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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Kopal; Koprolithen; Korallen

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Kopal - Korallen

andrer ätherischer Öle verwendet. - Balsam und Säure sind zollfrei. Kopaivaöl gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

Kopal (frz. und engl. copal); der Gesamtname einer Gruppe von Harzen, die in ihren mancherlei Sorten zahlreiche Verschiedenheiten in äußerm Ansehen und Farbe, in Härte und in ihrem Verhalten zu Lösungsmitteln zeigen. Hinsichtlich der Abstammung dieses Harzes herrscht noch viel Unsicherheit, nur so viel ist gewiß, daß dieselbe nur zu einem Teil von lebenden Bäumen in geringerer Qualität gesammelt wird, zum andern aber fossil vorkommt, also gegraben, gelegentlich auch fortgeschwemmt im Sande von Flüssen gefunden wird. Bei diesem Aufenthalt in der Erde hat das Harz Veränderungen, ähnlich dem Bernstein, erlitten, namentlich ist es härter, schwerer löslich und schwerer schmelzbar geworden, und machen sonach eben die gegrabenen Stücke die harten Sorten aus, die allein in der Firnisbereitung einen Vorzugswert haben, während die leicht löslichen, weichen in eine Kategorie mit andern wohlfeilem Harzen zusammenfallen. Man sagt, daß die Kopalbäume nicht nur das Harz aus der Rinde ausschwitzen, sondern massenhaft auch an ihrer Pfahlwurzel absondern, womit denn die unterirdischen Funde sich erklären würden. Als Ursprungsland der besten Ware erscheint Afrika, besonders dessen östliche Küstenländer und das nahe liegende Zanzibar, das sowohl selbst K. produziert, als der hauptsächliche Verschiffungsplatz für jene Gegenden ist. Die Ware wird dort nach sichern Angaben von den Schwarzen gegraben. Westafrika führt in seiner ganzen Erstreckung, vom 8. Grad Nord bis 14. Grad Süd, auf eine Länge von 700 Meilen mit wenig Unterbrechungen K. und zwar noch reichlicher als der Osten und durchweg unterirdisch bis in 3 Meter Tiefe. Die wichtigsten Distrikte und danach benannten Sorten sind Sierra Leone, Acra, Benin, Gacun, Loango, Congo, Angola, Benguela. Die beiden letzten liefern die größten Mengen, circa 2 Mill. kg jährlich. Diese afrikanischen Sorten sind im allgemeinen weicher als aus dem Osten, ebenso die brasilianischen, kommen aber diesen in einzelnen Fällen an Qualität ziemlich nahe. - Für die brasilianische Ware besteht die unrichtige Benennung westindisch; ebenso unrichtig heißen die besten ostafrikanischen Sorten ostindischer K. Eine wirklich ostindische Sorte ist nur die Manila, eine der geringsten im Handel vorkommenden. Eine besondre Art bildet der australische Kaurikopal, der auch australisches und neuseeländisches Dammarharz genannt wird und in dieser Rubrik besprochen ist. Die Kopalsorten kommen in fast allen Schattierungen von fast weiß, gelblich oder rötlich bis zu gelb und braun, mehr oder weniger durchsichtig, in rundlichen, eckigen und unregelmäßigen Stücken und Klumpen, staubig oder runzelig, überrindet oder geschält und gesäubert in den Handel. Wird die Ware durch Anwendung von Ätzlauge äußerlich gereinigt, so kommt eine mit Pusteln besetzte Fläche zum Vorschein, die sog. Gänsehaut, welche als ein Zeichen der Güte gilt (Gänsekopal). Die weichen Kopalsorten lösen sich leicht in Weingeist und Terpentinöl, die harten nur unter Anwendung von Hitze und verschiedner Kunstgriffe, daher die Bereitung guter harter Kopallacke keine leichte Sache ist. Man bereitet fette Firnisse, die Leinölfirnis und Terpentinöl enthalten, und eigentliche Kopallacke mit Terpentinöl, Äther etc. Die härtesten Zanzibarsorten bilden fast das einzige Material zur Herstellung dieser schleifbaren Lacke, wie sie z. B. beim Wagenlackieren gebraucht werden. Sie sind daher eine gesuchte, teure und teurer werdende Ware. - Der K. ist zollfrei. Kopallack gem. Tarif im Anh. 5 a.

Koprolithen (Kotsteine); es sind dies versteinerte Exkremente vorweltlicher Tiere, bräunliche, im allgemeinen längliche, zapfenartige Steine von etwa Pflaumengröße oder zu größern Klumpen geballt, die zuerst in England, wo sie in ungeheurer Menge vorkommen, ihrer Natur nach erkannt und da sich in ihnen die vermutete mineralische Düngsubstanz, der phosphorsaure Kalk wirklich vorfand, als Düngemittel verwendet werden. Man fertigt gewöhnlich Superphosphat (s. d.) daraus. Die Tiere, von denen die Hinterlassenschaft herstammt, sind Fleischfresser gewesen. Einige glauben Raubeidechsen, andre Hyänen. Jedenfalls ist die Menge des Vorkommens erstaunlich. Man findet sie in Höhlen, hauptsächlich aber schichtweise einige Fuß unter der Erdoberfläche, wo sie fast als ein geologisches Gebilde erscheinen. Die Lager befinden sich im Süden und Westen Englands, in den Grafschaften York und Suffolk und namentlich Cambridge. Hier werden an den günstigen Stellen die Ansammlungen in etwa 2 dm dicken Schichten gefunden und in einer Art abgebaut, die mit der Bernsteingräberei große Ähnlichkeit hat. Die Brocken werden auf Maschinen gewaschen, gemahlen und dann weiter behandelt. Die nämliche Art des Vorkommens wiederholt sich in Frankreich und es sollen vom Kanal bis nach den Vogesen hin unermeßliche Vorräte liegen; eine starke Benutzung ist aber dort noch nicht im Gange. In Deutschland kennt man erst vereinzelte Lokalitäten, wo Koprolithen vorkommen, z. B. bei Degerloch in der Nähe von Stuttgart. - Zollfrei.

Korallen (Corallen, frz. corail, engl. coral). Unter den zahlreichen, kalkige Gehäuse bauenden Polypentieren hat die Edel- oder Blutkoralle (Isis nobilis oder Corallium rubrum) als Lieferant eines schönen Materials zu Schmuckwaren einen besondern Wert. Die Heimat derselben ist das Mittelländische Meer, wo sie sich an den Festlands- und Inselküsten auf Felsengrund und Vorsprüngen steiler felsiger Küsten meist in beträchtlicher Tiefe des Meeres ansiedelt; ihre von vielen Menschen betriebene Einsammlung und Verarbeitung repräsentiert beträchtliche Werte. Der Polypenstock oder mineralische Träger einer Menge einzelner Schleimtierchen wächst durch deren nach innen gerichtete Ausscheidung von Kalkmasse zu einem gedrungenen Bäumchen mit Ästen aus, das nur 38-30 cm hoch und bis zu 2½ cm stark wird. Die Masse, wie sie im Handel ist, besteht hauptsächlich aus kohlensaurem Kalk nebst etwas