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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Königsblau; Königsgelb; Königskerzen; Königswasser; Konserven; Kopaivabalsam

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Königsblau - Kopaivabalsam

Arabien, Aegypten, Cypern etc., ebenso in Spanien an sterilen Plätzen wild wächst, auch zum Teil angebaut wird. Die Früchte sind rund, von Apfelgröße, mit gelblicher oder bräunlicher pergamentartiger Schale, geschält und getrocknet ganz weiß oder gelblich, auffallend leicht, da die trockne Fleischmasse eine dem Holundermark ähnliche Struktur hat, im Innern mit zahlreichen gurkenkernähnlichen Samen. Man findet diese Früchte im Handel ebenso wohl in ganzer unversehrter Form als stark zusammengedrückt und mit Bruchstücken gemengt. Die Drogue ist ausgezeichnet durch ihre ungemeine Bitterkeit. Das bittere Prinzip, das sich mit andern Stoffen durch Wasser wie durch Alkohol ausziehen läßt, bedingt ohne Zweifel die medizinische Wirkung der K., welche eine heftig purgierende, in größern Gaben die eines scharfen Giftes ist. Ihre Verwendung als Purgiermittel ist daher auch nicht häufig, sondern sie dienen hauptsächlich in Abkochungen zu Insektenschutz und Vertilgung, besonders zum Töten von Wanzen in Bettstellen, zur Fernhaltung derselben unter Tünche und Tapetenkleister etc. Man unterscheidet im Handel ägyptische Ware als die beste, mit den größten Früchten, wenig Samen enthaltend, ferner syrische und cyprische, die kleiner, schwerer und vielsamiger sind. Die Apotheken führen ein weingeistiges, durch Abdampfen erhaltenes trocknes Extrakt (extractum Colocynthidis). Die Frucht selbst läßt sich nicht ohne weiteres zu Pulver stoßen, sondern nur erst, wenn sie mit Traganthschleim vermengt und wieder getrocknet worden ist. Der in den K. enthaltene wirksame Bittertoff ^[richtig: Bitterstoff] heißt Colocynthidin, gehört zu den Glucosiden, kommt aber nicht im Handel vor. - Zollfrei.

Königsblau; diesen Namen führen verschiedne blaue Farben, so z. B. die beste, kobaltreichste Sorte das Eschel (s. Kobalt); eine Sorte Berlinerblau, auf Geweben und Garnen mittels Orseille und Kochenille erzeugte und hierauf mit Indigo blau geküpte Farben. - Zollfrei. Vergl. Anilinfarben.

Königsgelb; mit diesem Namen belegt man eine Sorte Chromgelb; auch Bleiglätte, Bleioxydchlorid (Kasseler Gelb) und Auripigment führen zuweilen diesen Namen. - Zollfrei.

Königswasser (aqua regis); eine Mischung von Salzsäure und Salpetersäure (Salpetersalzsäure), welche zum Auflösen von Gold und Platin benutzt wird. - Zollfrei.

Königskerzen (Wollblumen, lat. Verbascum, frz. la molène, engl. mullein). - Die vorsichtig getrockneten Blüten verschiedner Arten der Gattung Verbascum bilden unter dem Namen K. einen Artikel des Droguenhandels. Sie werden teils von wildwachsenden, teils von angebauten Pflanzen bei uns gesammelt, kommen aber zum größten Teile, wohl zu drei Viertel der gesamten Handelsware, aus Ungarn und werden teuer, wenn die Sommerwitterung dem Gedeihen und der Einsammlung nicht günstig war. Von den verschiednen Arten werden die beiden größten, gelbblühenden, einander sehr ähnlichen und nur nach kleinem Merkmalen unterscheidbaren, V. Thapsus und V. phlomoides, benutzt. Man pflückt die Blüten bei gutem Wetter ohne die Kelche, trocknet sie rasch an der Sonne und verwahrt sie luftdicht, recht fest verpackt, da sie sonst leicht wieder Feuchtigkeit anziehen und misfarbig werden. Sie sind nur verkäuflich, wenn sich ihre gelbe Farbe gut erhalten hat. Die frischen Blüten haben einen fein aromatischen Geruch, der beim Trocknen verloren geht. Sonst besteht ihr Gehalt hauptsächlich aus Schleim, Gummi, Zucker, die sich beim Kauen verraten, und ihre Anwendung ist demgemäß die als Zusatz zu Brustthee. Blüten, Blätter und Wurzeln zollfrei.

Konserven. Hierunter werden erstlich in Küche und Konditorei die in Zucker eingemachten Früchte und Bestandteile von solchen verstanden und auch öfter Konfitüren genannt, dann für Heilzwecke bestimmte frische Pflanzenteile (Rosenblätter, Fliederblüten etc.), die ebenfalls durch Vermischen mit Zucker oder Syrup haltbar gemacht wurden; dann heißen so die verschiednen, in den Handel gebrachten, in verlöteten Blechbüchsen befindlichen Dauerspeisen der verschiedensten Art; sie sind auch unter dem Namen amerikanische Preserven im Handel, so z. Austern, Hummer, Tomaten, Pfirsiche und andre Früchte; ferner fertige Fleischspeisen und Gemüse, Suppen etc. - Zoll: s. Tarif im Anh. Nr. 25 p 1, mit Ausnahme von Corned beef, welches der Tarifnummer 25 g 1 angehört.

Kopaivabalsam (Balsamum Copaivae); ein Artikel des Droguenhandels, stammt von verschiednen Arten der Gattung Copaifera, die ihre Heimat in Südamerika und Westindien haben. Die südamerikanischen Sorten sind die besseren und allein zu medizinischen Zwecken verwendbar; der westindische K. wird nur zu technischen Zwecken benutzt und ist eine dicke, trübe, terpentinartig riechende Flüssigkeit. Guter südamerikanischer K. muß vollkommen klar sein, hellgelb bis goldgelb und ziemlich dickflüssig, er hat einen eigentümlichen, aromatischen Geruch und kratzend bittern Geschmack. Als besondre Sorten der südamerikanischen Ware hat man Para- oder Maranhaobalsam, Maracaibo- oder Venezuelabalsam und Angosturabalsam, der als Unterart des letztern in den Handel kommt. Die Parasorte ist etwas heller gelb und dünnflüssiger, als die Maracaibosorte. Verfälschungen des K. kommen nicht selten vor, namentlich mit fetten Ölen, Harzen, Terpentin und Gurjunbalsam. Die Ächtheit des Balsams kann man leicht durch das Verhalten der Kannastärkekörnchen (Arrow-Root von Queensland) unter dem Mikroskope erkennen, welche, in echten Balsam gebracht, unsichtbar werden, bei verfälschtem aber ihre Kontur erkennen lassen. Der K. enthält als wesentliche Bestandteile eine harzartige Säure, die Kopaivasäure, und ein ätherisches Öl. Die Kopaivasäure (acidum copaivicum) wird jetzt medizinisch verwendet, sie ist ein schneeweißes, kristallinisches Pulver, welches gewöhnlich aus dem Gurjunbalsam gewonnen wird, der davon mehr enthält, als der K. - Das Kopaivaöl (oleum balsami Copaivae) wird häufig zur Verfälschung