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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Kochsalz

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Kochsalz - Kochsalz

rühren bis zur Trockne abdampft. Man tödet und trocknet sie ferner in besonders dazu eingerichteten Öfen oder durch Aussetzen in die heiße Sonne, wobei sie ihre natürliche weiße Rückenbestäubung behalten und daher silbergrau aussehen, während die gebrühten oder gedämpften diese Bedeckung einbüßen und je nach der angewandten gelindern oder höhern Trockenwärme braunrot bis schwarz werden. Durch das Abbrühen geht von dem leicht löslichen Farbstoff ein Teil an das Wasser über und bildet also einen Verlust.

Geringwertiger als die kultivierte ist die wilde oder Waldkochenille (grana sylvestre oder granilla); sie ist schon von Natur weit kleiner als die veredelte, besteht auch aus Tieren von jeder Entwicklungsstufe und enthält nur halb soviel Farbstoff, hat übrigens silbergraue Färbung wegen einer ihr eigenen filzigen Rückenbedeckung. Bei dem Kulturprodukt wird immer das Erträgnis der ersten Ernte, das auch die größten Tiere enthält, am teuersten bezahlt und heißt Zaccatilla, die beste Ware erzeugt Honduras, dessen Zaccatilla (schwarze Honduras) folglich ganz zu oberst steht; dann folgen im Range die mexikanische (Veracruz) Zaccatilla, die graue Honduras und graue Mexikaner. Teneriffa liefert ebenfalls gute graue und schwarze Ware, die spanische ist dieser ähnlich, die von Java geringer. Auch die Abgänge, welche beim Reinigen der K. durch Sieben erhalten werden, haben als Kochenillestaub noch einen geringen Handelswert. Hauptartikel am Markte sind nur Honduras, Mexiko und Teneriffa, die in ganz bedeutenden Quantitäten umgesetzt werden, obschon die K. durch die Teerfarben in ihrer Anwendung beschränkt worden ist. -

Die Kochenillekörner, die früher lange Zeit für ein pflanzliches Gebilde gehalten wurden, obschon durch Aufquellen in warmem Wasser der wahre Thatbestand bald zu ermitteln ist, bilden rundlich eckige, gerunzelte Körperchen, die sich leicht in ein rotbraunes Pulver verwandeln lassen. Der Farbstoff derselben ist die Karminsäure, s. Karmin. Der Gesamtwert der Einfuhr von K. in das Deutsche Reich belief sich im Jahre 1880 auf 1519000 Mk. - K. ist zollfrei. Die fertige Farbe daraus wird gemäß Tarif im Anh. Nr. 5 a verzollt.

Kochsalz (lat. sal culinare, frz. sel commun; engl. Kitchen-salt); diese für unsere Existenz so unentbehrliche, für mehrere Zweige der Technik ebenso wichtige Ware ist glücklicherweise in den ungeheuersten Massen auf Erden vorhanden und könnte zu kaum nennenswerten Preisen zu haben sein, wenn nicht die Regierungen in der Regel daraus ein Objekt der Besteuerung gemacht hätten. Das Meer ist überall mehr oder weniger salzig, auch gibt es zahlreiche salzige Seen; in der Erde liegen in vielen Ländern Salzstöcke (Steinsalz) von zum Teil noch unergründeter Mächtigkeit als Reste verdunsteter Seen; Quellwasser, die auf solche Vorräte treffen, lösen davon auf und treten als Salzquellen zu Tage. Alle drei Gelegenheiten werden zur Salzgewinnung benutzt und man hat demnach Seesalz, Steinsalz und Quellsalz, die dem Wesen nach nicht, sondern nur im äußern Ansehen und im Grade der Reinheit verschieden sind.

In heißen, trocknen Ländern gibt es außerdem Wüsten- oder Steppensalz, welches namentlich für Rußland einen bedeutenden Teil seiner Salzproduktion ausmacht. In den südlichen Ebenen am Schwarzen und Kaspischen Meere etc. finden sich flache Seen, denen kleine Flüßchen oder Bäche aus weiter Ferne her zufließen, die aber ihr Wasser nur durch Verdunstung wieder abgeben. Die ganz kleinen Salzmengen, welche die Zuflüsse mitbringen und die durch Verdunstung als Kristalle untersinken, haben sich im Laufe der Zeit doch zu beträchtlichen, immer noch wachsenden Salzschichten angesammelt und man hat in diesen natürlichen Salzwerken sogleich ein Bild, wie Salzstöcke unabhängig von Meeren sich bilden können. Hier besteht die Gewinnung natürlich nur in Ausschaufeln und Trocknen.

Das Salz (Chlornatrium, Natriumchlorid, Natrium chloratum, Natrium muriaticum) besteht lediglich aus den beiden, in der Natur nicht isoliert vorkommenden Elementen Natrium und Chlor, einem leichten, nicht beständigen Metall und einer gelben, erstickenden Gasart. Das in geringer Menge im Salze als Feuchtigkeit vorkommende Wasser macht keinen Bestandteil desselben aus; es ist bei der Kristallisation mechanisch eingeschlossen worden und entweicht beim Erhitzen des Salzes dampfförmig, indem es die Kristalle zersprengt - das Salz verknistert. Bei Rotglühhitze schmilzt es und fängt zu verdampfen an; ausgegossen erstarrt es zur trüben, durchsichtigen Tafel.

Eigentümlicherweise löst sich das Salz gleich viel und gleich rasch in kaltem, wie in siedendem Wasser, oder doch nur mit einem verschwindend kleinern Mehr im letztern. Die Kristallform des Salzes ist der Würfel; beim Salzsieden hängen sich an der Oberfläche der heißen Soole die entstehenden kleinen Würfel häufig mit ihren Kanten so aneinander, daß sie schwimmende Schüsselchen bilden, welche näher betrachtet niedrige, vierseitige Hohlpyramiden mit treppenförmigen Wänden sind. Auch die kompakten Massen des Steinsalzes spalten sich am leichtesten in solchen Richtungen, daß Würfel entstehen. Reines Salz hält sich an der Luft stets trocken; wird es feucht, so rührt das von zerfließlichen fremden Salzen (z. B. Chlormagnesium) her, mit denen es verunreinigt ist. -

In Gegenden, wo die Temperaturverhältnisse günstig sind, ist die Salzgewinnung aus dem Meere durch freiwillige Verdunstung thunlich und gebräuchlich, so an den Küsten des Mittelmeeres, in Frankreich auch an denen der Bretagne, an den spanischen und portugiesischen Küsten, am adriatischen Meer, auf Sardinien und Sicilien etc. Die Meere sind nicht überall gleich im Kochsalzgehalt; durchschnittlich beträgt derselbe etwa 2½%; es muß also jedenfalls viel Wasser wegdunsten. Die Einrichtungen in den Meersalinen oder Salzgärten sind einfach und im wesentlichen überall dieselben: das Meerwasser wird erst in einem Klärteich dem Absetzen überlassen und sodann in ein System von zusammenhängenden flachen Bassins geleitet, die mit Thon ausgeschlagen