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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Kobalt

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Kobalt - Kobalt

einzige für Glasflüsse, Porzellan und andre Schmelzfarben geeignete und bis zur geringsten Töpferware herab gebrauchte schöne Blau, das schon lange benutzt wurde, bevor man das Metall selbst kennen lernte. Dieses ist hart, stahlartig glänzend, nimmt eine schöne Politur an, behält an der Luft seinen Glanz lange Zeit, läßt sich abdrehen wie Eisen und ist ebenso stark magnetisch wie dieses; das spezif. Gewicht ist 8,5 der Schmelzpunkt liegt bei 1050-1250° C. In neuester Zeit hat man Eisen auf galvanischem Wege, anstatt zu vernickeln, zuweilen auch mit einer Schicht von metallischem K. überzogen.

Die Entdeckung, daß die sonst als ganz unbrauchbar herumliegenden Kobalterze einen Glasfluß schön blau färben, soll um 1550 in Sachsen durch Zufall gemacht worden sein und sich daran die Kobaltindustrie in Sachsen und Böhmen knüpfen; indes sind aus dem Altertum stammende blaue Gläser ebenfalls mit K. gefärbt befunden worden. Die Kobalterze sind in der Regel zugleich mehr oder weniger Nickelerze; beide Metalle, auch in Gesellschaft von Wismut-, Kupfer- und Silbererzen finden sich aber meistens an Arsen und Schwefel gebunden. So ist Speiskobalt Arsenkobalt, Kobaltglanz dasselbe in Verbindung mit Schwefelkobalt, Kobaltkies besteht aus den Schwefelverbindungen des K., Nickels und Eisens. In Deutschland ist das Haupterz der Speiskobalt und sein Zersetzungsprodukt die Kobaltblüte, welche durch Oxydation aus jenem entstandenes arsensaures Kobaltoxydul ist. Der Speiskobalt kommt in Gesellschaft von Silber-, Wismut- und Kupfererzen hauptsächlich bei Schneeberg und Annaberg in Sachsen vor, ferner bei Joachimsthal in Böhmen, Saalfeld in Thüringen, Reicheldorf in Hessen, im Nassauischen, Steiermark, Spanien, England, Nordamerika. Glanzkobalt findet sich besonders in Schweden und Norwegen, auch in Cornwall.

Das Zugutemachen der Kobalt-Nickelerze, nachdem sie durch Aussuchen, Pochen, Schlämmen möglichst von fremden Dingen gereinigt sind, geschieht nach verschiednen Methoden, die sich teils nach den Nebenbestandteilen der Erze, teils nach den Fabrikationszwecken richten, deren spezielle Darlegung aber hier zu weit führen würde. Jedenfalls muß das Erzmehl vorher einer Röstung unterworfen werden, um das Arsenik und den etwaigen Schwefel wenigstens zum größten Teil zu entfernen. Beide verflüchtigen sich, das Arsenik als arsenige, der Schwefel als schwefelige Säure, und erstere schlägt sich in den Kondensationskammern als das gefährliche Giftmehl nieder (s. Arsenik). Gäbe es ein reines Kobalterz, so bliebe das K. nach Vertreibung des Arsens resp. Schwefels im oxydierten Zustande übrig und die Bereitung der verschiednen Kobaltpräparate wäre dann viel weniger umständlich. So aber hat man es nach dem Rösten immer mit einem Gemisch von verschiednen Metalloxyden zu thun. Mit diesem kann in zweierlei Weise verfahren werden.

Nach der einen bringt man die Masse, nachdem sie zuvor durch Schmelzen mit Salpeter und Soda und Auslaugen mit Wasser von dem noch rückständigen Schwefel und Arsenik vollends gereinigt wurde, in konzentrierter heißer Schwefelsäure zur Auflösung, sodaß alle Metalloxyde in schwefelsaure Salze verwandelt sind. Aus der heißen mit Wasser verdünnten Lösung fällt man durch successiven Zusatz von Soda Eisen, Blei, Wismut, Kupfer als Oxyde aus, sodaß nur noch Kobalt und Nickel in Lösung bleiben. Durch fortgesetzte Fällung mit Soda wird dann zunächst kohlensaures Nickeloxydul, dann ein Gemisch von diesem mit kohlensaurem Kobaltoxydul, endlich dieses letztere rein erhalten. Das zu zweit erhaltene Gemisch wird dann wieder gelöst und durch weitere Niederschlagarbeiten in seine beiden Bestandteile geschieden. Diese und andre nasse Scheidungsmethoden werden jedoch nicht so häufig angewendet wie die auf trocknem Wege im Feuer.

In den Blaufarbenwerken geschieht die Scheidung des K. von Nickel und andren Metallen hauptsächlich bei Gelegenheit der Smaltebereitung; die Smalte ist ein gepulvertes, durch K. blau gefärbtes Glas. Die andern Produkte bestehen dann aus Oxyden in verschiednen Graden der Rein- und Feinheit und zum Teil aus Kobaltsalzen. Zur Darstellung der Smalte dienen die gewöhnlichen Grundbestandteile des feinen Glases, Quarz und Pottasche, unter Zuschlag einer angemessenen Menge gerösteten Kobalterzes, alles aufs Feinste gemahlen und gemischt. Völlige Reinheit des Erzes von Schwefel und Arsen ist nicht bedingt, vielmehr sind diese Stoffe bei der Verglasung von guter Wirkung auf die Reinigung des Flusses und es wird wenigstens Arsenik immer noch absichtlich dem zu schmelzenden Pulver zugesetzt.

Das Schmelzen und Läutern der Masse in den Häfen des Glasofens erfordert etwa 8 Stunden; man hat dann einen schönen blauen Fluß und am Boden eine schwere Schicht von Schlacken, die sog. Nickelspeise, welche durch ein mit einem Thonpfropf verschlossenes Loch abgezapft wird. Dass sich die Sache so gestaltet und man aus unreinem Erz reines Glas erhält, ist hauptsächlich dem Arsen und teilweise dem Schwefel zu danken, welche die fremden Metalloxyde abhalten in den Glasfluß mit einzugehen und die Farbe zu verderben. Die Nickelspeise enthält demnach den ganzen Nickelgehalt der Erze als Arsennickel, ebenso Eisen, Kupfer (als Schwefelkupfer) und dann auch einen Anteil K. Die Speise, eine metallisch aussehende, spröde Masse ist das hauptsächliche Material für die Darstellung des Nickels (s. d.), ihr Kobaltgehalt wird bei ihrer weitern Verarbeitung durch nasse Scheidung noch nutzbar gemacht und dieser Teil ist es gewöhnlich, aus welchem die käuflichen Oxyde hergestellt werden. Die blaue Masse bedarf nur noch der mechanischen Pulverung in verschiednen Graden der Feinheit. Man schöpft sie noch flüssig aus, gießt sie in kaltes Wasser und beschickt die Häfen gleich von neuem. Die durch das Abschrecken im Wasser mürbe gewordene Masse wird auf Stampf- oder Walzwerken gröblich zerkleinert und dann zwischen granitenen Mühlsteinen unter Beigabe von Wasser fein gemahlen, dann der blaue Schlamm in vieles Wasser eingerührt und dem Absetzen überlassen. Das zuerst Niederfallende, das gröbste,