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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Kockelskörner

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Kochsalz - Kockelskörner

besteht in Schwäbisch Hall, das seine Soole aus dem 3 Stunden entfernten Wilhelmsglück zugeleitet erhält. Die Erschöpfung der Steinsalzlager durch Bohrlöcher betreibt man unter andern bei Salzungen, Arnstadt und andern thüringischen Salinen, bei Wimpfen am Neckar, zu Bex in der Schweiz und auf vielen ungarischen Salinen. Durch diese unterirdischen Auslaugungen entstehen natürlich mit der Zeit Höhlungen im Innern, die Erdfälle zur Folge haben, welche eine Verlegung der Senkschächte und Bohrlöcher nötig machen. In einzelnen Fällen hat man durch Bohrungen den günstigen Erfolg gehabt, daß Soole schon von selbst zu Tage ausfließt oder springt, so z. B. in Nauheim und zu Neusalzwerk im Mindenschen, wo die Bohrung über 700 m tief gegangen ist.

Bei Salzlagern, welche wenig fremde Beimischungen enthalten und nicht durch Wässer unzugänglich gemacht werden, ist natürlich die trockne Ausbeutung nach Art von Steinbrüchen durch Absprengen mit Haue, Brecheisen und gelegentlich mit Pulver die einfachste und es kommt dann solches Salz entweder zerstoßen oder nur in größere Stücke zerschlagen, öfter in mehr als zentnerschweren Blöcken in den Verkauf. Gutes, zum Teil schönes durchsichtiges Salz bricht in solchen Gruben immer nur schicht- oder partienweise neben anderm, das mehr oder weniger mit fremden Bestandteilen gemengt und verunreinigt, daher grau oder mißfarbig ist. Soweit nicht Gelegenheit vorhanden ist, solche unreine Ware als Vieh- und Düngesalz oder an Fabriken abzusetzen, wird man sie durch Umkristallisieren reinigen oder unbenutzt lassen müssen. Auch sammelt sich wohl in vielen Fällen am Grunde der Werke mehr oder weniger Wasser, das natürlich mit Salz gesättigt ist. Sind salzarme Soolen vorhanden, so werden diese statt Wasser zum Auflösen der unreinen Salze benutzt. Manche Werke, namentlich in Österreich, Bayern, Württemberg, der Schweiz, liefern daher Stein- und Sudsalz zugleich.

Das großartigste, seit langer Zeit berühmte und vielbeschriebene bloß Steinsalz liefernde Werk ist das von Wieliczka im österreichischen Polen, welches in mehrfachen Stockwerken übereinander ausgebaut ist. Das nicht weit davon entfernte Bochnia ist ein Wieliczka in kleinerm Maßstabe. Ebenso großartig in der Masse seiner Salzablagerungen ist der erst neurer Zeit aufgefundene, in seiner Tiefe noch gar nicht ergründete Salzstock von Staßfurt bei Magdeburg. Einen Zuwachs zu diesem unerschöpflichen Reichtum bilden noch die neu entdeckten Lager zu Sperenberg im Potsdamer Kreis und Inowraclaw in der Prov. Posen, die zur Zeit noch gar nicht in Angriff genommen sind, während der Abbau des Salzlagers von Segeberg in Holstein wegen zu großen Wasserzudrangs im Jahre 1880 schon wieder aufgegeben werden mußte. -

Das Steinsalz erhält man wie gesagt in Blöcken, Stücken, gröberm oder klarerm Pulver, je nach dem Grade der ihm gegebenen Zerkleinerung. Auch das Sudsalz wird gröber und feiner erhalten je nachdem die Pfannen in der Kristallisationsperiode beheizt werden. Eine geringere Temperatur bewirkt langsamere Kristallbildung und das Zusammenwachsen der Würfel zu größeren Schüsselchen. Beim Umkristallisieren von Seesalz für die Herings- und andre Fischerei wird auf diese Form absichtlich hingearbeitet, weil man kein andres Salz als solches zum Fischeinsalzen brauchbar hält. Auch das rohe Seesalz ist in der Regel schon grobkörniger. Konsumenten, die an klares Salinensalz gewöhnt sind, befreunden sich schwer mit dem weniger weiß und rein aussehenden Steinsalz; auch in der Quantität werden anfänglich leicht Misgriffe gemacht, denn das Steinsalz salzt wegen seiner größeren Dichte schärfer, ist daher sparsamer zu verwenden als das künstliche. In Sachsen kommt nur das altgewohnte Dürrenberger Sudsalz vor, da diese Saline für den sächsischen Bedarf vertragsmäßig bestehen bleibt.

Die Produktion von K. aus Lösungen belief sich in Deutschland auf 8271834 Ztr. im Jahre 1877 und 8099997 Ztr. in 1878; die Produktion von Steinsalz dagegen 1877 auf 3415725 Ztr., 1878 auf 4058790 Ztr. Der Speisesalzverbrauch stellt sich in Deutschland pro Kopf der Bevölkerung auf 7¾ kg jährlich. Die größte Kochsalzproduktion hat England, dann folgen der Reihe nach Deutschland, Spanien und Portugal, Rußland, Österreich, Frankreich und Italien. -

Für Landwirtschaft und Fabrikation wird unreines Salz (Gewerbesalz) zu ermäßigten Preisen abgegeben, aber vorher denaturiert, d. h. durch Zumischungen für den Genuß unbrauchbar gemacht. Die Verwendung des Salzes ist eine sehr vielseitige, außer zu Speisesalz wird es in Form von ganzen oder gemahlenem Steinsalz benutzt zu Viehsalz (circa 1900000 Ztr. in Deutschland), zur Sodafabrikation (circa 1½ Million Ztr. in Deutschland), zur Seifenfabrikation (Aussalzen), Glasfabrikation, Weißgerberei, Töpferei (Kochsalzglasur), in Farbenfabriken, als Düngesalz, zum Einsalzen von Häuten, zur künstlichen Eisbereitung etc. -

Zoll: s. Tarif im Anh. Nr. 25 t und Anmerkung dazu. Die Steuer von inländischem Salz beträgt 12 Mk. für 100 kg. Für die amtliche Beaufsichtigung der Vermischung des zu landwirtschaftlichen und gewerblichen Zwecken bestimmten Salzes mit den nachstehend bezeichneten Denaturierungsmitteln wird eine Kontrollgebühr von 40 Pf. für 100 kg erhoben, wogegen Zoll (bei nicht seewärts eingegangenem Salz sind 80 Pf. Zoll pro 100 kg zu entrichten) oder innere Steuer erlassen werden. Das zur Natronsulphat- und Sodafabrikation bestimmte Salz ist auch von der Kontrollgebühr befreit. -

Die hauptsächlichsten Denaturierungsmittel sind: Eisenoxyd und Wermutkrautpulver je ¼%, für Viehsalz, Kienruß ½%, Petroleum ¼%, Seifenpulver 1%, Schwefelsäure 1% etc. für Gewerbesalz. Ausgeschlossen von der Denaturierung ist Salz für solche Gewerbe, welche Nahrungsmittel für Menschen bereiten, z. B. Tabakfabrikate, Mineralwässer etc.

Kockelskörner (Fischkörner, Läusekörner, Tollkörner, fructus oder semen Cocculi); dieselben sind bei uns keine kurshabende, sondern eine im Kleinhandel verbotene Ware, weil sie nur zu misbräuchlichen Verwendungen dienen, gehören aber in die Warenkunde schon deshalb, weil Jedermann den Namen vom Hörensagen kennt. Diese