher wieder scharf trocknet. Bei der Dämpfung wird zuerst das Fett der Knochen ausgeschmolzen und dann folgt auch ein Teil der Knorpelmasse in Leim verwandelt nach. Verminderung an Knorpel aber ist Verminderung der Zähigkeit; die gedämpften Knochen lassen sich nachgehends viel leichter vermahlen als frische und geben das Dampfknochenmehl des Handels. Das Fett und der Leim, welche der Dampf ausgetrieben hat, sammelt sich mit kondensiertem Wasser am Boden der Gefäße als eine graue, dickliche Masse, die selbst etwas phosphorsauren Kalk enthält. Neuerdings verwendet man zum Entfetten der K. vielfach Benzin, welches man durch Destillation wieder gewinnt. Das Knochenmehl wird entweder ohne weiteres verwendet oder es wird durch einen bemessenen Zusatz von Schwefelsäure weiter „aufgeschlossen“, d. h. zur raschen Aufnahme durch die Pflanzenwurzeln geeignet gemacht. Der die Dungkraft bedingende Hauptbestandteil des K.düngers ist die Phosphorsäure, an Kalk gebunden, nächstdem der in dem organischen Teile der K. enthaltene Stickstoff. Die Knochen bestehen in ihren erdigen Teilen der Hauptsache nach aus dreibasisch phosphorsaurem Kalk, der in Wasser unlöslich und in der Ackerkrume nur langsam zersetzlich ist. Wird aber das Mehl mit so viel verdünnter Schwefelsäure gemischt, daß ein Brei entsteht, so entreißt die Säure dem phosphorsauren Kalk so viel Kalk, als sie braucht, um Gyps zu bilden, die verdrängte Phosphorsäure bindet sich nun sämtlich an den Rest des Kalks und bildet ein lösliches Salz, sauren phosphorsauren Kalk. Äußerlich bekundet sich die Umsetzung dadurch, daß der Brei sich erhitzt und beim Abkühlen zu einer kompakten Masse gesteht. Diese ist das Superphosphat des Handels und zwar das aus Knochen, denn der Begriff umfaßt noch einiges Andre (s. den Artikel in S). Das gedämpfte Knochenmehl guter Sorte soll nach den gewöhnlichen Angaben der Preiskurante 3-4% Stickstoff und 22-24% Phosphorsäure enthalten. Außerdem wird gewöhnlich noch fermentiertes Knochenmehl offeriert. Das frisch bereitete Mehl hat nämlich die Neigung, in dicken Lagen aufgeschüttet sich zu erwärmen und eine Art Gärung einzugehen. Früher suchte man diese Erscheinung durch öfter wiederholtes Umschaufeln zu verhüten, während man jetzt der Ansicht ist, daß die Masse sich dadurch noch verbessere. Den Gehaltsangaben zufolge verliert dieselbe durch die Fermentation etwa 1% Stickstoff. -

Der zweite wichtige Artikel aus Knochen ist die Knochenkohle, Tierkohle, in fein gepulvertem Zustande Beinschwarz oder gebranntes Elfenbein. Sie entsteht durch Ausglühen von Knochen unter Abhaltung des Luftzutritts in eisernen oder thönernen Retorten, die in einen Ofen wie die Gasretorten eingesetzt sind. Die Hitze läßt die Mineralbestandteile der Knochen in der Hauptsache unverändert, zersetzt aber den Knorpel und bildet ihn zum Teil in gasförmig entweichende Produkte um, und es bleibt eine stickstoffhaltige Kohle übrig, welche die Knochenstücke durch und durch schwarz erscheinen läßt. Hätte die Luft in die Retorten Zutritt, so würde die Kohle mit verbrennen und die K. weiß erscheinen (Knochenasche). Wie bei jeder trocknen Destillation tierischer Stoffe verdichten sich die entweichenden Dämpfe, in Vorlagen geleitet, zum größern Teil zu stinkendem brenzlichen Öl (Tieröl) und kohlensaurem Ammoniak; die Knochenschwarzfabriken machen aber in der Regel, da diese Nebenproduktion die Sache komplizierter macht und nicht immer lohnt, davon keinen Gebrauch, sondern leiten die Dämpfe ins Feuer, wo sie noch zur Verstärkung der Hitze beitragen. Man nimmt bei dieser Art des Betriebs das Brennen auch wohl in übereinander getürmten Töpfen vor, deren Boden immer die Mündung der untenstehenden schließt, sodaß nur die obern extra zu decken sind; es gehen dabei die entweichenden Gase unmittelbar in das umgebende Feuer. Die K. können zu schwach und zu stark gebrannt werden und geben dann eine wenig wirksame Kohle. Die Farbe muß ein mattes Schwarz sein; glänzende Kohle zeigt an, daß die Knochen samt dem Fett gebrannt worden sind. Auch Weichteile, Fleisch, hinterlassen eine glänzende wenig taugliche Kohle. Die gute Fabrikation hält sich daher ausschließlich an die Knochen. Gut gebrannte Knochenkohle besitzt infolge ihrer großen Porosität in noch stärkerm Maße als Holzkohle die Eigenschaft, eine Menge